From: brigitte.zimmermann@live.at
To: schulpraktikum@univie.ac.at
Subject: FAP - Betreuungslehrerin
Date: Thu, 19 Sep 2013 09:31:44 +0200

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

 
Angesichts der Tatsache, dass der Lehrberuf immer unattraktiver wird und die Lehrer in der Öffentlichkeit als der Abschaum der Welt dargestellt werden, sehe ich mich außerstande noch länger als Betreuungslehrerin im FAP zur Verfügung zu stehen. Ich kann doch keine jungen Menschen mehr zur Ergreifung dieses Berufes motivieren bei all diesem Wirbel um das Lehrerdienstrecht, das eindeutig nur Nachteile für diese Berufsgruppe bringt, die in der Öffentlichkeit schon genug Spott und Hohn ertragen muss.

Die Nachteile gelten allerdings nicht nur für die Lehrer, nein, sie gelten im höchsten Maße ebenso für die Schüler. Was soll denn aus den armen Kindern werden, wenn sie von unausgebildeten Lehrern in Zukunft unterrichtet werden sollen, die noch dazu keine Zeit für sie haben werden, da sie ja unentgeltlich Mehrdienstleistungen bringen und noch mehr Stunden in der Klasse verbringen müssen, damit Vater Staat Geld spart und das zu Lasten der Kinder, die die Zukunft Österreichs darstellen. Diese zusätzlichen. unentgeltlich zu haltenden Unterrichtsstunden hindern alle engagierten Lehrer sich entsprechend auf die Stunden vorzubereiten. Hausübungen werden nicht mehr verbessert werden können, etc. (Ich sitze jedes Wochenende zusätzlich zu den Wochentagen stundelang, um Hefte zu korrigieren und damit den Lernfortschritt der Schüler zu fördern). Wohin soll denn das führen?

 
Ich muss gestehen, ich fühle mich von meinem Vaterland Österreich, das mein Dienstgeber ist, verraten und im Stich gelassen.

Mein Beruf war immer mein Traumberuf und ich könnte mir auch keinen anderen Job vorstellen, der mich dermaßen erfüllt wie der, den ich seit 25 Jahren mit voller Begeisterung ausgeübt habe. Ich brauche keine Lobesdekrete vom SSR, da mir das Wissen, Können und die Begeisterung meiner Schüler vor allem in Spanisch mehr bedeuten als all die unnötigen Papiere und mir Lohn genug sind.
Das Einzige, was mir wichtig ist, wäre eine faire Behandlung und Unterstützung einer Berufsgruppe, die durch die Politiker, die Presse und die unwissende breite Masse schlecht gemacht wird.
Was passiert, wenn all diese "doofen, idealistischen und faulen" Lehrer einmal nicht mehr so funktionieren und sich nicht mehr vor den Karren der Politiker spannen lassen, die das Bildungssystem und damit die Zukunft Österreichs an die Wand fahren?
Ich kann da als Geschichtelehrerin nur mehr mit Schuschniggs Worten meine Enttäuschung und Empörung ausdrücken: GOTT SCHÜTZE ÖSTERREICH!

 
Entschuldigen Sie bitte meine Offenheit, aber so kann es nicht weitergehen!
 
Mit freundlichen Grüßen,

Dr. Brigitte Zimmermann (Gymnasium St. Ursula)