668/A(E) XXVIII. GP

Eingebracht am 21.01.2026
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Entschließungsantrag

Parlamentarische Materialien

 

der Abgeordneten Ralph Schallmeiner, Freundinnen und Freunde

 

betreffend Einführung der Spezialisierung Disaster Nurse

 

 

 

BEGRÜNDUNG

 

Anfang des Jahres waren im Südwesten Berlins rund 45.000 Haushalte und 2.200 Unternehmen von einem großflächigen Stromausfall betroffen. Keine Heizung, kein Warmwasser, kein Strom, kein Internet und kein Handyempfang. Ursache war ein Brandanschlag, bei dem fünf Hochspannungskabel zerstört und zehn Mittelspannungskabel unterbrochen wurden. Die Schäden führten zu massiven Beeinträchtigungen im Stromnetz der deutschen Hauptstadt.

 

Der Stromausfall fiel in eine Phase bitterer Kälte. Neben erheblichen wirtschaftlichen Schäden leiden unter mehrtägigen Stromausfällen vor allem pflegebedürftige Menschen, die auf Unterstützung von außen angewiesen sind. Ohne Strom, Internet, Mobilfunk und Heizung geraten Menschen, die etwa schwer dement, bettlägerig oder auf Hilfe beim Essen, Waschen oder bei der Medikamenteneinnahme angewiesen sind, plötzlich in eine Situation extremer Isolation und Hilflosigkeit.

 

In den vergangenen zehn Jahren haben zahlreiche Katastrophen und schwere Notfälle weltweit das Leben von Millionen Menschen massiv beeinträchtigt. Berlin ist dabei nur eines von vielen Beispielen aus unserem unmittelbaren Umfeld. Zur Bewältigung solcher Krisen und zur medizinischen Versorgung der betroffenen Bevölkerung werden häufig nationale und internationale Medizinische Notfallteams (MENTs) eingesetzt. Diese Teams setzen sich aus unterschiedlichen Gesundheitsprofessionen zusammen, darunter Ärzt:innen, Pflegefachpersonen, Psycholog:innen und weitere Fachkräfte. Sie leisten direkte klinische Versorgung in Katastrophen- und Konfliktgebieten und unterstützen gleichzeitig die lokalen Gesundheitssysteme.

 

Gemäß dem WHO-Programm für den Einsatz von Gesundheitspersonal bei globalen Gesundheitsnotfällen darf medizinisches Personal aus dem Ausland nur dann in einem Katastrophengebiet tätig werden, wenn es Teil eines qualifizierten, geschulten, ausgerüsteten und finanziell abgesicherten Teams ist, das definierte Mindeststandards der Berufsausübung erfüllt.

 

Erfahrungen aus vergangenen Einsätzen zeigen jedoch, dass die in Katastrophen-teams eingesetzten Gesundheitsprofessionen nicht immer den situativen Anford-erungen gerecht werden. Teilweise fehlen die notwendigen Kenntnisse, Fähigkeiten, praktischen Fertigkeiten und berufsethischen Orientierungen. Gute Absichten allein reichen nicht aus, um für den Einsatz in einem Medizinischen Notfallteam qualifiziert zu sein. Insbesondere Pflegefachpersonen, die in solchen Teams tätig werden wollen, benötigen eine gezielte Vorbereitung und spezifische Qualifikationen.

 

Kompetente Fachpersonen sind ein zentraler Bestandteil einer funktionierenden Katastrophenhilfe und der entsprechenden nationalen Infrastruktur. Pflegefach-personen mit ausgewiesenen Kernkompetenzen in der Katastrophen- und Disaster-pflege sind im Krisenfall eher in der Lage, multidisziplinäre Einsatzgruppen auch über Zuständigkeits- und Ländergrenzen hinweg zu koordinieren oder zu leiten. Tätigkeiten auf diesem Niveau erfordern die Fähigkeit, komplexe Einsatzumgeb-ungen kritisch zu analysieren und bei Bedarf bestehende Strukturen und Abläufe zu hinterfragen.

 

Auch Österreich muss sich endlich systematisch auf Katastrophenszenarien vorbereiten, die nicht zuletzt durch die Klimakrise häufiger werden. Hochwasserereignisse und Murenabgänge führen zunehmend dazu, dass ganze Täler von der Außenwelt abgeschnitten sind. Rettungs- und Hilfsteams können diese Gebiete oft nur eingeschränkt oder gar nicht erreichen. Für solche Situationen, Blackouts oder andere großflächige Katastrophen, braucht es gut ausgebildetes Fachpersonal, das sowohl Menschen in akuten Notsituationen als auch jene, die isoliert zu Hause festsitzen, professionell unterstützen kann.

 

Daher fordern wir die Einführung einer spezialisierten Ausbildung zur „Disaster Nurse“ nach dem Vorbild des International Council of Nurses (ICN), um die Versorgungs- und Krisenresilienz in Österreich nachhaltig zu stärken.

 

Die unterfertigenden Abgeordneten stellen daher folgenden

 

 

ENTSCHLIESSUNGSANTRAG

 

 

Der Nationalrat wolle beschließen:

 

„Die Bundesministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz und die Bundesministerin für Frauen, Wissenschaft und Forschung werden aufgefordert, ein Fortbildungsangebot für die Spezialisierung „Disaster Nurse“ nach dem Vorbild des International Council of Nurses (ICN) einzuführen, um die Versorgungs- und Krisenresilienz in Österreich nachhaltig zu stärken.“

 

In formeller Hinsicht wird die Zuweisung an den Ausschuss für Arbeit und Soziales vorgeschlagen.