Ich werde hier nicht auf einzelne Punkte des Begutachtungsentwurfes eingehen – dies  geschieht ohnehin detailliert durch die Interessensvertretung -  möchte aber als besorgter Bürger mittels zweier offener Briefe meine Betroffenheit über die beabsichtigten Veränderungen zum Ausdruck bringen:

 

Schule der Zukunft – eine Schule ohne Zukunft?

 

Einen Blick in die Zukunft werfen zu können, würde oft helfen, viel Unglück zu verhüten. Wir könnten - hypothetisch - alle Pläne unserer Bundesministerin Schmied zur Veränderung des Schulsystems hundertprozentig umsetzen und dann ins Jahr 2024 blicken: Ihre Vorstellung einer Gesamtschule für alle 6- bis 14-Jährigen wäre jetzt ebenso Realität wie das neue Lehrerdienstrecht mit All-inclusive-Unterricht. Leider aber finden sich nun kaum noch Menschen, die diesen Beruf unter den neuen Rahmenbedingungen ausüben wollen oder können. Viele haben den Job gewechselt, weil die psychische Belastung der sich massiv verschlechterten Situation am Arbeitsplatz nicht mehr zu ertragen war, neue Lehrer kommen kaum noch nach, und die verbliebenen sind sicher nicht die besten, die Frau Schmied sich so sehr gewünscht hat, sondern die, die in innerer Emigration versuchen, ihren Job bis zur Pensionierung durchzustehen.

     Und die Schüler? Die sitzen jetzt alle, unabhängig von ihren geistigen und körperlichen Voraussetzungen, acht Schulstufen lang in der gleichen Klasse, betreut von den oben beschriebenen Lehrkräften. Selbstverständlich hat Österreich sich schon vor einiger Zeit entschlossen, nicht mehr an internationalen Rankings wie am Pisa Test teilzunehmen.

Unsere Frau Minister und ihre  „Experten“ werden meine Sicht sicherlich scharf als unglaubwürdig zurückweisen. Wenn ich jetzt entgegnete, dass ich - im Gegensatz zu ihren „Experten“ - immerhin seit über 30 Jahren unterrichte und zumindest weiß, wovon ich spreche, dann änderte dies nichts - denn auch einer Kassandra wollte man nicht glauben.

 

 

 

Die richtige Schule für mein Kind

 

Um diese Frage zu beantworten, werden gerne Leistungsvergleichstests herangezogen. Im vergangenen Jahr gab es solche im Fach Mathematik.

Leider scheint es in Österreich aber möglich, dass nicht genehme Ergebnisse einfach zurückgehalten werden. So hat  die Öffentlichkeit nie erfahren, wie in den oben erwähnten Testungen die von BM Schmied hochgelobten Neuen Mittelschulen, die ja als Gesamtschulen initiiert sind,  abgeschnitten haben.

Die mir vorliegenden Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: An der Spitze liegen die AHS, wo im Schnitt 53 bis 54 % der vom Bifie gestellten Aufgaben gelöst wurden. Knapp dahinter folgt die 1. Leistungsgruppe der Hauptschulen mit fast 49%, gefolgt von der 2. Leistungsgruppe mit 33%. Und erst jetzt kommen die diversen Arten der Gesamtschule mit nur 25 und 29 %. Damit schneiden die Gesamtschulen noch schlechter ab als selbst die 2. Leistungsgruppe der Hauptschulen - ein wahrhaft katastrophales Ergebnis.

Wenn meine Zahlen nicht stimmen sollten, fordere ich Frau Schmied auf, die fehlenden Daten, insbesondere die Neue Mittelschule betreffend, endlich offenzulegen. Ein weiteres Schweigen kann nur Zustimmung bedeuten ("Qui tacet, consentire videtur.“)  In diesem Fall wäre es die Pflicht ihres Chefs als Bundeskanzler aller Österreicher eine Ministerin endlich abzuberufen, deren Endziel es zu sein scheint, alle 10- bis 14-Jährigen in ein Gesamtschulsystem hineinzuverpflichten, das nachweislich nicht nur schlechter ist als das alte System, sondern auch wesentlich teurer. Unser Bundeskanzler möge dies tun, selbst wenn er Frau Schmied wieder in den Vorstand einer Bank wegloben müsste - der Schaden wäre nämlich jedenfalls geringer.

 

 

Als ein alter AHS-Lehrer, der von den beabsichtigten Veränderungen (neues Lehrerdienstrecht / Neue Mittelschule ) überhaupt nicht betroffen ist, der keinen Ideologien nachhängt, nicht zu den Futtertrögen der Macht drängt und auch keine persönlichen Eitelkeiten befriedigen will, sollten Sie mir glauben, dass ich nur eines im Sinn habe: die bestmögliche Ausbildung junger Menschen.

 

Mit freundlichen Grüßen

                                                    Mag. Peter Wobak

                                                    9161 Maria Rain

                                                    peter.wobak@aon.at