Donnerstag, 7. März 2024
Es gilt das gesprochene Wort.
Im feministischen Lied Brot und Rosen heißt es zu Beginn:
„Wenn wir zusammen gehen, geht mit uns ein schöner Tag“.
Die Botschaft ist untrennbar mit dem Internationalen Frauentag verbunden. Weil der Frauentag uns daran erinnert, was wir gemeinsam schon geschafft haben, aber auch, dass der Weg zu Gleichstellung, Selbstbestimmung und Emanzipation noch ein weiter ist.
Also freuen wir uns heute über das Erreichte, aber richten wir vor allem den Fokus darauf, wie wir die Zukunft gestalten wollen – oder müssen.
Zweifelsohne stellt uns jede Zeit vor neue Herausforderungen.Und jede Zeit bringt auch neue Chancen. Und so lässt sich auch das Thema, dem wir uns heute widmen, „KI – Diskriminierungsfalle oder feministischer Aufschwung“ umschreiben.
Mira Murati, die technische Direktorin von Open A-I, und das weibliche Superhirn hinter Chat-GPT, hat in einem Interview gemeint:
„KI wird die ganze Welt verändern. Und das ist jetzt ein einzigartiger Moment in der Zeit, in dem wir mitbestimmen können, wie KI die Gesellschaft verändert. Das ist keine Einbahnstraße, denn wir verändern die Technologie und die Technologie verändert uns.“
Murati hat in mehrfacher Hinsicht recht. Der Blick in die Vergangenheit zeigt uns nämlich, dass alle technologischen Revolutionen, die Gesellschaft, und damit das Frauenleben, nachhaltig verändert haben. Anfang des 19. Jahrhunderts war es die industrielle Revolution, in der auch unser Kampflied „Brot und Rosen“ seinen Ursprung findet.
Mitte des 20. Jahrhunderts, in den 1940’er und 50’er Jahren, war es die Entwicklung der ersten Computer. Entgegen der Darstellungen waren die Anfänge der Tech- Branche keine reine Männer-Domäne.
Zwei Frauen, die eine entscheidende Rolle in dieser technologischen Entwicklung spielten, waren Ada Lovelace und Grace Hopper. Bezeichnend ist, dass Grace Hopper 1969 für ihre Leistungen, mit dem „Man of Year Award” ausgezeichnet wurde.
Ja, und heute? Heute befinden wir uns mitten im Digitalen Zeitalter und am Beginn einer neuen Ära: Der Ära der Künstlichen Intelligenz. Sie ist längst keine abstrakte Zukunftsvision mehr, sondern bereits etwa durch Programme wie Chat-GPT – Teil unseres Alltags.
Ob KI für uns Frauen zur Falle wird, weil der Status quo der Gesellschaft mit den bestehenden Schieflagen, Strukturdefiziten oder Geschlechter-Klischees technologisch reproduziert wird, oder ob es gelingt, sogar ein Goldenes Zeitalter von Gleichberechtigung und Geschlechtergerechtigkeit einzuläuten, wird maßgeblich von unserer feministischen Mitgestaltung an dieser Technologie abhängen. Also dürfen wir diesen „einzigartigen Moment der Mitbestimmung“ nicht verpassen.
Solange KI basierte Systeme mehrheitlich von Männern mit eindimensionalen Daten trainiert werden, übernehmen sie auch Klischees, Rollenbilder und Vorurteile und schreiben sie für die Zukunft fest. Frei nach dem Prinzip: Raus kommt, was vorher reingekommen ist. So zeigt das etwa das Beispiel einer eigentlich sinnvollen Anwendung von KI und ChatBots durch das AMS.Bei der Berufsinformation wurden – bei wohlgemerkt exakt gleichlautender Fragestellung – Männern technik-affine Jobperspektiven vorgeschlagen, während Frauen wiederum „nur“ in klassisch weibliche Berufe gelenkt wurden.
Wie gesagt, ohne entsprechend sensible Steuerung, werden gesellschaftliche Defizite reproduziert, nicht aber korrigiert.
Auch in der Medizin, wo KI ein weiteres sinnvolles Anwendungsgebiet darstellt, sind wir mit dieser Problematik konfrontiert. Sowohl in der Diagnostik wie auch in therapeutischen Anwendungen, eröffnet KI eine Vielfalt an hoffnungsvollen Perspektiven.
Aber auch hier sehen wir, dass allzu oft männlich dominierte Gesundheitsdaten als Basis herangezogen werden, die dann zu verzerrten medizinischen Outputs führen. Frauengesundheit würde damit – mit durchaus sinnvollen KI-Instrumentarien – unterbelichtet bleiben.
Liebe Freundinnen! Ihnen und mir würden noch viele Beispiele einfallen, nachdem diese technologische Revolution alle Lebensbereiche berührt.
Daher wird sich auch dieses Haus als Gesetzgeber, auf Basis auch der Beschlüsse des Europaparlaments, mit erforderlichen legistischen Regulierungen auseinandersetzen: Vom Datenschutz, über Ethische Fragen dieser Technologie, bis hin zum Diskriminierungsschutz oder notwendiger Transparenz.
Genau deshalb nehmen wir den Internationalen Frauentag zum Anlass, uns mit diesem Thema feministisch auseinanderzusetzen.
Ich bedanke mich jetzt schon bei den Expertinnen: bei Sabine Köszegi, Ingrid Brodnig, Carina Zehetmaier und Barbara Herbst; und bei dem solidarischen Mann, Andreas Kraus, für ihre Beiträge.
Sehr geehrte Damen und Herren!
Wenn wir zusammen gehen, so heißt es in der letzten Strophe von Brot und Rosen, „Wenn wir zusammen gehen kommt mit uns ein besserer Tag, die Frauen, die sich wehren die wehren aller Menschen Plag“
Das gilt auch ganz besonders für unser heutiges Thema: wie wir Künstliche Intelligenz für eine gleichberechtigte, und somit für alle gerechtere Zukunft einsetzen können.
Ganz im Sinne von Johanna Dohnal, ich zitiere: „Die Vision des Feminismus ist nicht eine ,weibliche Zukunft‘. Es ist eine menschliche Zukunft.“
In diesem Sinne wünsche ich uns allen, schon heute einen solidarischen Weltfrauentag 2024.