12866/AB XXIV. GP

Eingelangt am 18.01.2013
Dieser Text wurde elektronisch übermittelt. Abweichungen vom Original sind möglich.

BM für Gesundheit

Anfragebeantwortung

 

 

 

 

Alois Stöger

Bundesminister

Frau

Präsidentin des Nationalrates

Mag.a Barbara Prammer

Parlament

1017 Wien    

 

 

 

GZ: BMG-11001/0289-I/A/15/2012

Wien, am 16. Jänner 2013

 

 

Sehr geehrte Frau Präsidentin!

 

Ich beantworte die an mich gerichtete schriftliche parlamentarische

Anfrage Nr. 13125/J des Abgeordneten Josef A. Riemer und weiterer Abgeordneter nach den mir vorliegenden Informationen wie folgt:

 

Einleitend ist festzuhalten, dass für die Beantwortung der vorliegenden parlamen­tarischen Anfrage eine Stellungnahme des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger eingeholt wurde, die den nachstehenden Ausführungen zu­grunde liegt.

 

Fragen 1 und 2:

Nach einer Studie des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungs­träger aus dem Jahr 2011 waren im Jahr 2009 insgesamt 78.028 Versicherte der Ge­bietskrankenkassen aufgrund einer psychischen Diagnose arbeitsunfähig (96.143 Ar­beitsunfähigkeitsfälle).

 

Gemäß dem Fehlzeitenreport 2012 des Österreichischen Instituts für Wirtschafts-forschung waren im Jahr 2011 bei 2,2% aller Krankenstandsfälle psychiatrische Erkrankungen als Ursache zu verzeichnen.

 

a)      Aufstellung nach Geschlecht:

Gemäß der in Rede stehenden Studie des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger waren im Jahr 2009 insgesamt 59% Frauen (nach Per­sonen: 46.539) und 41% Männer (nach Personen: 31.489) betroffen.

Der Fehlzeitenreport des Wirtschaftsforschungsinstituts stellt für 2011 fest, dass auf 100 Männer im Schnitt 1,9 Krankenstandsfälle aufgrund psychiatri­scher Erkrankungen fielen, während es bei den Frauen durchschnittlich 3,7 Fälle gab.

 

b)     Anzahl der stationär behandelten Personen:

Die Studie des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger führt an, dass im Jahr 2009 knapp mehr als 70.000 Patient/inn/en stationär be­treut wurden.

 

Diese Angaben entsprechen auch den Angaben im Statistischen Handbuch der öster­reichischen Sozialversicherung betreffend die Zahl der Krankenstandsfälle bzw. ‑tage für Arbeiter/innen und Angestellte für das Jahr 2011 sowie der Zahl der Spitalsfälle und ‑tage für alle Krankenversicherten und deren Angehörige:

 

Krankheitsgruppe

Krankenstandsfälle

Krankenstandstage

M + F

Männer

Frauen

M + F

Männer

Frauen

Psychiatrische Krankheiten

83.339

31.474

51.865

3.069.506

1.124.217

1.945.289

 

Krankheitsgruppe

Spitalsfälle

Spitalstage

davon

Tage pro Fall

Erwerbs-tätige

Pensionist/inn/en u. Rentner/innen

Sonstige

Psychiatrische Krankheiten

 

125.716

 

1.932.965

447.240

762.106

723.619

15,4

 

Für Arbeitgeber/innen stehen keine gesonderten Daten zur Verfügung, zumal die bei der Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft bzw. der Sozial­versicherungsanstalt der Bauern versicherten Personen nicht mit Arbeitgeber/inne/n gleichzusetzen sind.

 


Frage 3:

Aufgrund der im Rahmen des Projektes „Strategie Psychische Gesundheit“ vom Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger gemeinsam mit der SGKK durchgeführten Ist-Stand-Analyse wurden für das Jahr 2011 folgende Zahlen erhoben:

 

Psychopharmaka

€ 250 Mio.

Psychotherapie

€   67 Mio.

Behandlung bei niedergelassenen

Psy­chiater/inne/n

€   31 Mio.

Psychologische Diagnostik

€     5 Mio.

Sonstige ärztliche Leistungen

€  100 bis 150 Mio.

Krankenbehandlung insgesamt

€ 450 bis 500 Mio.

 

 

Krankengeld

€   71 Mio.

stationäre Behandlung

€ 280 Mio.

 

 

Frage 4:

Psychische Belastungen können unter bestimmten Bedingungen zu kritischen Fehl-be­anspruchungen führen und damit Anzahl und Schweregrad der dargestellten

psy­chischen Erkrankungen erhöhen. Mit einer Novelle zum ArbeitnehmerInnen­schutzgesetz, BGBl. Nr. 450/1994 idgF., wird auch die Prävention durch Arbeits- und Organisationspsycholog/inn/en angesprochen. Diese Präventionsarbeit und Beratung dient damit auch der Arbeitgeber/innenseite, denn durch gute Präventionstätigkeit, die auch die Verbesserung der Strukturen und Prozesse in einem Unternehmen bein­haltet, können Belastungen gemildert und Arbeit­nehmer/innen gestützt werden, was letztlich auch dem Unternehmenserfolg dient.

 

Von der strukturellen Verankerung klinisch-psychologischer Behandlung von Arbeit­nehmer/inne/n mit psychischen Belastungen und daraus resultierenden Fehlbean­spruchungen wird durch Stabilisierung und Problemlösung bei den Betroffenen eine raschere Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess erwartet. Gleichzeitig sind die spezifischen Arbeitsbedingungen arbeitspsychologisch zu analysieren und gegebenenfalls zu optimieren.

 

In diesem Zusammenhang möchte ich auch auf die Verordnung BGBl. II Nr. 463/2012 hinweisen, durch die ich in der Ausbildung von Arbeitsmediziner/inne/n eine Ver­besserung der Ausbildung in Richtung Arbeitspsychologie und Organisationspsycho­logie herbeigeführt habe.

 


Frage 5:

Die erwähnte Studie des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungs­träger aus dem Jahr 2011 unterscheidet in ihrer Methodik nicht nach Lehr- und Aus-bildungspersonal (bzw. gibt es auch sonst keine diesbezüglichen Unterscheidungen), es liegen jedoch Ergebnisse nach Alter vor:

 

Der größte Anteil der Fälle von Arbeitsunfähigkeit aufgrund psychischer Diagnosen entfällt mit 56%  auf die Gruppe der Versicherten der mittleren Altersgruppe (31- bis 50-Jährige), 16% aller Arbeitsunfähigkeitsfälle kommen auf die Gruppe der Über‑50-Jährigen, 28% entfallen auf die 15- bis 30-Jährigen .