652/A(E) XXVIII. GP
Eingebracht am 11.12.2025
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ENTSCHLIESSUNGSANTRAG
des Abgeordneten Wendelin Mölzer
und weiterer Abgeordneter
betreffend Prüfung der Errichtung einer Österreichischen Auslandsschule in Laibach (Ljubljana), Slowenien
Die deutschsprachige Bevölkerung auf dem Gebiet des heutigen Sloweniens blickt auf eine jahrhundertealte Geschichte zurück. Seit Generationen leben Angehörige dieser Gemeinschaft in guter Nachbarschaft mit der slowenischsprachigen Mehrheits-bevölkerung und haben wesentlich zur wirtschaftlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Entwicklung des Landes beigetragen.
Ihr Siedlungsgebiet erstreckt sich historisch über mehrere Regionen. Besonders stark ist die deutschsprachige Präsenz in der ehemaligen Untersteiermark – der heutigen Region Štajerska – mit Städten wie Marburg (Maribor), Cilli (Celje), Pettau (Ptuj) und Abstall (Apače). Weitere traditionelle Siedlungsgebiete finden sich im Südosten des Landes in der Gottschee, also in Gemeinden wie Kočevje, Dolenjske Toplice und Semič. Auch in der Hauptstadt Laibach (Ljubljana) leben Angehörige der deutschsprachigen Minderheit, die bis heute bemüht ist, ihr kulturelles Erbe zu pflegen und an die nächsten Generationen weiterzugeben.[1]
Obwohl diese deutschsprachige Volksgruppe ein fester Bestandteil der slowenischen Gesellschaft ist, fehlt ihr bis heute die verfassungsrechtliche Anerkennung als autochthone Minderheit. Österreich hat wiederholt seine Unterstützung für die Anerkennung und Förderung dieser Volksgruppe zum Ausdruck gebracht – über Parteigrenzen hinweg und mit dem Ziel, den Fortbestand ihrer Sprache und Kultur langfristig zu sichern.
Die Interessen der deutschsprachigen Volksgruppe werden derzeit vom Dachverband der Kulturvereine der deutschsprachigen Volksgruppe in Slowenien („Zveza kulturnih društev nemško govoreče narodne skupnosti v Sloveniji“) vertreten. Dieser Dachverband vereint sieben Vereine aus verschiedenen Landesteilen und repräsentiert mehr als 1.500 Mitglieder. Der Verband bemüht sich, die deutsche Sprache, kulturelle Traditionen und regionale Geschichte lebendig zu halten – oftmals mit begrenzten Mitteln und unter schwierigen Rahmenbedingungen.1
Die Errichtung einer Österreichischen Auslandsschule in Laibach (Ljubljana) wäre ein bedeutsamer Schritt, um die deutschsprachige Gemeinschaft in Slowenien sichtbar zu stärken und ihr Wirken auf eine nachhaltige Basis zu stellen. Eine solche Schule könnte als Bildungs- und Kulturzentrum fungieren, das sowohl der deutschen Minderheit als auch interessierten slowenischen Schülern offensteht. Damit würde sie nicht nur zur Förderung der deutschen Sprache beitragen, sondern auch zu einem Ort des kulturellen Austauschs und der Verständigung zwischen beiden Völkern werden.
Die Österreichischen Auslandsschulen sind als Privatschulen gemäß dem Privatschulgesetz des jeweiligen Gastlandes anerkannt. Der Unterricht erfolgt nach österreichischen Lehrplänen, die entsprechend den nationalen Vorgaben des Partnerlandes inhaltlich angepasst werden. Derzeit gibt es acht Österreichische Auslandsschulen (ÖAS): zwei in Budapest sowie je eine in Prag, Istanbul, Guatemala City, Shkodra, Querétaro und Liechtenstein. Alle Österreichischen Auslandsschulen arbeiten mit vom BMBWF entsandten Lehrkräften und lokal angestellten Lehrpersonen – mit Ausnahme der Schule in Liechtenstein, die ihr Lehrpersonal selbst rekrutiert und finanziert. [2]
Eine Österreichische Auslandsschule in Laibach würde den österreich-slowenischen Beziehungen neue Impulse geben – insbesondere im Bildungs- und Kulturbereich, aber auch im Hinblick auf die gemeinsame europäische Wertebasis, die Minderheitenschutz, sprachliche Vielfalt und kulturelle Offenheit einschließt.
Die unterfertigten Abgeordneten stellen daher nachstehenden
Entschließungsantrag
Der Nationalrat wolle beschließen:
„Die Bundesregierung, insbesondere der Bundesminister für Bildung, wird aufgefordert in Abstimmung mit der Bundesministerin für europäische und internationale Angelegenheiten zu prüfen, ob und unter welchen Voraussetzungen die Errichtung und Finanzierung einer Österreichischen Auslandsschule in Laibach (Ljubljana), Slowenien, möglich ist.“
In formeller Hinsicht wird ersucht, diesen Antrag dem Bildungsausschuss zuzuweisen.