Sehr geehrte Damen und Herren!

Der derzeit vorliegende Begutachtungsentwurf zum neuen Lehrerdienstrecht ist in seiner jetzigen Form vollkomme abzulehnen!

Was damit erreicht wird ist in Wahrheit ein nachhaltiger Qualitätsverlust für unser Bildungswesen. Statt wie versprochen in die Bildung zu investieren, hat sich die Ministerin zu einem rigorosen Sparpaket entschlossen, das die Zukunft unserer nächsten Generation gefährdet.

Der Öffentlichkeit wird ein „Reformpaket“ präsentiert, welches in keiner Weise auf die zukünftigen Herausforderungen im pädagogischen Bereich eingeht. In Wirklichkeit wurde ein Sparpaket ungeheuren Ausmaßes beschlossen, das zukünftigen AHS-LehrerInnen finanzielle Verluste von weit über einer Million Euro einbringen wird. Vertuscht wird dieser Raub durch marginal erhöhte Anfangsgehälter. Dabei verschweigen die verantwortlichen Politiker gerne, dass diese zukünftigen JunglehrerInnen diesen Mehrverdienst ja auch durch mehr Arbeitsleistung verdienen und somit die flachere Gehaltskurve zu späteren Verlusten in der Lebensgesamtsumme führen. Ein guter Prinzipansatz, nämlich die Abflachung der Gehaltskurven, wird hier durch einen Taschenspielertrick erreicht: Zuerst Umverteilung der Aktivverdienstsumme und danach deutliche Erhöhung der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich. Das ist schlicht inakzeptabel. LehrerInnen absolvieren mit Sicherheit jetzt schon gleichwertig viel Arbeitszeit in ihren Beruf wie andere Berufsgruppen, wie die letzte Arbeitszeitstudie bewiesen hat! Und das unter immer schwierigeren Rahmenbedingungen. Glaubt wirklich irgendjemand in dieser Regierung, dass zukünftige LehrerInnen, die deutlich mehr Klassen betreuen, korrigieren, vorbereiten müssen, damit mehr Qualität im Ausbildungsniveau unserer Kinder entstehen wird? Ist es nicht eher so, dass die Kinder und ihre Zukunft diesen Politikern anscheinend völlig egal sind? Hauptsache Einsparungen im Budget können verbucht und politisch verwertet werden. Und nebenbei hat man einen Berufsstand so diskreditiert, dass selbst engagierteste Lehrkräfte mit untergriffigen Vorurteilen und medialen Abwertungen konfrontiert sind. Motivation sieht anders aus!

Die Qualität eines Unterrichts ist maßgeblich vom Engagement einer LehrerIn abhängig. Die Motivation dieses Engagement, das bei vielen KollegInnen weit über das zu erwartende Ausmaß hinausgeht, unter dieser LehrerHetze aufrecht zu erhalten, wird immer schwieriger! Und das gilt besonders für die Führungskräfte in der Schule. Schon jetzt ist es schwierig jemand Kompetenten für einen DirektorInnenposten zu finden. In Zukunft noch viel mehr. Da sollen diese einen Job annehmen, der in seinem Umfang und seiner Komplexität dem eines Generalmanagers in der Privatwirtschaft durchaus vergleichbar ist. Und dann sollen diese Idealisten täglich bis zu 11 Stunden am Arbeitsplatz durch Anwesenheitspflicht eingesperrt werden, nach 5 Jahren dann durch politische Willkür jederzeit austauschbar sein und diesen ganzen Wahnsinn (in einer durchschnittlich großen AHS verantwortlich für ca. 80 LehrerInnen, 800 SchülerInnen samt Eltern, zuständig für budgetäre Angelegenheit, als auch bauliche Tätigkeiten und natürlich pädagogische Inhalte) für kaum höheres Gehalt als vergleichbare KollegInnen. Wo bitte ist da der Leistungsanreiz? Wann schafft man hier endlich vernünftige Strukturen samt angemessener Bezahlung?

Meine größte Kritik bezieht sich aber auf die Ausbildung der zukünftigen LehrerInnen. Diese werden schlechter ausgebildet sein, als die jetzigen LehrerInnen in der AHS. Sie werden in eine Induktionsphase 24 Stunden Unterricht erteilen müssen, daneben hospitieren und gegebenenfalls Lehrgänge an den PHs bzw. Universitäten besuchen müssen.

Wer jemals begonnen hat zu unterrichten, weiß was für ein absoluter Nonsens das ist. Es ist schlicht eine Überforderung und das einzige Resultat kann nur ein massiv schlechterer Unterrichtsertrag sein.

Ich bin erschüttert über dieses vor Dilettantismus strotzende neue Lehrer-Dienstrecht und appelliere an alle verantwortlichen Politiker sich von diesem Begutachtungsentwurf zu distanzieren!

Als betroffener Lehrer aber auch als besorgter Vater lehne ich dieses zukünftige Lehrerdienstrecht mit aller Entschiedenheit ab!

Mit sorgevollen Grüßen

Mag. Jörg Pelzl

(GBA-Vorsitzender BG/BRG Purkersdorf)

 

Mag. Jörg Pelzl

BG|BRG PURKERSDORF

Herrengasse 4

3002 Purkersdorf

Schulkennzahl: 324046

43-1-2232-61304-0 (Fax: Dw 100)

joerg.pelzl@gympurkersdorf.ac.at

www.gympurkerdorf.ac.at