6672/J XX.GP

 

ANFRAGE

 

der Abgeordneten Petrovic Freundinnen und Freunde

 

an die Bundesministerin für Frauenangelegenheiten & Verbraucherschutz

 

betreffend Gesundheitsgefährdung durch tierische Produkte

 

Im Zusammenhang mit den letzten Lebensmittelskandalen (BSE -, Dioxin - Skandal), dem

vermehrten Auftreten von Salmonellen - Vergiftungen sowie Antibiotika - Resistenzen durch

den Einsatz von Leistungsförderern in der Tiermast ist die Notwendigkeit eines

konsequenten, gesundheitlich orientierten KonsumentInnenschutzes besonders deutlich

geworden.

 

Anläßlich des BSE - Skandals wurden zwar EU - weit strengere Normen für die Verarbeitung

von Tiermehl (Erhitzung des Materials auf 1330, drei Bar Druck, mindestens 20 Minuten

lang) eingeführt. Allerdings werden nach wie vor mit hochgiftigen Substanzen euthanasierte

Tiere zu Tiermehl verarbeitet, das wieder in die Futter - und Nahrungsmittelkette kommt.

Dioxin wurde von der Weltgesundheitsorganisation WHO als krebserregend eingestuft.

Schon einige tausendstel Milligramm gelten als gesundheitsschädlich. Im Rahmen des

Dioxin - Skandals traten schwere Auffassungsunterschiede hinsichtlich der Einschätzung der

Gefährlichkeit der Kontaminierung, der Festlegung von Grenzwerten und bei der

Beschlagnahmung von Produkten auf. Neben der Aufnahme von Dioxin über die Nahrung

ist auch die allgemeine Belastung der Bevölkerung mit Dioxin viel zu hoch.

Trotz Warnungen der Ärzte werden in der intensiven Fisch - und Fleischerzeugung immer

noch Antibiotika als Leistungssteigerer eingesetzt und weit über die Hälfte der in der EU

verbrauchten Antibiotika landet im Tierfutter. Auf der Berliner WHO - Konferenz wurden

folgende Schlußfolgerungen gezogen: „Der Gebrauch von Antibiotika führt in jedem

Ökosystem zur Selektion resistenter Bakterien. Das trifft für alle Anwendungen in der

Therapie, der Prophylaxe oder der Verabreichung als Leistungsförderer zu. Low - Level -

Konzentrationen und Langzeitexposition haben ein größeres Selektionspotential als eine

kurzzeitige Voll - Dosis - Therapie.“ Die WHO empfiehlt einen sofortigen Ausstieg aus dem

Einsatz von Fütterungsantibiotika, die als medizinische Therapeutika eingesetzt werden und/

oder im Verdacht stehen, Kreuzresistenzen zu in der Humanmedizin angewandten Stoffen

auszulösen sowie einen schrittweisen Ersatz der antimikrobiellen Leistungsförderer

insgesamt.

 

Die unterfertigten Abgeordneten stellen daher folgende

 

 

ANFRAGE:


 

1.             Dioxin - Skandal: Welche Maßnahmen werden Sie anläßlich des Dioxin - Skandals zum

                vorsorgenden Gesundheitsschutz der KonsumentInnen treffen?

 

2.             Die Internationale Agentur für Krebsforschung der WHO hat Tetrachlordibenzo - p -

                Dioxin (TCDD) als Karzinogen der Klasse 1 (höchste Stufe) eingestuft. Die WHO

                empfiehlt, daß bei Dioxinen die vertretbare Tagesdosis von 1 - 4 pg/kg Körpergewicht

                nicht überschritten werden sollte. Welche Grenzwerte bzw. Eingriffs - und

                Vorsorgewerte für Dioxin in Lebens - und in Futtermitteln gelten derzeit in

                Österreich/der EU, und wann, vom wem und nach welchen Kriterien wurden sie

                festgelegt?

2a.           Basieren die österreichischen Grenzwerte auf den fragwürdigen Ergebnissen von

                Tierversuchen? Wenn ja, auf welchen Versuche (bitte um genaue Beschreibung der

                Tests)?

 

3.             Wurde bei der Festlegung der Grenz - bzw. Vorsorgewerte auch die allgemeine

                 Dioxin - Belastung der Bevölkerung berücksichtigt?

 

4.             Wurde bei der Festlegung der Grenz - bzw. Vorsorgewerte ausschließlich das

                Krebsgefährdungspotential von Dioxin berücksichtigt oder wurde auch seine

                schädigende Eigenschaft auf das Immun - , Hormon - und Fortpflanzungssystem

                herangezogen?

 

5.             Wie hoch ist die durchschnittliche tägliche Dioxinbelastung für einen Bürger/eine

                Bürgerin in Österreich bzw./der EU bzw. /den Industrieländern pro kg Körpergewicht

                und Tag unter Berücksichtigung der durchschnittlichen Belastung der Lebensmittel

                und der Umweltbelastungen durch Dioxin?

5a.           Von welchen Annahmen betr. NEL - (no effect level) bzw. betr. ADI - (acceptable

                daily intake) Wert gehen Sie aus?

 

6.             Besonders schädigend wirkt Dioxin auf Säuglinge, wenn die Muttermilch Dioxin -

                belastet ist. Wie hoch liegt die täglich durchschnittliche Dioxinaufnahme bei

                Säuglingen in Österreich pro kg Körpergewicht? Gab es in den letzten Jahren

                diesbezüglich Untersuchungen oder Grenzwerte in Österreich? Wenn nein, warum

                nicht, wenn ja, mit welchem Ergebnis?

 

7.             Was werden Sie unternehmen, um das Frühwarnsystem und die Information der

                Öffentlichkeit zu verbessern?

 

8.             BSE - Skandal: Im Zusammenhang mit der Rinderseuche BSE wurde von einigen

                Ländern in der EU, darunter Frankreich, der Vorstoß unternommen, die Verfütterung

                von Tiermehl generell zu verbieten. Unterstützen Sie diese Position, wenn nein,

                warum nicht?

 

9.             Wie beurteilen Sie, daß in Österreich nach wie vor mit hochgiftigen Substanzen

                euthanasierte Tiere zu Tiermehl verarbeitet werden?

    a)        Aufgrund welcher Unbedenklichkeitsstudien oder Gutachten ist dies weiterhin erlaubt?

    b)        Wieviele Tiere und welche Arten von verendeten Tieren (außer Schlachtabfällen)

                wurden in den letzten drei Jahren in Österreich zu Tiermehl verarbeitet?

10.           Die genannten Lebensmittelkrisen belegen die dringende Notwendigkeit, das Prinzip

                eines vorbeugenden Verbraucherschutzes in Österreich und EU - weit einzuführen. Was

                haben Sie bisher konkret in diese Richtung unternommen und was werden Sie

                unternehmen, um eine vorsorgende Lebensmittelpolitik in der EU zu verwirklichen?

 

11.           Antibiotika in Futtermitteln: Was haben Sie anläßlich des WHO - Berichtes bisher

unternommen bzw. werden Sie unternehmen, damit es zu einem generellen Verbot des

Zusatzes von antibakteriellen Medikamenten (einschließlich Antibiotika) in

Futtermitteln kommt?

 

12.           Was werden Sie anläßlich des BSE -  und Dioxinskandals unternehmen, damit es zu

                am Konsumenten - und Tierschutz orientierten, geeigneten Verfahren für die

                Herstellung von Futtermitteln kommt?

 

13.           Gibt es in Österreich/der EU/weltweit Aufzeichnungen darüber, in wievielen Fällen

                während der letzten fünf Jahre Antibiotika - Resistenzen zu erheblichen Problemen in

                der Humanmedizin oder gar zum Tod von Menschen geführt haben? Wenn nein,

                warum nicht, wenn ja, mit welchem Ergebnis?

 

14.           Salmonellen: Wie viele bakteriologische Untersuchungen an Masttierherden wurden

                in den letzten fünf Jahren durchgeführt? In wievielen Fällen wurden Salmonellen

                nachgewiesen? Wieviele Menschen sind in den letzten fünf Jahren an Salmonellose

                erkrankt? Wie hoch ist die Infektionsrate bei Eiern?

 

15.           Für wieviel Prozent der Fälle von Lebensmittelvergiftungen sind Salmonellen

                verantwortlich? Wieviele Todesfälle wurden registriert? Wie hoch schätzen Sie die

                Dunkelziffer?

 

16.           Konsumentlnnenschutz: Welche Maßnahmen werden Sie ergreifen, damit endlich

                eine transparente und verpflichtende Kennzeichnung von tierischen Produkten nach

                Art der Haltungsform nach dem Tiergerechtheitsindex eingeführt wird?

 

17.           Was werden Sie angesichts der enormen Schäden, die durch den BSE -  und Dioxin -

                Skandal für die Öffentlichkeit entstanden sind, unternehmen, damit es zu einer

                Ausweitung der Produkthaftung beim Hersteller kommt?

 

18.           Welche Beeinträchtigungen der Qualität tierischer Lebensmittel werden regelmäßig

                erhoben und überprüft?

 

19.           Welche Stellen führen in welchen Abständen, mit welcher Häufigkeit und wo

                Inspektionen, Stichproben (von wieviel Prozent der geschlachteten Tiere) zur

                Überwachung der Lebensmittelsicherheit durch? Welche Rolle haben die

                Verbraucherverbände bei diesen Überprüfungen? Wieviel Prozent der gezogenen

                Proben wurde während der letzten drei Jahre beanstandet und warum?

 

20.           Wo und wie häufig werden in Österreich Lebensmittel nach Dioxin untersucht?