6406/J XX.GP

 

ANFRAGE

 

 

der Abgeordneten Mag. Haupt, Dr. Pumberger, Dr. Povysil

und Kollegen

an die Bundesministerin für Frauenangelegenheiten und Konsumentenschutz

betreffend Mycoakterium Paratuberkulosis und Morbus Crohn

 

 

Die amerikanische ,,Paratuberculosis Aggressive Research Association“ beschäftigt sich seit

Jahren mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen bzgl. der Entstehung von Morbus Crohn im

Zusammenhang mit Mycobakterium Paratuberculosis.

Eine Diskussion, die in Österreich offensichtlich nicht stattfindet.

 

Obwohl bereits 1913 von Thomas Kennedy Dalziel beschrieben, wurde Morbus Crohn nicht

weiter bekannt, bis 1932 Burril B. Crohn diese Krankheit als eigenständiges Krankheitsbild

klassifizierte. Weil es Dr. Crohn nicht gelang, die Krankheit bei Tieren durch das in Kontakt

bringen von krankem Darmgewebe mit gesundem Gewebe auszulösen, schloß er, daß es sich

nicht um eine bakterielle Infektion handeln könne. Trotzdem wurde diese Behauptung nicht

allgemein akzeptiert und von immer mehr Wissenschaftern aus aller Welt angezweifelt.

 

Mycobakterium Paratuberculosis ist ein Bakterium, welches bei Wiederkäuern eine

chronische Krankheit namens "Johnsche Krankheit“ auslöst, wobei es zwar als „obligat

pathogen“ klassifiziert ist, aber auch in der Umwelt jahrelang überleben kann.

Die Johnsche Krankheit bei Tieren, ausgelöst durch MP, hat sowohl im Krankheitsbild, als

auch in der pathologischen und systemischen Manifestation eine signifikante Ähnlichkeit mit

der beim Menschen auftretenden Erkrankung Morbus Crohn.

 

Die Symptome der Johnschen Krankheit beim Tier manifestieren sich als

Autoimmunreaktion, bei der das Gewebe des erkrankten Tieres durch das eigene

Immunsystem attackiert wird.

Chiodini et al. (1984) wiesen Mycobakterium Paratuberkulosis in dem durch Operation

entfernten Darmgewebe von Morbus Crohn Patienten zum ersten Mal nach. Dieses

Forschungsergebnis wurde inzwischen von fünf weiteren Wissenschaftergruppen, unabhängig

voneinander in vier Ländern, bestätigt.

 

Die Mycobakterium Paratuberkulosis Stämme, die aus dem Gewebe von Morbus Crohn

Erkrankten kultiviert werden konnten, stammten in ihrem Ursprung alle von Bakterien aus

erkranktem Vieh - sprich Kühen und deren Milch.

 

Mit Hilfe der Methode des genetischen Fingerabdrucks, wurde Mycobakterium

Paratuberkulosis DNA bei Morbus Crohn Erkrankten mit einem signifikanten höheren

Prozentsatz nachgewiesen als bei gesunden Menschen. Auch das konnte von sechs

Wissenschafterteams in vier Ländern bestätigt werden. Mycobakterium Paratuberkulosis

RNA, welche beweist, daß die Bakterien am Leben sind und sich vermehren, wurde in 100%

aller untersuchten Morbus Crohn Kranken nachgewiesen. Dieselbe Studie zeigte auch, daß

Mycobakterium Paratuberkulosis RNA nicht bei Gesunden nachgewiesen werden kann.

 

Stämme von Mycobakterium Paratuberkulosis, die von Morbus Crohn Patienten gewonnen

und an Tiere verabreicht wurden, lösten bei diesen Symptome ähnlich dem Morbus Crohn

beim Menschen aus. Hier wurde erstmals bewiesen, daß Mycobakterium Paratuberkulosis den

Sprung vom Tier zum Menschen geschafft hat, und dort eine Krankheit verursacht.

 

Die Behandlung mit bestimmten Antibiotika gegen MP bewirkte bei über 90% der

Behandelten einen Übergang in die Remissionsphase. Damit sind Antibiotika die bisher beste

und erfolgreichste Therapie gegen Morbus Crohn.

 

1996 konnten Wissenschafter in Kanada eine Korrelation zwischen dem geographischen

Auftreten von Morbus Crohn bei Menschen und Paratuberkuloseinfektionen bei Tieren

nachweisen.

Die Zahl der Morbus Crohn Patienten in den USA steigt seit mehreren Jahrzehnten

kontinuierlich an, genauso wie die Verbreitung der Johnschen Krankheit bei Tieren (Loftus E

Jr et al. 1998)

 

Bereits 1985 wurde eine Gensequenz nachgewiesen, welche eindeutig Mycobakterium

Paratuberculosis zuzuordnen ist. Die Sequenz ist unter der Bezeichnung IS900 bekannt, und

in 20 - facher Kopie im Genom des Bakteriums vorhanden. Diese Gensequenz wiederholt sich

in keinem anderen bekannten Organismus, was bedeutet, daß IS900 ein einmaliger

„Fingerabdruck“ von Mycobakterium Paratuberculosis ist.

 

Genetische Untersuchungsverfahren, basierend auf der PCR, wurden parallel zu den oben

genannten Forschungen betrieben. 1991 benutzten Hermon - Taylor et al. diese Technik, um

IS900 im Darm von Morbus Crohn Patienten nachzuweisen. Diese Untersuchungen ergaben

weiters, daß in 65% der Morbus Crohn Patienten, verglichen mit 4,3% der Colitis Ulcerosa

Patienten und 12,5% der Kontrollgruppe, der genetische Fingerabdruck von IS900 gefunden

wurde. Dies war eine signifikante Feststellung, da bewiesen wurde, daß Morbus Crohn

Patienten um ein vielfaches mehr mit MP infiziert sind als die übrige Bevölkerung.

Seit dieser Untersuchung wurde - in sechs weiteren Studien in vier Ländern (England,

Frankreich, Dänemark, USA) - bestätigt, daß MP in einem wesentlich höheren Prozentsatz bei

Morbus Crohn Erkrankten vorkommt, als in der normalen Bevölkerung.

 

Hermon - Taylor et al. waren überrascht, den genetischen Fingerabdruck des Mycobakterium

Paratuberkulosis sowohl bei Morbus Crohn Patienten, als auch in einem geringeren

Prozentsatz der gesunden Kontrollgruppe festzustellen. Dies wurde auch von den anderen

Wissenschaftergruppen bestätigt und ließ sie die These aufstellen, daß ein Umweltfaktor

existieren müsse, dem die gesamte Bevölkerung ausgesetzt sei und der Mycobakterium

Paratuberkulosis überträgt. Unter der Annahme, daß die Johnsche Krankheit bei Tieren von

Mycobakterium Paratuberkulosis ausgelöst wird, lag die Vermutung nahe, daß die

Nahrungskette dieser Umweltfaktor sei. Diese Vermutung wurde bestätigt, als Hermon - Taylor

et al. den Mycobakterium Paratuberkulosis Fingerabdruck bei 7% der in Großbritannien im

Handel befindlichen Milch nachwies und daraus auch Stämme kultivieren konnte.

 

Eine aufschlußreiche Studie wurde von Mishina et al. (1996) durchgeführt. Sie konnten

nachweisen, daß Mycobakterium Paratuberkulosis in 100% der Morbus Crohn und Colitis

Ulcerosa Patienten aufzufinden ist, wobei in der Kontrollgruppe die Existenz nicht

nachgewiesen werden konnte. Basierend darauf bewiesen Mishina et al. weiters, daß

Mycobakterium Paratuberkulosis nicht nur im Gewebe von Morbus Crohn Patienten zu

finden ist, sondern daß der Erreger dort lebt und sich vermehrt.

Somit wurde erneut bewiesen, daß Mycobacterium Paratuberculosis den Sprung vom Tier

zum Menschen geschafft hat.

Hermon - Taylor et al. (1998) dokumentierten den ersten Fall, bei dem ein sieben Jahre alter

britischer Junge eine Lymphknoten - Infektion mit Paratuberkulose hatte, und bei dem - nach

einer Inkubationszeit von fünf Jahren - eine Krankheit des Darmes auftrat, welche als Morbus

Crohn diagnostiziert wurde.

 

 

Die unterfertigten Abgeordneten richten in diesem Zusammenhang an die Frau

Bundesministerin für Frauenangelegenheiten und Konsumentenschutz nachstehende

 

 

ANFRAGE

 

1.  Sind Ihnen die weltweite Zunahme der Paratuberkulose in den Rinderbeständen und die

     Erkrankung Morbus Crohn bekannt?

 

2.  Halten Sie die Zunahme der Therapieresistenz von Mycobakterium Paratuberkulosis und

     die 1998 erstmals nachgewiesene Übertragbarkeit auf den Menschen für ein

     Alarmzeichen? Wenn ja, was werden Sie tun? Wenn nein, warum nicht?

 

3.  Erachten Sie eine Änderung der derzeitigen Präventions - und Untersuchungsmaßnahmen

     für österreichisches und nach Österreich importiertes Vieh als notwendig? Wenn ja,

     welche Maßnahmen werden Sie ergreifen, wenn nein, warum nicht?

 

4.  Sind Maßnahmen geplant, um die weitgehend Para - TBC - freien österreichischen

     Rinderbestände vor dem weltweit ansteigenden hohen Infektionsdruck zu schützen? Wenn

     ja, wie sehen diese Maßnahmen aus? Wenn nein, warum nicht?

 

5.  Wie wollen Sie den Österreichern die Para - TBC Freiheit der Rinderbestände in Zukunft

     garantieren?

 

6.  Wie wollen Sie die österreichischen Konsumenten vor importierten Para - Tbc verseuchtem

     Fleisch und Fleischverarbeitungsprodukten schützen?

 

7.  Wie beurteilen Sie die in Österreich offensichtlich nicht vorhandene Zusammenarbeit der

     Medizin und Veterinärmedizin zu diesem Thema, und was werden Sie dagegen

     unternehmen?

 

8.  Welche Maßnahmen werden Sie ergreifen, um den Aufbau eines Seuchen

     Forschungszentrums an der Veterinärmedizinischen Universität - und damit die

     Zusammenarbeit von Medizin und Veterinärmedizin unter Bedachtnahme auf die immer

     komplexer werdende Forschung - für das kommende Jahrtausend sicherzustellen? Wenn

     keine, warum nicht?