4294/AB XXIII. GP
Eingelangt am 04.07.2008
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BM für Verkehr, Innovation und Technologie
Anfragebeantwortung
GZ. BMVIT-10.000/0027-I/PR3/2008 DVR:0000175
Präsidentin des Nationalrates
Mag.a Barbara Prammer
Parlament
1017 W i e n
Sehr geehrte Frau Präsidentin!
Die schriftliche parlamentarische Anfrage Nr. 4225/J-NR/2008 betreffend schlechtes Geschäft fürs Klima bei der Bahn: Energievergeudung für besseren Handyempfang, die die Abgeordneten Dr. Gabriela Moser, Freundinnen und Freunde am 6. Mai 2008 an mich gerichtet haben, beehre ich mich nach Auskunft durch die ÖBB-Holding AG wie folgt zu beantworten:
Frage 1:
Wie viele Fenster in wie vielen Reisezugwaggons wurden im Hinblick auf die Verbesserung des Handyempfangs getauscht?
Antwort:
Nach Auskunft der ÖBB wurden im Rahmen des Projekts „Upgrading Fernverkehr Wagenpark“ bisher insgesamt 11.444 Fenster bei 538 Wagen getauscht. Diese Fenster wurden aus Altersgründen ersetzt. Bei den neuen Fenstern wurde darauf geachtet, nicht metallbedampfte Fenster zu verwenden, um so einen besseren Handyempfang im Zug zu erreichen.
Frage 2:
Welche Materialkosten waren damit verbunden?
Antwort:
Nach Auskunft der ÖBB konnte - da der Austausch der Fenster aufgrund ihres Alters erforderlich war - durch die Wahl nicht metallbedampfter Fenster (die in der Anschaffung deutlich günstiger sind), gegenüber einem Austausch durch den bisherigen Fenstertyp mehr als 15% an Materialkosten eingespart werden. Die Kosten für ein solches Fenster liegen bei € 276,-, metallbedampfte kosten € 324,-.
Frage 3:
Wie viel Arbeitszeit in den ÖBB-Werkstätten etc. ist in diesen Fenstertausch geflossen?
Antwort:
Die ÖBB teilen dazu mit, dass, da der Austausch der Fenster im Rahmen der Revision notwendig war, die dafür nötige Arbeitszeit in den ÖBB-Werkstätten bereits eingeplant war. Darüber hinaus ist die im Rahmen des Upgradings ebenfalls durchgeführte Neulackierung der Wagen bei ausgebauten Fenstern technisch weniger aufwändig und rascher durchführbar. Insofern ist eine getrennte Ausweisung der Arbeitszeit nur für den Fenstertausch nicht möglich, da hier ein Gesamtpaket umgesetzt wurde.
Frage 4:
Wer hat die Entscheidung für diesen Fenstertausch getroffen?
Antwort:
Die Entscheidung, die Fenster im Rahmen des Upgradings auszutauschen wurde laut Auskunft der ÖBB im Projekt „Upgrading Fernverkehr Wagenpark“ durch den Projektaufsichtsrat getroffen.
Fragen 5 und 6:
Trifft es zu, dass infolge dieses Fenstertauschs die Klimaanlagen der betreffenden Waggons ebenfalls getauscht und dabei größer/stärker dimensioniert werden mussten?
Um wie viele Klimaanlagen handelt es sich?
Antwort:
Die ÖBB teilen mit, es wurden 260 neue Klimaanlagen auf Grund der Störanfälligkeit der bisherigen Anlagen eingebaut. Dies ist nicht auf Grund des Fenstertausches erfolgt, sondern auf Grund der Fehlerhaftigkeit. Die getauschten Anlagen erbringen dieselbe Leistung wie die alten, fehlerhaften Klimaanlagen und sind wesentlich zuverlässiger, was den Bahnkunden einen großen Vorteil bringt.
Fragen 7 bis 9:
Wie viel zusätzlicher Energieverbrauch pro Jahr ist nunmehr gegenüber der Situation vor dem Fenstertausch gegeben?
Welche laufenden Mehrkosten (z.B. pro Jahr) bedeutet dies?
Wer trägt diese Mehrkosten?
Antwort:
Wie mir die ÖBB mitteilen, erwärmen sich die Züge durch die vermehrte Sonnenlicht-Einstrahlung bei hohen Temperaturen bei nicht metallbedampften Fenstern ein wenig mehr, wodurch der Energieverbrauch zur Kühlung im Sommer etwas höher, der Energieverbrauch zum Beheizen im Winter etwas niedriger ist. Da das Leistungsverhältnis von Heiz- und Kühlbetrieb im Verhältnis 2,5:1 steht, (d.h. etwa 2,5 mal so viel Energie zum Beheizen wie zur Kühlung benötigt wird), wird der gesamte Energieverbrauch pro Jahr und Wagen durch die neuen Fenster rechnerisch reduziert. Es fallen daher laut ÖBB durch den Fenstertausch keine Energie-Mehrkosten an.
Frage 10:
Wie passt diese Prioritätensetzung für Handy-Bequemlichkeit auf Kosten von Energieeffizienz in das in vielen Bereichen durchaus gerechtfertigten Bemühen, die ÖBB als klimaoptimalen Verkehrsanbieter zu positionieren und in der Öffentlichkeit als solchen zu bewerben?
Antwort:
Die ÖBB führen dazu aus, dass im Dienstleistungsunternehmen ÖBB der Kundennutzen die
oberste Priorität darstellt. Die ÖBB handeln daher dem Bedarf ihrer Kunden entsprechend, denen der verbesserte Handyempfang sowie der verbesserte Empfang für mobile Karten für Laptops zugute kommen.
Darüber hinaus ist der Fenstertausch im Rahmen des Upgradings sowohl ökologisch - da der Energieverbrauch im Jahresdurchschnitt sinkt - als auch ökonomisch - da die Anschaffungskosten sowie die Energiekosten niedriger ausfallen - sinnvoll.
Mit freundlichen Grüßen
Werner Faymann