6680/J XX.GP

 

ANFRAGE

 

 

der Abgeordneten Petrovic, Freundinnen und Freunde

 

an die Bundesmimsterin für Arbeit, Gesundheit & Soziales

 

betreffend Gesundheitsgefährung durch tierische Produkte

 

Im Zusammenhang mit den letzten Lebensmittelskandalen (BSE -, Dioxin - Skandal), dem

vermehrten Auftreten von Salmonellen - Vergiftungen sowie Antibiotika - Resistenzen durch

den Einsatz von Leistungsförderern in der Tiermast ist die Notwendigkeit eines

konsequenten, gesundheitlich orientierten KonsumentInnenschutzes besonders deutlich

geworden.

 

Anläßlich des BSE - Skandals wurden zwar EU - weit strengere Normen für dieVerarbeitung

von Tiermehl (Erhitzung des Materials auf 1330, unter drei Bar Druck, mindestens 20

Minuten lang) eingeführt. Allerdings werden nach wie vor mit hochgiftigen Substanzen

euthanasierte Tiere zu Tiermehl verarbeitet, das wieder in die Futter - und

Nahrungsmittelkette gelangt.

 

Im Rahmen des Dioxin - Skandals traten schwere Auffassungsunterschiede hinsichtlich der

Einschätzung der Gefährlichkeit der Kontaminierung, der Festlegung von Grenzwerten und

bei der Beschlagnahmung von Produkten auf. Neben der Aufnahme von Dioxin über die

Nahrung ist auch die allgemeine Belastung der Bevölkerung mit Dioxin viel zu hoch (ein

Teil der Dioxine wird über die Luft und in speziellen Fällen auch über die Haut

aufgenommen).

 

Seit Jahren warnen Ärzte vor dem Einsatz von Antibiotika in Tierfutter, der zu Resistenzen

bei den KonsumentInnen führen kann. Auf der Berliner WHO - Konferenz wurden folgende

Schlußfolgerungen gezogen: „Der Gebrauch von Antibiotika führt in jedem Ökosystem zur

Selektion resistenter Bakterien. Das trifft für alle Anwendungen in der Therapie, der

Prophylare oder der Verabreichung als Leistungsförderer zu. Low - Level - Konzentrationen

und Langzeitexposition haben ein größeres Selektionspotential als ein kurzzeitige Voll -

Dosis - Therapie. „Die WHO empfiehlt eine sofortigen Ausstieg aus dem Einsatz von

Fütterungsantibiotika, die als medizinische Therapeutika eingesetzt werden und / oder im

Verdacht stehen, Kreuzresistenzen zu in der Humanmedizin angewandten Stoffen

auszulösen sowie einen schrittweisen Ersatz der antimikrobiellen Leistungsförderer

insgesamt.

 

 

Die unterfertigten Abgeordneten stellen daher folgende

 

 

ANFRAGE:


 

1.  Welche Maßnahmen haben Sie bzw. werden Sie anläßlich des Dioxin - Skandals zum

     vorsorgenden Gesundheitsschutz der Bevölkerung treffen?

 

2.  Wurde bei der Festlegung der Grenz - bzw. Vorsorgewerte auch die allgemeine

     Dioxin - Belastung der Bevölkerung berücksichtigt?

 

3.  Wurde bei der Festlegung der Grenz - bzw. Vorsorgewerte ausschließlich das

     Krebsgefährdungspotential von Dioxin berücksichtigt oder wurde auch seine

     schädigende Eigenschaft auf das Immun -, Hormon - und Fortpflanzungssystem

     herangezogen?

 

4.  Wie hoch ist die durchschnittliche tägliche Dioxinbelastung für einen Bürger/eine

     Bürgerin in Österreich bzw./der EU bzw./den Industrieländern pro kg Körpergewicht

     und Tag unter Berücksichtigung der durchschnittlichen Belastung der Lebensmittel

     und der Umweltbelastungen durch Dioxin?

 

4a. Von welchen Annahmen betr. NEL - (no effect level) bzw. betr. ADI - (acceptable

      daily intake) Wert gehen Sie aus?

 

5.  Besonders schädigend wirkt Dioxin auf Säuglinge, wenn die Muttermilch Dioxin -

     belastet ist. Wie hoch liegt die täglich durchschnittliche Dioxinauffiahme bei

     Säuglingen in Österreich pro kg Körpergewicht? Gab es in den letzten Jahren

     diesbezügliche Untersuchungen in Österreich? Wenn nein, warum nicht, wenn ja, mit

     welchem Ergebnis?

 

6.  Wie beurteilen Sie als Gesundheitsministerin, daß in Österreich nach wie vor mit

     hochgiftigen Substanzen euthanasierte Tiere zu Tiermehl verarbeitet werden?

 

7.  Gibt es in Österreich/der EU/weltweit Aufzeichnungen darüber, in wievielen Fällen

     während der letzten fünf Jahre Antibiotika - Resistenzen zu erheblichen Problemen in

     der Humanmedizin oder gar zum Tod von Menschen geführt haben? Wenn nein,

     warum nicht, wenn ja, mit welchem Ergebnis?

 

8.  Wieviele Menschen sind in den letzten fünf Jahren an Salmonellose erkrankt? Für

     wieviel Prozent der Fälle von Lebensmittelvergiftungen sind Salmonellen

     verantwortlich?

 

9.  Welche Hautptendenzen von Änderungen im Rahmen der Krankheitsbilder lassen sich

     im Zusammenhang mit tierischen Produkten in den letzten Jahren erkennen?

 

10. Im Zusammenhang mit Massentierhaltungsanlagen beklagen sich Anrainer zunehmend

     über gesundheitliche Beschwerden, die auch von Ärzten bestätigt werden (Zunahme

     der Atemwegserkrankungen etc.). Werden Sie Studien in Gemeinden mit

     Massentierhaltungsanlagen betr. Gesundheitsgefährdung durchführen lassen bzw. was

     werden Sie als Gesundheitsministerin unternehmen, um die Gesundheit der Anrainer

     zu schützen?