15279/J XXVII. GP

Eingelangt am 07.06.2023
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Anfrage

 

der Abgeordneten Mag. Martina Künsberg Sarre, Kolleginnen und Kollegen

an den Bundesminister für Bildung‚ Wissenschaft und Forschung

betreffend Qualifikation von Lehrkräften

 

Die Qualifikation der Lehrerinnen und Lehrer ist zu einem beträchtlichen Teil für die Qualität des Unterrichts und den Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler ausschlaggebend. Diese Qualifikation setzt sich aus verschiedenen formalen und informalen Komponenten im fachlichen, pädagogischen, didaktischen und persönlichen Bereich zusammen. 

Nicht alles davon ist messbar und zentral erfassbar, aber zumindest formale Qualifikationen wie Art und Fachrichtung abgeschlossener Ausbildungen und Studien sollte den Bildungsdirektionen und dem Bildungsministerium bekannt sein, um 

In der Anfragebeantwortung "Fachfremder Unterricht in Mittelschulen und Gymnasien" vom 22. September 2022 (https://www.parlament.gv.at/dokument/XXVII/AB/11638/imfname_1470358.pdf) wurde erläutert, dass aus den im Personalinformationssystem PM-SAP erfassten Merkmalen nicht ersichtlich ist, ob Lehrer:innen für die von ihnen unterrichteten Gegenstände facheinschlägig ausgebildet sind:

"Hinsichtlich einer Differenzierung in einschlägig ausgebildete Bundeslehrpersonen und fachfremde Bundeslehrpersonen an den Unterstufen der allgemein bildenden höheren Schulen (AHS) ist festzuhalten, dass aus dem Einsatz von Lehrpersonen in den angefragten Unterrichtsgegenständen, der in den zentral verfügbaren Lehrfächerverteilungen der Bundeslehrpersonen ersichtlich ist, kein Rückschluss auf eine facheinschlägige Ausbildung ableitbar ist. Dies wäre – da das Merkmal facheinschlägige Ausbildung kein zwingend erforderliches Kriterium im zentral zugänglichen Personalinformationssystem (PM-SAP) darstellt – lediglich durch eine manuelle Datenaufbereitung und unmittelbare Auswertung aus den Personalakten der jeweiligen Bundeslehrpersonen im Wege der Bildungsdirektionen möglich."

In der Anfragebeantwortung "Lehrkräfte-Mangel an Österreichs Schulen" vom 13. September 2022 (https://www.parlament.gv.at/dokument/XXVII/AB/11581/imfname_1467921.pdf) wurde erwähnt, dass dem BMBWF auch nicht bekannt ist, wie viele Lehramtsstudierende in Österreichs Schulen unterrichten: 

"Eine Differenzierung nach Lehramtsstudierenden entsprechend der Subfrage unter lit. a ist auf Basis der zentral verfügbaren Evidenzen nicht möglich."

Dies ist unbefriedigend, weil damit unklar bleibt, in welchem Ausmaß Schülerinnen und Schüler von Lehrpersonen unterrichtet werden, die dafür nicht ausreichend oder nicht passend qualifiziert sind. 

Im September 2023 startet außerdem der Einsatz von Quereinsteiger:innen ins Lehramt Allgemeinbildung, die zwar am Papier von Beginn an voll qualifizierte Lehrkräfte sein werden (das Kriterium dafür ist die Eignungsfeststellung durch die "Zertifizierungskommission Quereinstieg"), aber de facto zu diesem Zeitpunkt erst ihre pädagogisch-didaktische Ausbildung in Form des Hochschullehrgangs Quereinstieg beginnen und frühestens nach zwei Jahren eine mit dem Lehramtsstudium vergleichbare Qualifikation aufweisen werden. Diese neuen Quereinsteiger:innen und auch bestehende Sondervertragslehrkräfte weisen überdies unterschiedlichste Erststudien auf, die für zukünftige Evaluierungen, Vergleiche und Analysen erfasst werden sollten.

Eine behelfsmäßige Annäherung an die Frage, welche formalen Qualifikationen Österreichs Lehrerinnen und Lehrer aufweisen, könnte die Auswertung der vermutlich schon bisher erfassten akademischen Grade der beschäftigten Lehrpersonen ergeben. 

Die unterfertigten Abgeordneten stellen daher folgende

Anfrage:

 

  1. Wurde die Erfassung der Qualifikation von Lehrkräften seit September 2022 (Zeitpunkt der Anfragebeantwortungen "Fachfremder Unterricht in Mittelschulen und Gymnasien" und "Lehrkräfte-Mangel an Österreichs Schulen") weiterentwickelt und verbessert?
    1. Wenn ja, inwiefern?
    2. Wenn nein, planen Sie zukünftig diesbezügliche Verbesserungen? Welche sind das ggf. und bis wann sollen sie umgesetzt werden?
    3. Wenn abermals nein, warum nicht?
  1. Wie viel Prozent der Lehrer:innen tragen folgende akademische Grade? Bitte um Aufschlüsselung nach Schulart.
    1. Mag. bzw. Mag.a
    2. BEd
    3. BA
    4. BSc
    5. MEd
    6. MA
    7. MSc
    8. Dr. bzw. Dr.in
    9. einen oder mehrere andere
    10. keinen
  1. Wie viel Prozent der Lehrer:innen tragen folgende akademische Grade? Bitte um Aufschlüsselung nach Dienstalter in 10-Jahres-Schritten.
    1. Mag. bzw. Mag.a
    2. BEd
    3. BA
    4. BSc
    5. MEd
    6. MA
    7. MSc
    8. Dr. bzw. Dr.in
    9. einen oder mehrere andere
    10. keinen
  1. Wird von den Pädagogischen Hochschulen, den Universitäten, den Bildungsdirektionen oder dem BMBWF flächendeckend oder regelmäßig stichprobenartig erhoben, wie viel Prozent der Absolvent:innen eines Lehramtsstudiums anschließend den Lehrer:innen-Beruf ergreifen bzw. zum Zeitpunkt des Studienabschlusses schon als Lehrer:in tätig sind und bleiben?
    1. Wenn ja, bitte um Darstellung der aktuellsten verfügbaren Ergebnisse.
    2. Wenn nein, ist dies zukünftig geplant und ggf. ab wann?
    3. Wenn abermals nein, warum nicht?
  1. Wurde vom BMBWF oder in seinem Auftrag einmalig (z.B. in Form einer Studie) erhoben, wie viel Prozent der Absolvent:innen eines Lehramtsstudiums anschließend den Lehrer:innen-Beruf ergreifen bzw. zum Zeitpunkt des Studienabschlusses schon als Lehrer:in tätig sind und bleiben?
    1. Wenn ja, bitte um Darstellung der aktuellsten verfügbaren Ergebnisse.
    2. Wenn nein, ist dies zukünftig geplant und ggf. wann?
    3. Wenn abermals nein, warum nicht?
  1. Sind seitens des BMBWF Maßnahmen in Umsetzung oder zur Umsetzung in dieser Legislaturperiode vorgesehen, die zum Ziel haben, die (formale) Qualifikation der Lehrkräfte anzuheben und/oder besser auf den fächerbezogenen Bedarf abzustimmen? Wenn ja,
    1. welche im Bereich Recruiting?
    2. welche im Bereich Aus- und Weiterbildung?
    3. welche im Bereich Personalmanagement?
    4. welche sonstigen Maßnahmen?