1866/J XXII. GP
Eingelangt am 07.06.2004
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ANFRAGE
der Abgeordneten Heidrun Walther, Heinz Gradwohl, Christian
Faul, Dr. Günther Kräuter
und
GenossenInnen
an
den Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft
betreffend Sicherung der Lebensfähigkeit
von Kürbisbäuerinnen und Kürbisbauern
Wie Medienberichten
zu entnehmen ist, drohen im Zuge der EU-weiten Agrarreform jenen
Bauern, die Spezialkulturen wie Gewürzpflanzen, Heilkräuter, Gemüse und auch
Ölkürbis
anpflanzen,
massive Benachteiligungen.
Österreichischen Kürbisbauern ist es bisher in einzigartiger
Weise gelungen, sich am Markt
zu orientieren und für ihr hochqualitatives
Produkt einen Absatzmarkt aufzubauen.
Kürbiskernöl wurde - auch
international - zu einem Trademark für qualitative Landwirtschaft
in Österreich.
Die nationale Umsetzung der GAP-Reform
durch die ÖVP-FPÖ-Regierung droht, die
bisherigen positiven
Leistungen der Kürbisbauern zunichte zu machen. Eine Förderung von
Ackerflächen, auf denen bisher Mais oder
Getreide angebaut wurde, bei Umstieg auf
Kürbisanbau, würde eine massive
Wettbewerbsverzerrung mit sich bringen.
Interessanter Weise hat sich die
Steiermärkische Landwirtschafskammer unter Präsident
Wlodkowski um dieses wichtige
Anliegen bisher kaum gekümmert.
Die steirischen Bäuerinnen und Bauern
sehen in dieser drohenden Entwicklung ein
Zweiklassensystem bei
der Agrarförderung. Als „Interessensgemeinschaft der steirischen
Kürbiskernbauern" haben sie in einer
Petition die Situation dargestellt. In der „Petition
gegen ungerechte
Benachteiligung der steirischen Kürbisbäuerinnen und
Kürbisbauern durch die geplante
nationale Umsetzung der GAP-Reform" heißt es
(auszugsweise):
„Sollte
die GAP-Reform in der derzeit diskutierten Art in Österreich durchgeführt
werden, werden sich daraus eine Reihe negativer Auswirkungen für zahlreiche
landwirtschaftliche Betriebe und auch für
das ländliche Zusammenleben ergeben.
Betriebe, die sich im Referenzzeitraum von 2000 - 2002
mit der Produktion und
Vermarktung
von nicht KPF- beihilfefähigen alternativen Kulturen, wie Ölkürbis,
Gewürzpflanzen,
Heilkräutern etc. beschäftigten, statt für Interventionslager und
Exportstützung zu produzieren, werden durch die unreflektierte Einführung von
scheinbar gerechten
Betriebsprämien nachhaltig für Ihren Einsatz bestraft. (...)
Betroffen sind hauptsächlich kleine und mittlere
Betriebe, welche versuchten, durch
Nischenprodukte
eine höhere Wertschöpfung zu erzielen. (...)
Die unterzeichneten Bäuerinnen und Bauern fordern
anlässlich der nationalen
Umsetzung
der EU-Agrarreform den österreichischen Landwirtschaftsminister Pröll
und
die zuständigen Gremien des österreichischen Parlamentes auf,
sicherzustellen, dass:
1)
es zu keiner Benachteiligung der innovativen Betriebe bei
der
Umsetzung der GAP-Reform kommt
2)
für jeden Hektar Spezialkulturen (Ölkürbis, Gemüse,
Alternativkulturen, Wechselwiesen) in Hinkunft auch ein
Prämienanspruch besteht
3) die
offensichtlichen Widersprüchlichkeiten und nachteiligen
Auswirkungen des
"Betriebsprämien-Modells" für die
kleinstrukturierten innovativen steirischen
Betriebe ernst
genommen und Lösungen dafür entwickelt werden."
Die unterzeichneten Abgeordneten stellen daher an den
Bundesminister für Land- und
Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft folgende
Anfrage:
1) Entspricht das oben dargestellte Szenario den
inhaltlichen Linien der GAP-Reform?
1a Wenn nein, in welcher Hinsicht
nicht?
1b Wenn ja: stimmt es, dass die
bisherigen Betreiber von Spezialkulturen wie bspw.
Kürbisbäuerinnen
und -bauern gegenüber ehemaligen Betreibern von
Massenkulturen
förderungsmäßig benachteiligt werden?
2) Werden Sie gegen die Benachteiligungen von
Betreibern von Spezialkulturen etwas
unternehmen?
2a Wenn ja: was und auf welcher Ebene (national oder
europäisch)?
3)
Ist
eine (teilweise) Umschichtung der Fördermittel aus
Ihrem Ressort von
Massenkulturen
zu innnovativen Nischenprodukten möglich bzw. geplant?
4)
Wurde im Zuge der EU-Beitrittsverhandlungen beim Bereich
Landwirtschaft beschlossen,
dass Ungarn bzw.
Slowenien den Anbau von
Kürbis aus EU-Mitteln gefördert
bekommen?
5)
Welche
Maßnahmen
werden Sie setzen, um die Überlebensfähigkeit der
Kürbisbäuerinnen
und Kürbisbauern zu sichern?