6634/J XX.GP

 

Anfrage

 

 

der Abgeordneten Dr. Graf und Kameraden

 

an den Bundesminister für Wissenschaft und Verkehr

 

betreffend universitäre Forschungstätigkeit am AKH Wien

 

 

 

„Professoren, welche die Arbeit Ihrer Mitarbeiter als die eigene verkaufen und dafür

die Lorbeeren ernten, Ehrgeiz und Ideendiebstahl, Konkurrenzkampf zweier

Professoren auf Kosten der Studierenden“, sind traurige Berichte vieler in

universitären Einrichtungen tätigen Angestellten und Wissenschaftern sowie

zahlreicher Studierender.

So sollen zum Beispiel einige Professoren am AKH Wien eine unglaubliche Macht

ausüben, was zu einer Zweiklassengesellschaft unter den Angestellten geführt

haben soll: Einerseits soll es einen kleinen auserwählten Personenkreis geben der

sich einen guten Namen macht und im Ruhm badet (Zugehörigkeit durch Geburt,

Heirat, Geld, Protektion), andererseits sollen unterdrückte und interessierte

Wissenschafter um Anerkennung kämpfen, ihre wissenschaftliche Kreativität und

Leistungswilligkeit soll jedoch durch Intrigen und Protektion unterdrückt werden.

 

So behauptet Dr. Alfred Schöller am AKH der erste Wissenschafter in Österreich

gewesen zu sein, der gegen den ursprünglichen Willen seiner Vorgesetzten die

molekularbiologische Dioxinforschung etabliert habe.

Erwähnter Forscher arbeitete an einem Projekt, das zwar für drei Jahre bewilligt

wurde, sein Dienstvertrag lief aber nach zwei Jahren ab. Während dieser Zeit kam es

zu Konflikten unter den am Projekt beteiligten Wissenschaftlern die ihren Höhepunkt

in einer Entlassungsdrohung wegen öffentlichen Beleidigung hatten.

Ein Projektbericht, der von dem Wissenschafter verfaßt wurde und er auch die

dazugehörigen Experimente besaß, wurde angeblich ohne das Wissen des

Verfassers von seinen Vorgesetzten eingereicht. Wenig später wurde der

Wissenschafter gekündigt. Es wurde ihm verboten seine Experimente oder

Gegenstände die er für seine Forschung aus eigenen Mitteln erworben hat,

mitzunehmen. Seine privaten Sachen wurden konfisziert, durchsucht und laut seiner

Aussagen sogar Gegenstände entwendet. Ein weiteres Projektjahr wurde genehmigt

und mit seinen Gegenstände weitergeführt. Eine Strafanzeige des Wissenschafters

wurde angeblich ohne Untersuchung zurückgelegt.

An einem Institut im AKH wird nun mit seinen Projektgeldern in Millionenhöhe an

seinen Ideen gearbeitet.

 

 

Die unterzeichneten Abgeordneten stellen an den Bundesminister Wissenschaft und

Verkehr folgende schriftliche

Anfrage

 

 

1) Ist ihnen oben angeführter Fall bekannt?

 

2) Sind Ihnen ähnliche Fälle bekannt?

    Wenn Ja, welche?

 

3) Welche Hilfe wurde im konkreten Fall dem hilfesuchenden Forscher gewährt?

    Warum wurde im konkretem Fall dem Vorgesetzten ungeprüft Glauben

    geschenkt?

 

4) Sowohl dem FWF als auch Ihrem Ministerium wurde von dem konkreten Fall

    berichtet, die Beschwerde aber ,,ad acta“ gelegt. Warum?

 

5) Kann man einem Wissenschafter, Geräte und Chemikalien aus eigenen Mittel

    finanziert, sowie Preise mit seinen Ideen erwirbt, Nachteile für die

    Forschungsarbeit am Institut nachsagen?

    Was war der konkrete Kündigungsgrund des Dr. Schöller?

 

6) Sind Sie sich bewußt, daß durch die Vorgangsweise - ohne klärendes Gespräch

    oder die Chance einer Rechtfertigung einen Wissenschafter aus seiner

    jahrelangen Arbeit abzulösen - demselben seine Existenzgrundlage national und

    international geraubt wird?

 

7) Wieviele Fälle der vergangenen 10 Jahre sind Ihnen bekannt wo ein

    Wissenschafter, im öffentlichen Dienstverhältnis stehend, während des laufenden

    Projektes gekündigt wurde?

 

8) Gibt es eine "Clearingstelle“ im Wissenschaftsministerium, die bei

    Ungerechtigkeiten zur Sicherung öffentlicher Mittel (Forschungssubventionen)

    aber auch im Interesse des einzelnen Wissenschafters angerufen werden kann

    beziehungsweise einschreitet.

    Wenn nein, warum nicht?