12421/J XXIV. GP
Eingelangt am 06.07.2012
Dieser Text ist elektronisch textinterpretiert. Abweichungen vom Original sind
möglich.
Anfrage
der Abgeordneten Peter Haubner
Kolleginnen und Kollegen
an den Bundesminister für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz
betreffend Parteipolitische Einflussnahme auf die Besetzung des
Chefpostens
des Arbeitsmarktservice Wien
In den letzten Tagen machte der
Bundesminister für Arbeit, Soziales und
Konsumentenschutz mit der Bestellung von
Frau Petra Draxl zur Leiterin des AMS
Wien von sich reden.
Vorausgegangen ist dieser
Nominierung ein wochenlanges heftiges Tauziehen um
die Neubesetzung der Führungsposition
im Wiener Arbeitsmarkt Service (AMS).
Nachdem sich der mit Sozialpartnern sowie Sozial- und Finanzministerium
besetzte
Verwaltungsrat in
mehreren Sitzungen nicht auf eine Kandidatin einigen konnte,
bestellte nun der Bundesminister für Arbeit,
Soziales und Konsumentenschutz seine
Abteilungsleiterin für den Europäischen Sozialfonds Petra Draxl für diese Position.
Draxl ist unter
den drei Kandidaten allerdings die Letztgereihte. Die langjährige Vize-
Chefin des AMS Wien,
Inge Friehs, hatte bereits im Jänner
vor dem
Bewertungsausschuss des Landesdirektoriums
am besten abgeschnitten und wurde
auch von VIP Consulting und dem AMS Vorstand erstgereiht. Trotzdem
scheiterte
ihre Bestellung im Verwaltungsrat an der Blockade der Arbeitnehmer- und der
BMASK-Vertreter.
Im April
hatte der Verwaltungsrat, quasi der Aufsichtsrat des AMS, beschlossen, alle
Kandidat/innen von
einem unabhängigen Berater, VIP-Consulting, in
einem
Assessment-Center prüfen zu lassen. Auch hier hat Inge
Friehs wieder als
Bestqualifizierte abgeschnitten. Da eine
Reihung in der schriftlichen Bewertung nicht
vorgesehen war, teilte der Berater diese Reihung dem Verwaltungsrat mündlich mit.
Die Reihung der
Bewerber wurde im Präsidium und anschließend auch im
Verwaltungsrat protokolliert. Die Reihung lautete: Inge Friehs, vor Gernot
Mitter,
Wiener Arbeiterkammer, und als Dritte und Letztgereihte Petra Draxl.
Seit 2000 wurden für Bestellungen in Führungsfunktionen im AMS wie in der
Privatwirtschaft üblich Hearings durchgeführt. Regelmäßig wurden der oder die
Erstgereihte dann auch nominiert. Diese
objektive Vorgangsweise wurde bis zuletzt,
auch bei der Bestellung der neuen
Chefin des AMS Burgenland vor wenigen Tagen
eingehalten. Die Qualifikation war
bisher das ausschlaggebende Kriterium für die
Bestellungen im AMS.
Durch die Bestellung
der nur an dritter Stelle qualifizierten Bewerberin Draxl zur
Leiterin des AMS-Wien entsteht nun der
unabweisliche Eindruck, dass beim AMS die
Wünsche der Wiener SPÖ im Sinne einer Parteibuchwirtschaft
Vorrang vor der
Qualifikation haben.
Die unterzeichneten
Abgeordneten stellen daher an den Bundesminister für Arbeit,
Soziales und Konsumentenschutz folgende
Anfrage:
1. Wie lautete die Ausschreibung der Funktion der Leitung des AMS-Wien?
2.
Wie lautete der genaue Wortlaut des Auftrages an den Berater VIP
Consulting
zur Beurteilung der
Kandidaten?
3. Wieviel kostete diese Beratung?
4.
War eine
schriftliche Ausfertigung der Bewertung am Ende des
Beratungsauftrages vorgesehen, wenn ja, wie
lautete diese, wenn nein,
warum nicht?
5.
Wurde von
VIP-Consulting dem AMS-Verwaltungsrat eine Reihung oder
lediglich ein neutraler Dreiervorschlag mit
den bewerteten Kandidatinnen und
Kandidaten vorgelegt?
6. Wie und von wem wurden Sie über die Vorschläge/Reihung informiert?
7. Falls diese Information schriftlich erfolgte, wie lautete diese Information?
8. Gibt es dieses Schreiben noch?
9.
Wurde im AMS Präsidiums- bzw. Verwaltungsrat eine Reihung
der Bewerber
vorgenommen wurde?
10. War ein
Vertreter des Ministeriums bei der Sitzung, in der die Reihung der
Bewerber vorgenommen wurde, anwesend?
11. Wurde diese
Reihung im Sitzungsprotokoll dokumentiert, wenn ja, wie lautet
dieser Teil des
Protokolls, wenn nein, warum nicht?
12. Mit welcher
Begründung wurde der Zweitgereihte Bewerber Gernot Mitter
nicht mit dieser
Aufgabe betraut?
13. Mit welcher
Begründung wurde die Erstgereihte Bewerberin Inge Friehs
nicht
mit dieser Aufgabe
betraut?
14. Über welche
genauen qualitativen und quantitativen Qualifikationen und
Erfahrungen verfügen jeweils die 3 Bewerber/innen? (Bitte
um eine
synoptische Gegenüberstellung!)
15.
Aus welchen Gründen haben Sie die drittgereihte
Bewerberin Draxl ohne
Erfahrung in AMS-Leitungsfunktionen der
erstgereihten Bewerberin Friehs mit langjähriger
einschlägiger AMS Leitungs- und Managementerfahrung und dem
immerhin
zweitgereihten Bewerber Mitter vorgezogen?
16.
Welche
Qualifikationen und Erfahrungen im Einzelnen jeweils der
erstgereihten und des zweitgereihten Bewerbers/in im Vergleich mit der von
Ihnen bevorzugten drittqualifizierten
Bewerberin haben Sie als für die Funktion
der AMS-Wien Leitung
nicht ausschlaggebend beurteilt und warum?
17.
Welche Kriterien und Beweggründe haben Sie in Ihrer Entscheidung,
die
beiden vorhin Genannten nicht mit der Leitung zu betrauen, abgewogen?
18.
Wie haben sie die einzelnen Qualifikationen und Erfahrungen der 3
Bewerber/innen dabei
bewertet und gewichtet?
19.
Nach welchem objektiven und nachvollziehbaren Verfahren wurden diese
Bewertungen und Gewichtungen festgelegt?
20. Wer hat über diese Bewertungen und Gewichtungen entschieden?
21.
Wurde über diese Gewichtungen vor oder nach den
Bewerbungen
entschieden?
22.
Wenn erst nach
der Bewerbung über die Gewichtung entschieden
wurde:
Wurde den Bewerber/innen Gelegenheit eingeräumt, ihre
Qualifikationen im
Lichte der nachträglich festgelegten Gewichtungen schriftlich
oder mündlich
darzulegen, und wem
gegenüber?
23.
Worin genau
liegt die Ihrer Ansicht nach höhere
Qualifikation, eine
nachgeordnete Abteilung in einem
Ministerium zu leiten im Vergleich zu einer
Leitungsfunktion im AMS?
24.
Wieso haben Sie, auf die zukünftige Tätigkeit
bezogen, die geringe Erfahrung
von Frau Draxl
dennoch höher eingestuft als die von Frau
Friehs?
25.
Welchen Einfluss hat die Gemeinde Wien bzw. die SPÖ-Wien auf
Sie bzw. Ihr
Büro ausgeübt?
26.
Gab es in
dieser Sache eine oder mehrere, tatsächliche
oder versuchte
Interventionen aus der Führungsebene
der Gemeinde Wien, wenn ja, wann,
von wem und in
welcher Weise, wenn nein, sind die diesbezüglichen
Medienberichte frei erfunden?
27.
Wurde von Ihnen oder von Ihrem Büro in diesen
Bewerbungsprozess in
irgendeiner Weise
eingegriffen?
28. Wenn ja, wann, von wem, wem gegenüber und wie genau?
29.
Wenn nein, wer hat in Ihrem Ministerium die Bestellungsentscheidung
getroffen?
30.
Warum gibt es beim Bestellungsvorgang der AMS-Spitzenpositionen in Wien
Unterschiede zu jenem im Burgenland, zumal es eine Einigung auf dieselbe
Vorgangsweise
zwischen den Sozialpartnern gibt?
31.
Warum sind Sie
beim AMS Wien von dem viele Jahre lang äußerst
erfolgreichen Sozialpartnerkonsens über die
objektiven Bestellungsverfahren
im AMS abgegangen? Welchen Stellenwert hat ein solcher Konsens für Sie?