Sehr geehrte Damen und Herren!

 

Ich bin AHS-Lehrerin und Mutter zweier Kinder im Kindergartenalter.

 

Als Lehrerin habe ich die Möglichkeit zu kündigen und mir einen anderen Job zu suchen (so wie es Frau Minister Schmied vorschlägt), als Mutter habe ich diese Möglichkeit nicht. In dieser Funktion habe ich auch tatsächlich Angst um das Bildungssystem und konkret um die (Aus-)Bildung meiner Kinder!

 

Mir ist schon klar, dass ein neues Lehrerdienstrecht sinnvoll und auch notwendig ist. Außerdem verstehe ich, dass der Staat sparen muss.

Was ich nicht verstehen kann: Warum betreffen diese Sparmaßnahmen nur die Lehrer. Denn das Lehrerdienstrecht kann von mir nur als Sparprogramm und nicht als Reform begriffen werden.

 

Ich denke das Bildungssystem in Österreich hat einiges an Verbesserungspotential, aber über ein neues Lehrerdienstrecht wird  man das nicht in den Griff bekommen.

Sollte es nicht umgekehrt sein?: Man macht sich zuerst Gedanken über ein neues, zukunftweisendes Bildungssystem und zerbricht sich anschließend über ein neues dazu passendes Dienstrecht den Kopf.

 

Die folgenden Punkte im neuen Lehrdienstrecht finde ich bedenklich:

 

·        Es kann nur zu einem Niveauverlust führen, wenn die Anstellungserfordernisse für Lehrer sinken! Dort wo jetzt nur masterwertig ausgebildete Lehrer unterrichten dürfen muss das auch in Zukunft so sein! Neben der Arbeit ein Masterstudium fertigstellen zu müssen ist kaum sinnvoll möglich!

·        Ich möchte nicht, dass meine Kinder von nicht für das Fach oder die Schulstufe geprüften Lehrpersonen unterrichtet werden. Gerade im AHS und BHS Bereich unterrichten reine Fachlehrer, die sich jahrelang in einem reinen Fachstudium mit "ihrem" Gegenstand auseinandergesetzt haben. Sollen diese Lehrer wirklich (natürlich nur bei Bedarf - aber der ist zweifelsohne vorhanden) in jedem Fach eingesetzt werden dürfen?
Ich habe beispielsweise auch im Unterrichtsfach Deutsch maturiert, unterrichten könnte ich es aber ganz sicher nicht zielführend.
Auch für Volksschulkinder ausgebildete Lehrkräfte haben nichts in Hauptschulen zu suchen!

·        Wenn Lehrer in Zukunft mehr Klassen unterrichten müssen als bisher (denn das bedeutet der Satz "mehr Zeit in die Schule verbringen"), haben sie weniger Zeit und Nervenkraft für jeden einzelnen Schüler.
In anderen Ländern mag das wohl funktionieren, aber da steht den Lehrern mehr Supportpersonal zur Verfügung! Solange wir Lehrer zum Beispiel jede Woche stundenlang am Kopierer zubringen und uns auch um die Wartung und Aktualisierung  der "privaten" Computer kümmern müssen (der aber heutzutage nicht mehr wegzudenken ist) können wir nicht mehr Zeit in den Klassen verbringen. Denn auch diese Arbeiten brauchen Zeit und auch wenn wir für viele dieser Arbeiten überqualifiziert (kopieren) und für einige auch unterqualifiziert (Computerwartung) sind, ist das in der Arbeitszeit zu berücksichtigen.

·        Es kann nicht sein, dass Lehrer die Schularbeitsgegenstände unterrichten genauso viele Stunden in der Klasse verbringen müssen als beispielsweise Sportlehrer.
Ich selbst unterrichte zwei Schularbeitsfächer und nehme die Vorbereitung für den Unterricht und die Verbesserungsarbeit sehr ernst, was meines Erachtens nach für guten Unterricht unumgänglich ist. Damit komme ich bei einer halben Lehrverpflichtung schon jetzt auf 20 Wochenstunden Arbeit.
Ein Junglehrer nach dem neuen Dienstrecht kann einzig und allein bei der Zeit für die Verbesserung einsparen und wird in Zukunft keine Hausübungen mehr korrigieren können, was die Hausübungen ad absurdum führt und sicher einen massiven Qualitätsverlust des Unterrichts mit sich zieht.

 

Ich denke man muss den Lehrermangel durch eine Aufwertung des Berufes und nicht durch Mehrarbeit der ohnehin schon sehr Burnout gefährdeten Lehrpersonen in den Griff bekommen.

Wer wird dann in Zukunft unsere Kinder unterrichten?

Ich werde meinen Kindern sicher einmal davon abraten Lehrer zu werden, denn in unserm Land wird man als guter Pädagoge nicht wahrgenommen und auch nicht wertgeschätzt.

 

Außerdem ist zu bedenken, dass der Lehrberuf bei uns hauptsächlich von Frauen ausgeübt wird. Viele dieser Frauen sind selbst Mütter und üben diesen Beruf Teilzeit aus.
Diese Frauen könnten nach dem neuen Dienstrecht auch nicht mehr Stunden unterrichten als bisher, da das mit der Kindererziehung kaum vereinbar ist und sie würden dadurch empfindliche finanzielle Einbußen in Kauf nehmen müssen.

 

Leider wird dieser für mich prinzipiell schöne Beruf durch das öffentliche durch den Schlamm ziehen von Frau BM Schmied immer weniger attraktiv. Wenn in den Medien verlautbart wird, dass Lehrer für ein volles Gehalt nur 20 Stunden arbeiten müssen (und dann regen sie sich über 24 Stunden auf!!!), tut das wirklich weh.

In anderen Ländern dürfen nur die besten Lehrer werden und dort gibt es keinen Lehrermangel! Vielleicht sollte man sich einmal überlegen wie man die Lehrer in der Öffentlichkeit für ihre Arbeiten wertschätzt und damit den Lehrberuf für viele fähige, junge Menschen attraktiver gestalten kann.

 

Abschließend möchte ich noch darauf hinweisen, dass das neue Lehrerdienstrecht nur den sicheren Weg zur Gesamtschule ebnet, denn sobald alle Lehrer gleich sind, kann man auch die Schulen vereinheitlichen. Ich hoffe es gibt irgendwo im Nationalrat jemanden, der versteht, dass es nicht möglich ist eine völlig inhomogene Gruppe von Schülern gleich gut zu unterrichten wie eine in ähnliche Leistungsniveaus aufgeteilte Schülergruppe (übrigens ein Rückschritt der NMS im Vergleich zur alten HS).

 

Hochachtungsvoll

Mag. Iris Novotny

 

 

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Mag. Iris Novotny

 

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