Sehr geehrte Verantwortliche,
Seit geraumer Zeit darf ich via Medien und via Informationen der Gewerkschaft
verfolgen, wie die Verhandlungen bzgl. des neuen Dienstrechts verlaufen. Es
gibt unzählige Punkte, die aus pädagogischer Sicht so, das wird jeder
"Experte" der Praxis bestätigen, untragbar sind. Ich verweise
hier auf die Stellungnahme der Gewerkschaftsvertretung.
Besonders möchte ich auf einen Punkt hinweisen:
- Sollte das Ziel dieser Dienstrechtsänderung klar definiert sein,
nämlich als Einsparungsmaßnahme, dh sollte sich die Regierung offen
dazu bekennen, dass Bildung eben - im Vergleich mit anderen wesentlichen
Bereichen unseres Landes - nicht mehr diesen (letztlich finanziellen - so wird,
wie mir scheint, zumeist argumentiert) WERT besitzen soll, so fände ich
das höchst bedenklich und zwar als Bürger, nicht als Lehrer. Jedoch
wäre dies zumindest als Aussage ehrlich.
- Wenn aber diese Änderung der Öffentlichkeit, der breiten
Öffentlichkeit, so verkauft wird, als verbessere man dadurch die
Bildungssituation unserer jungen ÖsterreicherInnen, so finde ich das,
offen gestanden, vorsichtig ausgedrückt: falsch, in mehrerlei Bedeutung
des Wortes.
Was meine Person betrifft, so nehme ich neben intensivster Vorbereitungs- und
administrativer Tätigkeiten an der Schule zusätzliche Aufgaben wahr,
die mich zumeist an meine Leisungsgrenze bringen. Ich tue das sehr gerne, sonst
hätte ich diesen Beruf nicht ergriffen. Was allerdings der neue Entwurf
für meinen Alltag bedeuten würde, ist zwingend ein Absinken der
Qualität in einem der Bereiche, in denen ich tätig bin (Unterricht,
Klassenvorstand, Fachkoordinator, Brandschutz, Teilnehmer an
Schulveranstaltungen für deren Dauer ich meinen Unterricht tw. bis zu
einer Woche im Voraus minutiös plane, damit die SchülerInnen keinen Leerlauf
haben! - und vieles andere mehr, das den Verantwortlichen natürlich
bekannt ist, wenn sie auch nur eine Handvoll Gespräche mit aktiven
PädagogInnen geführt haben). Und nochmal, um es zu verdeutlichen: Hat
man überhaupt eine Vorstellung davon, wieviel Vorbereitungsarbeit für
eine gut geplante Einheit vonnöten ist? Alle KollegInnen, die ich kenne,
verbringen beinahe jeden Sonntag damit, Materialien zu sichten, zu erstellen,
zu sortieren; sie reflektieren über Methoden und vieles mehr. Es ist
einfach unfassbar, welches Bild unseres Berufsstandes in den Medien zumeist
vermittelt wird. Ich schließe hier, auch wenn mir noch vieles mehr
einfiele. Allerdings habe ich noch eine Woche vor mir, in der ich qualitativ
hochwertig in meinen Fächern mit meinen SchülerInnen arbeiten
möchte und das das ist mir nun wichtiger als diese Stellungnahme.
So bitte ich alle Verantwortlichen darum, die Verhandlungen wieder
aufzunehmen, die Augen vor realen Gegebenheiten nicht zu verschließen und
zu versuchen, eine Einigung im Hinblick auf die Forderungen der Gewerkschaft zu
erreichen.
Abschließend darf ich Sie um Veröffentlichung dieser Stellungnahme
bitten.
Freundliche Grüße,
Mag. Wolfgang Schnessl
Wirtschaftskundliches Bundesrealgymnasium Salzburg