6679/J XX.GP

 

ANFRAGE

 

 

der Abgeordneten Petrovic, Freundinnen und Freunde

 

an den Bundesminister für Land - und Forstwirtschaft

 

betreffend Gesundheitsgefährung durch tierische Produkte infolge industrieller

Massentierhaltung

 

 

Obwohl die Ursachen von BSE, Schweinepest und Dioxinskandal eindeutig in der

industriellen Massentierhaltung zu suchen sind, hat die Agrarpolitik bisher keine Maßnahmen

gesetzt, diese negativen Entwicklungen rückgängig zu machen. Das Modell der

rentabilitätsorientierten Landwirtschaft bringt allein der Agroindusrie Vorteile, namentlich

den transnationalen Herstellern von Futtermitteln, Antibiotika und Wachstumsbeschleunigern.

 

Beispiel Agenda 2000: Die EU - Agrarreform ist konzipiert für eine Weltmarktlandwirtschafi,

dh für Strukturen, die die Industrialisierung der Landwirtschafi noch beschleunigen.

Beispiel Antibiotika in Futtermitteln: Industrielles Farming kann ohne den Einsatz von

Antibiotika nicht bestehen. 80% der in der EU produzierten Antibiotika werden von Tieren

verbraucht. Seit Jahren warnen Ärzte und die WHO, daß die systematische Beimengung von

Antibiotika zum Tierfutter eine verstärkte Resistenz bestimmter Krankheitserreger beim

Menschen mit sich bringen. Folge: bestimmte humanmedizinische Mittel verlieren an

Wirksamkeit. Deshalb müsse die Verwendung von Antibiotika auf rein therapeutische

Zwecke beschränkt bleiben, so die WHO. Dennoch konnte man sich bisher auf EU - Ebene

nicht zu einem generellen Verbot des Einsatzes von antibiotischen Leistungsförderern in

Futtermitteln entschließen (es wurden lediglich vier von insgesamt acht zugelassenen

Antibiotika verboten).

 

Beispiel Gentechnik: Durch Klonen und Genmanipulation wird bald die Herstellung streng

standardisierter Tiere möglich sein, die genauen biomdustriellen Normen entsprechen.

 

Anläßlich des BSE - Skandals wurden zwar EU - weit strengere Normen für dieVerarbeitung

von Tiermehl eingeführt. Allerdings werden nach wie vor mit hochgiftigen Substanzen

euthanasierte Tiere zu Tiermehl verarbeitet, das wieder in die Futter - und Nahrungsmittelkette

gelangt. Die Erfahrungen mit den genannten Lebensmittelskandalen haben deutlich gemacht,

daß vor allem an den Ursachen, nämlich der industrialisierten Tierproduktion anzusetzen ist.

 

Die unterfertigten Abgeordneten stellen daher folgende

 

 

ANFRAGE:

 

1.   Was werden Sie unternehmen, damit es zu einer radikalen Trendwende der bisherigen

      Agrarpolitik in Richtung Erhaltung der bäuerlichen Betriebe, Ökologie, Gesundheits -

      und Tierschutz kommt?

2.   Stimmt es, daß es derzeit weder in Österreich noch EU - weit gesetzlich vorgeschriebene

      Grenzwerte für Dioxin in Lebens - und Futtermitteln gibt (nach unseren Informationen

      gibt es lediglich vorläufige Empfehlungen vom Hygieneausschuß für Vorsorge/bzw.

      Eingriffswerte)? Wenn ja, an welchen Grenzwerten orientieren Sie sich bzw. der

      Hygieneausschuß? Warum haben Sie es verabsäumt, im Rahmen der Novellierung des

      Futtermittelgesetzes solche gesetzlichen Grenz- bzw. Vorsorgewerte festzuschreiben?

 

3.   Was werden Sie anläßlich des BSE - und Dioxinskandals unternehmen, damit es zu am

      Konsumenten - und Tierschutz orientierten, geeigneten Verfahren für die Herstellung

      von Futtermitteln kommt?

 

4.   Im Zusammenhang mit der Rinderseuche BSE wurde von einigen Ländern in der EU,

      darunter Frankreich, der Vorstoß unternommen, die Verfütterung von Tiermehl generell

      zu verbieten. Unterstützen Sie diese Position, wenn nein, warum nicht?

 

5.   Wie stehen Sie als ÖVP - Minister zur Tatsache, daß VP - Kommissar Fischler sein

      Versprechen, die sog. Herodesprämie gleichzeitig mit der Agenda 2000 abschaffen zu

      wollen, nicht eingehalten hat? Können Sie garantieren, daß keine Kälber aus Österreich

      zu Herodes - Schlachthöfen gebracht werden?

 

6.   Wie beurteilen Sie, daß in Österreich nach wie vor mit hochgiftigen Substanzen

      euthanasierte Tiere zu Tiermehl verarbeitet werden? Auf welche

      Unbedenklichkeitsstudien oder Gutachten stützen Sie sich und wieviele Tiere und

      welche Arten von verendeten Tieren (außer Schlachtabfällen) wurden in den letzten drei

      Jahren zu Tiermehl verarbeitet?

 

7.   Antibiotika in Futtermitteln: Was haben Sie anläßlich des WHO - Berichtes bisher

      unternommen bzw. werden Sie unternehmen, damit es zu einem generellen Verbot des

      Zusatzes von antibakteriellen Medikamenten (einschließlich Antibiotika) in

      Futtermitteln kommt? 

 

8.   Welche Maßnahmen werden Sie ergreifen, damit endlich eine transparente und

      verpflichtende Kennzeichnung von tierischen Produkten nach Art der Haltungsform

      nach dem Tiergerechtheitsindex eingeführt wird?

 

9.   Mit weIcher Höhe wurden in Österreich seit dem EU - Betritt Investitionen in die

      Aufstockung der Tierbestände gestützt (EU, Bund und Länder)? Was werden Sie

      unternehmen, damit diese intensiven und dadurch riskanten Produktionsmethoden nicht

      mehr gefördert werden und stattdessen ökologisch orientierten Betrieben zugute

      kommen?

 

10.   Welche Kosten im Budget haben BSE - und Dioxin - Skandal auf EU - Ebene und in

        Österreich verursacht (Tierseuchenbekämpfung, selektive Schlachtprogramme,

        außerordentliche Stützungsmaßnahmen, Preisverfall und Preisausgleichszahlungen)?

 

11.   Gibt es Forschungsprojekte in Ihrem Ressort, die sich mit der Klonierung und/oder mit

        der Genmanipulation von Tieren beschäftigen? Wenn ja, welche Institutionen, wieviele

        Gelder werden dafür aufgewendet, und wie lautet der Forschungsauftrag?