8266/J XXVII. GP

Eingelangt am 14.10.2021
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Anfrage

 

des Abgeordneten Alois Kainz

und weiterer Abgeordneten

an den Bundesminister für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz

betreffend Alarmstufe Rot in der Pflege

 

Am 5. Oktober 2021 wurde auf der Plattform „oesterreich.orf.at“ folgendes berichtet:

 

„Alarmstufe Rot“ in der Pflege

Eineinhalb Jahre Coronavirus-Pandemie haben die Beschäftigten in den Krankenhäusern an ihr Limit gebracht. Viele wollen das Handtuch werfen, auch in Alters- und Pflegeheimen herrsche Personalnotstand, hieß es am Dienstag mehrfach. Zum Teil rächen sich hier noch „Altlasten“ aus den Jahren vor CoV. Es herrsche „Alarmstufe Rot“, heißt es.

 

Aus Wien hieß es zuletzt, dass vier von fünf Krankenpflegerinnen und Krankenpfleger mittlerweile unter dem psychischen Belastungsdruck ihrer Arbeit litten. Viele denken daran aufzuhören. Die Betroffenen seien „müde, die sind ausgelaugt, die haben Schlafstörungen und Konzentrationsstörungen“, beschreibt etwa Gerald Mjka, Personalvertreter der Wiener Ordensspitäler, die Situation. „Sie nehmen das ins private Leben mit.“ Es herrsche aktuell „Alarmstufe Rot“.

 

Beschäftigte in den – in diesem Fall – Wiener Krankenanstalten erzählen von einer ganzen Reihe von Belastungen in der täglichen Arbeit, die schon vor der Pandemie keine einfache war. Diese reichten von andauerndem Einspringen bis Dienst im Schutzanzug. Viele sind mit der Entlohnung nicht zufrieden. Dazu kommen mitunter aggressive Patientinnen und Patienten, die dem medizinischen Personal das Leben schwermachen. Den Spitalsbetreibern sind aber Grenzen gesetzt, um die Lage zu entspannen – nicht zuletzt finanzielle Grenzen.

 

Keine Heimplätze trotz freier Zimmer

Mit akuter Personalnot kämpfen – unter ähnlichen Vorzeichen – auch Alters- und Pflegeheime, wie aktuelle Beispiele etwa aus der Oststeiermark zeigen. Heimplätze sind dort kaum zu bekommen – obwohl Plätze frei seien, hieß es am Dienstag. Das liegt daran, dass man Zimmer nicht belegen kann, da Pflegerinnen und Pfleger fehlen. Es habe schon vor der Coronavirus-Pandemie Pflegeeinrichtungen gegeben, die nicht genug Personal bekommen hätten, so Gerald Maier, Landesvorsitzender der Sozialhilfeverbände in der Steiermark. Die Pandemie habe die Probleme allerdings „exorbitant verstärkt“. Der Job sei körperlich und psychisch anstrengend, es hätten sich Pflegerinnen und Pfleger mit dem Virus infiziert, für andere einzuspringen sei auf der Tagesordnung gestanden. Das habe viele dazu bewogen zu gehen.

 

Forderung nach Maßnahmenpaket

Im Ö1-Mittagsjournal bestätigte auch die Präsidentin der Österreichischen Gesundheits- und Krankenpflegeverbands (ÖGKV), dass es in fast allen Bundesländern Probleme beim Pflegepersonal gebe. „Es ist unterschiedlich ausgeprägt, aber das Problem ist ein österreichisches“, so Elisabeth Potzmann.

Um die Situation zu entschärfen, müsste es kurzfristig zu einer Entspannung der Dienstplansituation kommen, aber auch „Maßnahmen finanzieller Natur“ geben. Zugleich brauchte es aber auch mittel- und längerfristige Maßnahmen etwa in der Ausbildung.“ [1]

 

 

In diesem Zusammenhang richten die unterfertigten Abgeordneten an den Bundesminister für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz folgende

 

 

Anfrage

 

 

1)    Welche Maßnahmen setzen Sie um zu verhindern, dass Pfleger und Pflegerinnen, welche unter enormen psychischen und physischen Druck stehen, nicht ihren Job aufgeben? (Bitte um eine detaillierte Erläuterung.)

2)    Planen Sie finanzielle Unterstützungen für Pfleger und Pflegerinnen um zu verhindern, dass diese ihren Job aufgeben und der Pflegenotstand weiter anwächst?

a.) Falls ja, wie soll diese finanzielle Unterstützung konkret aussehen?
b.) Falls nein, warum nicht?

3)    Gibt es für Pfleger und Pflegerinnen, welche unter Schlafstörungen und Konzentrationsstörungen leiden, die Möglichkeit kostenlose psychologische Hilfe wahr zu nehmen?
a.) Falls ja, wie viel Prozent der Pfleger und Pflegerinnen in Österreich nehmen dieses Angebot wahr?
b.) Falls nein, warum gibt es dieses Angebot nicht?

4)    Welche Maßnahmen setzen Sie um dem derzeitigem Personalnotstand in Krankenhäusern entgegen zu wirken? Bitte um detaillierte Erläuterung.

5)    Welche Maßnahmen setzen Sie um dem derzeitigem Personalnotstand in Pflegeeinrichtungen entgegen zu wirken? Bitte um detaillierte Erläuterung.

6)    Welche Anreize schaffen Sie, damit mehr Personen eine Ausbildung zur Pflegekraft absolvieren? Bitte um detaillierte Erläuterung und Aufgliederung nach mittelfristigen und langfristigen Ansätzen.



[1] https://oesterreich.orf.at/stories/3124512/