570/A(E) XXVIII. GP
Eingebracht am 19.11.2025
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ENTSCHLIESSUNGSANTRAG
der Abgeordneten Maximilian Weinzierl, Christian Hafenecker, MA
und weiterer Abgeordneter
betreffend Freie Fahrt in die Zukunft – Mobilitätsoffensive für die Jugend
Individuelle Mobilität bedeutet Freiheit, Selbstbestimmung und gesellschaftliche Teilhabe – insbesondere für junge Menschen. Sie ist keine Selbstverständlichkeit, sondern eine zentrale Voraussetzung dafür, Schule, Ausbildung, Beruf, Freizeit und soziale Kontakte eigenständig gestalten zu können. Wer mobil ist, gestaltet sein Leben selbst und entscheidet frei über Zeit und Ziel seiner Wege – das ist gelebte Freiheit.
Gerade Jugendliche und junge Erwachsene stehen dabei jedoch zunehmend vor hohen finanziellen und organisatorischen Hürden. Der Weg zur individuellen Mobilität wird immer teurer, bürokratischer und komplizierter. Laut Arbeiterkammer kostet der Erwerb eines PKW-Führerscheins der Klasse B in Österreich mittlerweile zwischen rund 1.200 und 2.100 Euro, je nach Region und Fahrschule.[1] Auch der Moped-führerschein (Klasse AM) schlägt mit durchschnittlich 350 bis 500 Euro zu Buche.[2] Ein Teil dieser Kosten entsteht auch in Zusammenhang mit der Einhebung von unterschiedlichen Gebühren, wie u.a. Prüfungsgebühren, durch den Staat. Zusätzlich kommen laufende Fixkosten wie Versicherung, Treibstoff, Wartung und Sicherheits-ausrüstung – jährliche Gesamtkosten, die für viele junge Menschen oder Familien mit niedrigerem Einkommen kaum mehr leistbar sind.
Die Folgen liegen auf der Hand: Jugendliche, die sich Mobilität nicht leisten können, bleiben oftmals von zentralen Lebensbereichen ausgeschlossen. Besonders im ländlichen Raum zeigt sich dies deutlich. Während Ballungsräume über dichte öffentliche Verkehrsnetze verfügen, sind Bus- und Bahnverbindungen in vielen Landgemeinden stark ausgedünnt oder abends gar nicht mehr verfügbar. Auch eine Erhebung des ÖAMTC aus dem Jahr 2024, mit knapp 30.000 Beteiligten, untermauert die Relevanz des motorisierten Individualverkehrs für Jugendliche. So bedeutet für 53% der 16- bis 25-Jährigen das Auto Freiheit. Zudem gaben 89% aller 16- bis 20-Jährigen bei der Ö3-Jugendstudie an, dass ein Auto zum Alltag bzw. zu ihrer Zukunft gehört.[3] Das Bedürfnis nach individueller Mobilität ist also kein Luxus, sondern Ausdruck eines grundlegenden Bedürfnisses. Besonders im ländlichen Raum wird das täglich spürbar. Wenn die letzte Buslinie bereits am frühen Abend fährt, bedeutet das Nichtvorhandensein eines eigenen motorisierten Fortbewegungsmittels den Verlust sozialer Teilhabe: Kein Weg zur Disco, kein Fußballtraining, kein Treffen mit Freunde nach der Schule. Darüber hinaus ist der Besitz eines Führerscheins für zahlreiche Lehrberufen, etwa im Handwerk, im Dienstleistungssektor oder in der Landwirtschaft, ein entscheidendes Kriterium für den Erhalt der Lehrstelle und damit den Einstieg ins Arbeitsleben. Untermauert wird dies ebenfalls durch die Ergebnisse der Ö3-Jugend-studie: So ist für 58% der 16- bis 25-Jährigen das Auto essenziell, um die Ausbildungs-einrichtung bzw. Arbeitsstätte zu erreichen.[4]
Ferner tragen auch die derzeit geltenden gesetzlichen Rahmenbedingungen ihren Teil zur Unattraktivität des motorisierten Individualverkehres bei. Beispielhaft hierfür ist die seit Jahrzehnten unveränderte bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h für Mopeds (Klasse L1e). Im heutigen Mischverkehr, in dem Autos außerorts mit 100 km/h und mehr unterwegs sind, ist diese Beschränkung nicht mehr zeitgemäß. Vielmehr führt diese Beschränkung nicht zu mehr Sicherheit, sondern erhöht das Risiko für gefährliche Überholmanöver. Eine Anpassung der gesetzlichen Limits, mit Augenmaß, an die modernen technischen Gegebenheiten erhöht die Verkehrssicherheit ebenso wie die Alltagstauglichkeit der erwähnten Fahrzeuge.
Eine Politik, die auf Eigenverantwortung der Bürger setzt, anstatt besonders junge Menschen mit immer neuen Vorschriften und Zwängen zu bevormunden, leistet einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung eines mündigen und verantwortungsvollen Verhaltens im Straßenverkehr. Gerade jetzt sollte die Politik jungen Leuten nicht die Zukunft verbauen, sondern ihnen die Chance geben, Verantwortung zu übernehmen und ihre Mobilität selbstbestimmt zu gestalten. Statt weiterer Einschränkungen braucht es daher eine echte Mobilitätsoffensive für die junge Generation – mit dem Ziel, den motorisierten Individualverkehr wieder leistbar, praktikabel und attraktiv zu machen. Das Motto muss lauten: Freiheit und Eigenverantwortung statt Bevormundung und Verbotspolitik.
Die unterfertigten Abgeordneten stellen daher nachstehenden
Entschließungsantrag
Der Nationalrat wolle beschließen:
„Die Bundesregierung, insbesondere der Bundesminister für Innovation, Mobilität und Infrastruktur, wird aufgefordert, dem Nationalrat eine Regierungsvorlage zur Umsetzung einer Mobilitätsoffensive für die Jugend zuzuleiten. Diese soll insbesondere einen leichteren und günstigeren Zugang zum Führerschein (Klassen AM und B) sowie eine zeitgemäße Anpassung der Geschwindigkeitsbeschränkungen für Mopeds (Klasse L1e) sicherstellen.“
In formeller Hinsicht wird ersucht, diesen Antrag dem Ausschuss für Verkehr und Mobilität zuzuweisen.
[1] https://ooe.arbeiterkammer.at/service/testsundpreisvergleiche/preisvergleiche/Fahrschulen-im-AK-Preis--und-Leistungscheck.html (aufgerufen am 30.10.2025)
[2] https://www.meinbezirk.at/oberoesterreich/c-motor/mehr-als-70-prozent-preisunterschied-beim-mopedfuehrerschein_a6652668 (aufgerufen am 30.10.2025)
[3] https://www.oeamtc.at/autotouring/reportage/so-ist-oesterreichs-jugend-mobil-74640131 (aufgerufen am 30.10.2025)
[4] https://www.oe3jugendstudie.at/ergebnisse.php (aufgerufen am 30.10.2025)