Sehr geehrte Damen und Herren!
Ein neues Lehrerdienstrecht ist genauso wie eine tiefgreifende Schulreform zu begrüßen.
Der aktuelle Entwurf ist jedoch in vielen Punkten haarsträubend. Zur raschen Illustration seien folgende Punkte exemplarisch betrachtet:
A) Eine höhere Unterrichtsverpflichtung kann nur dann nicht zu einem Qualitätsverlust führen, wenn gleichzeitig für eine Reduktion administrativer Tätigkeiten geführt wird, und den Lehrern ausreichend, geschultes Unterstützungspersonal zur Seite gestellt wird. Ohne diese Begleitmaßnahmen würde jeder Lehrer für jedes Kind weniger Zeit aufbringen können. Diese Begleitmaßnahmen sind aber nicht vorgesehen!
B) Viele Lehrer, die etwa Sonderfunktionen bekleiden oder zu einer vollen Unterrichtsverpflichtung zusätzliche Dienste leisten, würden über die komplette Laufbahn einem geringeren Lebensverdienst gegenüber stehen. Da können auch die zu Beginn höheren Einstiegsgehälter nicht darüber hinweg täuschen, dass ein Hauptmotiv des neuen Dienstrechts in Einsparungen beim Personal zu suchen ist.
Dabei wäre es endlich einmal angebracht, das Personal nicht vorrangig als Kostenfaktor zu betrachten, sondern als die wertvollste Ressource des BMUKK ohne der Bildung überhaupt nicht möglich wäre!
C) Im neuen Lehrerdienstrecht wird von gleicher Behandlung aller Lehrer gesprochen. Diese hat es in der Vergangenheit nie gegeben, wird und kann es auch in der Zukunft nicht geben. Deutsch/Englisch Lehrer müssen aktuell weniger Stunden in der Klasse unterrichten, um dem erhöhten Mehraufwand dieser Unterrichtsfächer gerecht zu werden und um diesen erhöhten Mehraufwand auch bewerkstelligen zu können. In Zukunft sollen diese einen finanziellen Zuschuss bekommen und gleich viel unterrichten wie etwas ein GSK/GWK Lehrer: eine Stunde hat aber nur 60 Minuten und ein Tag 24 Stunden. Dieser Mehraufwand ist unmöglich bei gleichbleibender Qualität zu bewältigen - gerade Deutsch/Englisch Lehrer arbeiten jetzt schon weit über ein normales Maß hinaus! Vielmehr müsste man überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, gewisse Fächer wie Deutsch/Englisch oder auch Naturwissenschaften
(Lehrermangel) sowohl von der Unterrichtsverpflichtung als auch von der Besoldung besser zu stellen.
D) Einen qualitativen Unterricht können nur Lehrer mit einer adäquaten fachlichen Ausbildung leisten! Es ist für Schüler und Lehrer unzumutbar, dass etwa ein Physik Lehrer BE unterrichten soll nur weil er malen kann und ein Mathematik Lehrer Deutsch nur weil er gut in Rechtschreibung und Grammatik ist. Ein Lehrer hat Experte in seinem Fach zu sein! Dies bedingt, dass er nur sein Fach unterrichtet und eine hochwertige Ausbildung erfährt.
E) Das neue Dienstrecht sieht keine Administratoren vor und die Schulleiter sollen als erstes in der Schule sein und als letzte Person diese auch wieder verlassen. Rechnen Sie sich die Stunden aus, die Schulleiter in Zukunft in der Schule verbringen müssten und fragen Sie sich, ob Administratoren tatsächlich von ehemaligen Post und Telekom Bediensteten ersetzt werden können!
F) IT-Betreuer sind in Zukunft (in einer Zeit, in der Informationstechnologie immer mehr in alle Unterrichtsfächer
vordringt) gar nicht mehr vorgesehen. Die Arbeit soll von einem Informatik versierten Kollegen durch Befehl des Schulleiters unentgeltlich und ohne zeitlicher Einrechnung geleistet werden.
Firmen mit vergleichbarem Aufwand (Wartung des teils umfangreichen Schulnetzwerkes, fachliche Unterstützung der Kollegenschaft, unterschiedliche Bedürfnisse an unterschiedlichen Standorten) investieren jetzt schon ein Vielfaches an Personal und finanzieller Mittel damit ein reibungsloser IT-Einsatz möglich ist.
Alleine diese Punkte zeigen, wie wenig dieser Entwurf ausgegoren ist.
Verstehen Sie endlich, dass Bildung mehr ist, als parteiideologische Interessen durchzubringen, die eine spätere anders gesinnte Regierung wieder rückgängig macht!
Mit den besten Grüßen,
Rene Schwarzinger