Stellungnahme zur geplanten Streichung der Arbeitsprobe im teilreglementierten Gewerbe Modellieren von Fingernägel
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich erlaube mir im Namen von über 260 Mitgliedern der Facebook-Gruppe "Nageldesigner Österreichs - gemeinsam sind wir stark" hier an Sie diese Stellungnahme abzugeben zur geplanten Novellierung des oben genannten Gewerbes.
Für uns Gewerbeinhaber als Nageldesigner ist uns die Zufriedenheit und die Gesundheit unserer Kunden oberstes Gebot. Deswegen sind wir sehr glücklich darüber, so einen angesehenen Status international zu haben und um unseren Standart beneidet zu werden. Deswegen, weil es bisher in Österreich ohne Ablegen der sogenannten "Arbeitsprobe" nicht möglich war einen Gewerbeschein für das Modellieren von Fingernägeln zu erhalten.
Um diesen Standart halten zu können, ist es unbedingt notwendig, folgendes Fachwissen zu haben: Anatomie, Nagelkrankheiten, Produktchemie und -anwendung, Werkzeug und Hilfsstoffe, Hygiene(!).
Was immer vergessen wird: Es geht hier nicht um eine Maniküre und Lackierung - es geht um das Modellieren von Kunstnägeln auf fachgerecht vorbereitete, gesunde Fingernägel.
Zur Erläuterung hier ein paar Bilder:
Ausgangspunkt: Mitten drinnnen: Rohzustand:



Endergebnis:

Dies kann durchaus bedingt durch mangelnde Fachkenntnis zu einem Zustand führen, der einen langwierigen Verlauf zur Heilung bewirken kann - Nagelbetteiterung, Nagelpilzerkrankung, Verletzungen durch unsachgemäßes Handhaben eines Fräsers (Durchfräsen der Nagelplatte), unhygienisches Arbeiten am Kunden, unsachgemäßes Feilen der Nagelplatte.
Um ihnen das verdeutlichen zu können, erlaube ich mir dieses Bild einzufügen:
Quelle unbekannt ...
Diese Nagelpilzerkrankung ist die Folge von unsachgemäßer Behandlung von Nägeln und Nicht-Erkennen von einer Pilzinfektion. Hier wurde munter drauf weiter gearbeitet und die Folgen sind ersichtlich.....

Hier sei noch hinzugefügt, dass eine Pilzinfektion durch Pilzsporen weiter verbreitet werden kann....
Laut Auskunft in der Apotheke: Wenn medikamentös eine Pilzinfektion behandelt werden soll, muss eine permanente Überwachung der Leberwerte mittels Blutbild eingehalten werden - speziell sollten die Leberwerte der betroffenen Person schon angegriffen sein.
Das nur ergänzend zu der irrigen Meinung, dass hier keine Gefahr für Leib und Leben gegeben sei!
Noch etwas:
Man darf auch nicht vergessen, dass wir KundInnen haben, die entweder Diabetes haben oder aufgrund von Herzkrankheiten o.ä. Blutverdünner wie Marcomar nehmen müssen. Hier sind eben Kenntnisse aus medizinischer Sicht notwendig - natürlich sind wir keine Ärzte, aber wir müssen wissen, was da bei unsachgemäßer Ausübung passieren kann beim Kunden!
Warum ist ein ordnungsgemäßer Hufbeschlag wichtiger als das Modellieren von Kunstnägeln?
Natürlich ist ein Pferd auch ein Lebewesen und verdient respektvolle Behandlung. Aber steht ein Tier über dem Menschen? (Ohne jetzt überheblich klingen zu wollen, zumal ich selbst 1. Pferdeliebhaber und 2. Tierbesitzer bin)
In unserem Nachbarland Deutschland wird verzweifelt versucht, in der Branche den gleichen Standart zu erwerben, der in Österreich bereits herrscht. Dort werden kostenintensive Kurse als Vorbereitung der sogenannten HWK-Prüfung angeboten, um den Standart und das Wissen und Können zu verbessern. Deutschland ist mit der 2004 durchgeführten Änderung des Gewerberechtes auch nicht mehr glücklich – das nur am Rande bemerkt. Es herrscht ein Wildwuchs an Nagelstudios, in denen Arbeiten geliefert werden, die indiskutabel sind. Siehe folgenden Link:
https://www.youtube.com/watch?v=QYMlIzEQsT8&app=desktop
Hier hat eine Kollegin aus Deutschland das Ergebnis einer solchen Arbeit dokumentiert.
Weiters sehen wir es nicht erstrebenswert an, dass man über Ebay erlangte Ausbildungszertifikate kaufen kann, die aufgrund von sogenannten "online-Schulungen" erlangt werden können.....
Es ist nicht im Interesse unseres Standes und der Kunden, dass man nicht KVO-konformes Material verwendet, welche Inhaltsstoffe enthalten können, die im Verdacht stehen, Krebserregend zu sein - zum Beispiel MMA - Methylmetacrylat.
Aus diesem Grund ist die Produktchemie und das Wissen darum zwingend notwendig, um verantwortungsvoll zu arbeiten.
Nicht umsonst gibt es Zuliefer-Firmen, die nur an Gewerbescheininhaber verkaufen.
Und um das sogenannte Pfuschertum zu minimieren, wird diese Änderung nichts bringen bzw. beitragen. Diejenigen, die bisher ohne Konsequenzen durchgekommen sind, werden auch weiterhin im Pfusch arbeiten, ohne Beiträge, Steuern und Versicherung zahlen zu müssen......
Wir haben auch mit Firmen Kontakt, die den Kontakt zu unserer Gruppe gesucht haben, welche diesen Weg überhaupt nicht befürworten. Sie sind klar für eine Überprüfung so wie wir. Diese wissen, wie wichtig ein Fachwissen für ein kompetentes Arbeiten mit diesen Produkten am Menschen ist. Sie stehen zu unserem Anliegen!
Da wir aus dem reglementierten Gewerbe Kosmetik und Fusspflege kommen, wäre es begrüßenswert, wenn der geplante § 162 Z 13 gestrichen werden würde.
Und nicht unbegründet wird von uns allen - ob Inhaber eines Nagelstudios oder Zulieferer - eine steil abwärts gerichtete Spirale an Qualität- und Preisniveau befürchtet.
Bedenken Sie bitte, dass es viele KollegInnen gibt, die ihren Lebensunterhalt in diesem Beruf verdienen und ihre Familie damit versorgen müssen.
Sicher wird sich die Qualität auf Zeit auszahlen, aber letzten Endes nicht reichen wegen der nach unten gehenden Preisspirale. Schon jetzt herrscht aufgrund des Pfuschertums die Geiz ist geil-Mentalität.
Und mit Ausbesserungsarbeiten ist der Lebensunterhalt nicht bestreitbar!
Nehmen Sie uns nicht unseren guten Ruf, unser Einkommen und unser Vertrauen in unsere Regierung!
Maria Wurzinger