Von: Otto Licha [otto.licha@chello.at]

Gesendet: Sonntag, 22. September 2013 22:49

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Betreff: Neues Lehrerdienstrecht

 

Liebe gegenwärtige und zukünftige Neugeborenen,

 

ihr sollt wissen, dass euch in öffentlicher Weise eine Ausbildung zugesagt wird, in der die euch Unterrichtenden bis kurz vor ihrer Unterrichtstätigkeit noch nicht wissen, welches Fach das ihre ist. Dafür sind sie angeblich unglaublich pädagogisch auf Draht.

Damit es jeder versteht: es unterrichtet jemand Geige, der selbst nicht Geige spielt. Ein eventuelles Geigengenie würde trotz seiner Genialität und der enorm umfangreichen Unterrichtsarbeit mit einem Lehrlingsgehalt abgespeist.

Ich habe Verständnis dafür, dass man die schwere Arbeit der Volksschullehrer mehr schätzt als bisher. Doch anstatt deren Verdienst anzuheben und ihre Arbeit zu vereinfachen und zu unterstützen, erschwert man jene der Lehrer an den höheren Schulen und drückt deren Einkommen in Zukunft auf ein Minimum. Großartig, klatscht das gegen die Lehrer aufgehetzte Volk Beifall. Unterrichten heißt ja nur „in der Klasse stehen“. Wo das hinführt? Es wird private Schulen geben, die die Lehrer besser bezahlen als es die staatlichen tun. Diese Schulen können sich dann nur die Reichen leisten. Es scheint so, als wäre dies das Ziel, das man allerdings geflissentlich verheimlichen will. Alles Gute kommt ja aus den USA. Werden wir also auch so! Nur sollen das eure Politiker nicht sozialistische – verzeiht: sozialdemokratische – Politik nennen. Auch nicht Volkspartei sollen sie sich nennen, sondern Partei der Großunternehmer! Grün heißt nur mehr angepasst, freiheitlich bedeutet rassistisch. Die engagierte Arbeit der Lehrerinnen und Lehrer wird unter einen faulenden politischen Teppich gekehrt.

Ich kam als Quereinsteiger ins Gymnasium, weil ich die Arbeit mit jungen Menschen suchte. Ich konnte diesen in meiner Lehrtätigkeit viel vom Leben außerhalb der Schule näherbringen. Meine Schülerinnen und Schüler haben, wie sie mir in ihren Feedbacks mitteilten, viel von meinem Unterricht für ihren weiteren Werdegang profitiert. Das bedeutet mir sehr viel. Doch unter den zukünftigen Bedingungen würde ich nie mehr Lehrer werden. Ich werde deshalb auch jeder Schülerin und jedem Schüler raten, unter den drohenden Umständen einen großen Bogen um das Lehramt zu machen. Die „Besten“, die man sich ja als Lehrer wünscht, werden dieser Arbeit ohnehin höchstens den Rücken zukehren.

Verzeiht, ihr Neugeborenen, den derzeitigen Politikern und deren Einflüsterern, die keine Ahnung von einer Unterrichtstätigkeit haben und euch zu Opfern der Privatisierung und Gewinnmaximierung machen wollen, deren Anmaßung! Sie wissen nicht, was sie tun. Oder doch?

Ich glaube an das Gute in jedem einzelnen und vertraue darauf, dass man in Zukunft, d.h. also nach der kommenden Wahl, wieder im Gespräch miteinander nach einem optimalen Bildungssystem sucht und nicht wie in einer herkömmlichen Diktatur ein übles Machwerk ohne Absprache mit den Gewerkschaften als Gesetzesentwurf in die Begutachtung schickt.                    Dr. (sub auspiciis praesidentis) Otto Licha

 

Stellungnahme zum LehrerInnendienstrecht in offener Frist

 

Auf Grund meiner langjährigen Unterrichtserfahrungen in europäischen Ländern (4) unterschiedlicher Sprachen (3) an diversen staatlichen und privaten Schulen (9) und Universitäten (3) stelle ich mich gegen den Gesetzesentwurf zum neuen Lehrerdienstrecht.

 

Es wundert mich, dass eine Regierung vorgibt im Interesse der Zukunft der österreichischen Jugendlichen zu handeln, behauptet die Schulqualität zu verbessern, während sich aus dem Gesetzesentwurf Absurditäten ergeben, die bar jeglichen Realitätsbezugs sind.

 

Es erschreckt mich die Vorstellung, dass ein Fachlehrer verwendet werden kann wie ein jeglich anderer: der in Leibesübungen Geprüfte unterrichtet Musik, der Musiklehrer Mathematik, ein Künstler Buchhaltung und so weiter und so fort.

 

Es bedrückt mich das Wissen, dass die Gehaltsminderung bei parallel geschalteter Arbeitserhöhung unweigerlich zu Qualitätsminderung der staatlichen Schulen führt, dies wiederum zu Privatisierung der Bildung, eine Bildung, die ab dann geleitet wird vom Interesse der Wirtschaft und/oder Ideologieträgern, deren Kasse „stimmt“.

 

Es entsetzt mich die Art und Weise, wie Verhandlungen geführt, Sozialpartner übergangen  wurden und demokratisches Vorgehen umgangen wird. 

 

Es schmerzt mich der Gedanke an die Kinder und Jugendlichen, auf die immer weniger eingegangen werden kann wegen eines undifferenzierten und unflexiblen Schulsystems, die aber - auf Grund der strukturveränderten Gesellschaft dringend einen Lern-und Lebensraum für eine individuelle und ganzheitliche Entwicklung bräuchten.

 

Es beängstigt mich der Plan die Lehrerausbildung still und leise vom Universitätsstudium abzukoppeln, bzw. nur dann und nur unter bestimmten Bedingungen zuzulassen, wenn der Lehrer im Geist der dann -welcher auch immer-  zuständigen Obrigkeit handelt.

 

Mit ernster Sorge um die Zukunft unserer Kinder und den Sinn des Lehrberufs und  einem klaren „NEIN“ zum Gesetzesentwurf

 

grüße ich Sie freundlich.

 

Lic.ès lettres Mag.a F. Eigelsreiter

 

 

Anmerkung:

Mit einer Veröffentlichung auf der Homepage des Nationalrates bin ich ausdrücklich einverstanden!

 

 

                         Mag.a F. Eigelsreiter - Wetterherrenweg 4 - 6020 Innsbruck