617/A(E) XXVIII. GP

Eingebracht am 20.11.2025
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ENTSCHLIESSUNGSANTRAG

 

der Abgeordneten Peter Wurm, Dr. Dagmar Belakowitsch

und weiterer Abgeordneter

betreffend Maßnahmen zur Sicherstellung der Grundversorgung für armuts-gefährdete Bevölkerungsteile durch Sozialmärkte

 

 

Medienberichten zufolge stehen die Wiener Sozialmärkte seit Jahren unter Druck – der Mangel an Lebensmitteln hat sich zuletzt aber drastisch verschärft. [1] Insbesondere bei Grundnahrungsmitteln wie Butter, Nudeln und Reis berichten Betreiber über akute Engpässe.

 

Besonders betroffen sind die fünf Standorte des Samariterbundes in Wien, in denen vermehrt leere Regale stehen. Auch Hygieneprodukte sind teilweise nicht mehr ausreichend verfügbar.

 

Ursache ist unter anderem die vollständige Abhängigkeit der Sozialmärkte von Lebensmittelspenden aus dem Einzelhandel. Durch optimierte Warenflüsse, verstärkte Eigenverwertung durch Plattformen wie „Too Good To Go“ sowie unternehmenseigene Lebensmittelrettungsinitiativen bleibt zunehmend weniger überschüssige Ware für Sozialmärkte übrig.

 

Kunden, die in einem Markt keine Waren mehr vorfinden, werden an andere Standorte verwiesen. Auch der Sozialmarkt Wien, der ebenfalls ausschließlich auf Firmen-spenden angewiesen ist, ist betroffen. Um Versorgungslücken zu schließen, kauft dieser mittlerweile zusätzlich bei Großhändlern ein, gibt die Waren aber ohne Aufschlag weiter.

 

Trotz der sozialen Preisgestaltung – rund ein Drittel bis die Hälfte des regulären Supermarktpreises – sind auch in den Sozialmärkten die Preise infolge der allgemeinen Teuerung gestiegen. Zusätzlich gelten Einkaufslimits, die je nach Betreiber und Haushaltsgröße unterschiedlich ausfallen – für Einpersonenhaushalte liegen diese etwa zwischen 35 und 70 Euro pro Woche.

 

Gleichzeitig ist der Bedarf stark gestiegen: Die Zahl der registrierten Mitglieder in Wiener Sozialmärkten hat sich seit Beginn der Pandemie vervielfacht. Immer mehr Pensionisten, Alleinerziehende und auch berufstätige Armutsgefährdete sind auf die günstigen Waren angewiesen.

 

Der Sozialmarkt Wien zählt inzwischen rund 100.000 Mitglieder – vor Corona waren es etwa halb so viele. Auch die „Foodpoints“ des Vereins „Start Up“ berichten von einem massiven Anstieg (von 14.000 auf 100.000 Mitglieder), konnten durch ein breites Spender-Netzwerk Engpässe bisher aber vermeiden.

 

Die unterfertigten Abgeordneten stellen daher nachstehenden

 

Entschließungsantrag

 

Der Nationalrat wolle beschließen:

„Die Bundesregierung, insbesondere die Bundesministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz wird aufgefordert, ein Monitoring- oder Frühwarnsystem einzuführen, um Versorgungsengpässe in der sozialen Infrastruktur frühzeitig zu erkennen und die Grundversorgung für armutsgefährdete Gruppen in Zusammenarbeit mit den Sozialmärkten sicherzustellen.“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In formeller Hinsicht wird ersucht, diesen Antrag dem Ausschuss für Arbeit und Soziales zuzuweisen.



[1]    https://www.derstandard.at/story/3100000292073/weniger-spenden-steigende-nachfrage-in-sozialmaerkten-werden-lebensmittel-knapp (aufgerufen am 18.11.2025)