6373/J XX.GP
der Abgeordneten Dr. Povysil, Dr. Pumberger, Mag. Haupt, Dr. Kurzmann
und Kollegen
an die Bundesministerin für Arbeit, Gesundheit und Soziales
betreffend Die Alten kommen
Die WHO erklärte das Jahr 1999 zum „Jahr der älteren Menschen“ und sagte den Kampf gegen
verbreitete Vorurteile an. Derzeit gibt es weltweit 580 Millionen Menschen im Alter von 60 Jahren oder
darüber. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird diese Zahl bis zum Jahr 2020 auf
eine Milliarde ansteigen. Dies entspricht einer Zunahme von 75 Prozent, verglichen mit einer 50
prozentigen Zuwachsrate der Gesamtbevölkerung. Zauberwort „Aktives Altern“ „Die Zunahme des
Alters der Gesamtbevölkerung ist eine der größten Herausforderungen, der sich die Welt im nächsten
Jahrhundert stellen muß, Es bietet aber auch eine große Chance, denn ältere Menschen könnten viele
positive Beiträge liefern,“ betont Dr. Gro Harlem Brundt - Iand, Director - General, World Health
Organisation (WHO)
Im „Internationalen Jahr der älteren Menschen“ will die WHQ vor allem bewußt machen, daß „Aktives
Altern“ der Schlüssel für ältere Menschen ist, eine wichtige Rolle in der Gesellschaft zu spielen. „Dies
schließt jede Dimension unseres Lebens ein: die physische, geistige, soziale und spirituelle. Gesundheit
ist ein wesentlicher Faktor zur Erhaltung von Wohlbefinden und Lebensqualität auch im höheren Alter
und trägt auch wesentlich dazu bei, daß ältere Menschen sich weiter aktiv in der Gesellschaft betätigen
können“, heißt es dazu in einer WHO - Aussendung. Es gibt vieles, das der/die Einzelne selbst dazu
beitragen kann, auch in späteren Lebensjahren aktiv und gesund zu bleiben. Der richtige Lebensstil,
Integration in Familie und Gesellschaft und ein unterstützendes Umfeld tragen zum Wohlbefinden bei.
„Es ist aber auch Aufgabe der Politiker, die Bemühungen des Individuums für ein ‚Aktives Altern‘ zu
unterstützen, indem soziale vermindert werden“, macht Brundtland deutlich. Um mit dem gesamten
Problemkreis „Altern und ältere Menschen“ richtig umgehen zu können, sei es notwendig, mit einigen
verbreiteten Vorurteilen aufzuräumen.
Anstieg der Lebenserwartung: Der Großteil der älteren Menschen lebt nicht, wie vielfach
angenommen, in den hochindustrialisierten westlichen Ländern. Vielmehr finden sich 60 Prozent der
älteren Personen, das heißt derzeit 355 Millionen, in den sogenannten Entwicklungsländern.
Wesentliche Ursachen dafür sind der steile Anstieg der Lebenserwartung einerseits (v.a. infolge
Verbesserung von Prophylaxe und Therapie von Infektionen) und die Abnahme der Geburtenrate
andererseits (v.a. durch modernere Methoden der Kontrazeption). Weltweit hat die Anzahl der Kinder
pro Frau von 5,9 im Jahr 1970 auf 3,1 (1998) abgenommen. Besonders deutlich war der
Geburtenrückgang in China mit 5,9 (1970) auf derzeit 1,8. Damit wird China in nur 27 Jahren (von 2000
bis 2027) das erreichen, wofür Frankreich 115 Jahre benötigt hat, nämlich den Anteil der älteren Leute
von sieben auf vierzehn Prozent zu steigern.
Chronische Erkrankungen: Je älter die Menschen werden, desto höher wird auch ihr Risiko für
chronische Erkrankungen, die zur Behinderung führen. In den Entwicklungsländern rechnet man um
das Jahr 2020 mit einem starken Anstieg der chronischen Leiden, wie kardiovaskuläre Erkrankungen,
Diabetes und Krebs.
Die Bezeichnung „ältere Menschen“ umfaßt einen sehr heterogenen Personenkreis. So führen viele
ältere Menschen ein aktiveres und gesünderes Leben als viele wesentlich jüngere Menschen.
Jedenfalls altern Menschen in sehr unterschiedlicher Weise, unter dem Einfluß einer Vielzahl von
Faktoren, wie z.B. Geschlecht, ethnischer und kultureller Hintergrund, klimatische und geographische
Bedingungen, soziales Umfeld und früherer Lebensstil. Die individuellen Unterschiede der biologischen
Charakteristika (wie Blutdruck oder physische Stärke) sind bei älteren Personen größer als bei
jüngeren. Daher
sind wissenschaftliche Untersuchungen über das Altern, die meist mit
bestimmten, gut
definierten Gruppen älterer Menschen gemacht wurden, nur sehr begrenzt generell auf ältere Personen
umlegbar.
Biologische Vorteile der Frauen: Männer und Frauen altern sehr unterschiedlich. Frauen haben eine
deutlich höhere Lebenserwartung. Sie liegt zwischen 50 in den am schlechtesten und 80 Lebensjahren
in den am weitesten entwickelten Ländern. Im Durchschnitt liegt die Lebenserwartung der Frauen um
fünf bis acht Jahre über jener der Männer. Grund dafür sind biologische Vorteile der Frauen. Diese sind
aber auch in den industrialisierten Ländern erst dann zum Tragen gekommen, als Wohlstand und
soziale Veränderungen die wichtigsten Gesundheitsrisiken für Frauen vermindert haben, vor allem
durch Reduktion der Müttersterblichkeit und geänderte Rollenverteilung in der Arbeitswelt.
Fit bis ins hohe Lebensalter: Männer sind nicht nur mit zunehmender Industrialisierung höheren
beruflichen Risiken ausgesetzt, sondern auch aufgrund ihrer Lebensweise (z.B.: Rauchen, mehr
Unfälle, Gewalttaten und Herztodesfälle infolge Alkoholgenuß). Zwar ist das Nachholbedürfnis in
Hinblick auf soziale Chancengleichheit der Geschlechter in den Entwicklungsländern höher, aber auch
in den industrialisierten Ländern gibt es wesentlich mehr arme ältere Frauen als Männer.
„Behinderte“: Ältere Menschen grundsätzlich als behindert einzustufen geht an der Realität vorbei.
Viele bleiben bis ins hohe Alter physisch fit. Natürlich nimmt die Leistungsfähigkeit unseres biologischen
Systems mit dem Älterwerden ab. In welchem Maße dies vonstatten geht, hängt jedoch von der
persönlichen Lebensweise jedes Einzelnen ab.
Ältere in der Gesellschaft: Der letzte Punkt des WHO - Statements sollte sich eigentlich von selbst
verstehen: Ältere Menschen sind keine nutzlosen Mitglieder der Gesellschaft, sondern können allein
schon aufgrund ihrer Erfahrung oder durch ihre Bereitschaft für soziale Aktivitäten wichtige Beiträge für
die Gesellschaft liefern. Voraussetzungen sind, daß diese ihnen die Möglichkeiten dazu bietet und sich
die älteren Menschen ihrer Fähigkeiten und Möglichkeiten bewußt werden.
Aus diesen Gründen richten die unterfertigten Abgeordneten
an die Bundesministerin für Arbeit, Gesundheit und Soziales
nachstehende
ANFRAGE:
1. Welche Schritte hat ihr Ressort zur Bekämpfung von chronischen Erkrankungen wie
kardiovaskuläre Erkrankungen, Diabetes und Krebs bei älteren Bürgern eingeführt?
2. Welche wissenschaftliche Studien über das Altern wurden seitens Österreich oder der EU in
Auftrag gegeben? Welche Studien sind österreichspezifisch bereits vorhanden? Nach welchen
Kriterien wurden diese Studien vergeben und wie wurden diese Studien bedeckt? Welche Kosten
betragen diese Studien für Österreich?
3. Die Lebenserwartung von Frauen liegt bei fünf bis acht Jahre über jener der Männer. Welche
Maßnahmen haben Sie gesetzt um den vermehrten armen älteren Frauen zu helfen?
4. Welche Maßnahmen haben sie gesetzt, daß ältere Menschen die Möglichkeit haben ihre
Erfahrung und Bereitschaft für soziale Aktivitäten und somit wichtige Beiträge für die Gesellschaft
als „graue Panther“ aktiv einbringen können?