671/A(E) XXVIII. GP
Eingebracht am 21.01.2026
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Entschließungsantrag
Parlamentarische Materialien
der Abgeordneten Elisabeth Götze, Freundinnen und Freunde
betreffend weniger Verkehrsopfer durch Verankerung des "Holländischen Griffs" als Pflichtbestandteil in der Führerscheinausbildung
BEGRÜNDUNG
Eine häufige Ursache schwerer Radunfälle ist das sogenannte „Dooring“ – der Aufprall der Radfahrenden auf unachtsam geöffnete Kfz-Türen beim Vorbeifahren an haltenden oder parkenden Fahrzeugen. Laut offizieller Unfallstatistik[1] handelte es sich zuletzt um jährlich über 200 aufgrund derartiger Unfälle nicht selten schwer Verletzte.
Aufgrund vertiefter Untersuchungen[2] spricht das KfV (Kuratorium für Verkehrssicherheit) darüber hinaus von einer erheblichen Dunkelziffer und schätzt die Zahl der durch Dooring-Unfälle Verletzten etwa viermal so hoch, also insgesamt rund 800 Personen je Jahr in Österreich.
Leider sind auch Todesfälle durch Dooring zu beklagen, in Österreich im Schnitt jedes zweite Jahr. Im Herbst 2025 hat ein leider tödlich geendeter Unfall in Hamburg, bei dem eine bekannte deutsche Filmschauspielerin nach der Kollision mit einer plötzlich geöffneten Beifahrertür starb, die öffentliche Diskussion über wirksame Gegenmaßnahmen wieder angefacht.
Ein Schlüssel für weniger Unfälle durch Dooring ist eine systematisch bessere Rad-Infrastruktur. Das belegen beispielsweise die Niederlande, wo die Radinfrastruktur grundsätzlich möglichst nicht an Parkspuren und parkenden Fahrzeugen entlanggeführt wird; deutlich mehr Platz zum sicheren Radfahren führt zu einer gänzlich anderen Unfallbilanz. Beim Ausbau sicherer Radinfrastruktur gab es durch die zwischenzeitliche Versiebenundzwanzigfachung der entsprechenden Bundes-mittel unter der letzten Bundesregierung große Fortschritte. Ein österreichweiter Investitionsrückstau von rund 7 Mrd Euro[3] kann allerdings nicht in wenigen Jahren behoben werden.
Umso wichtiger ist es, andere rasch wirksame und kostengünstige Maßnahmen zu fördern. So kann jede:r Pkw-Lenker:in selbst Dooring-Unfälle verhindern. Der soge-nannte „Holländische Griff“ (Dutch-Reach, Holländer-Griff) ist eine solche Maßnahme, denn er ist sowohl simpel als auch hoch effektiv. Dabei öffnen Pkw-Lenker:innen vor dem Aussteigen den Öffnungshebel der Fahrertür nicht mit der linken, sondern mit der rechten Hand. Dadurch dreht er oder sie sich automatisch nach links hinten und hat so herannahende Radfahrer:innen weit besser im Blick. Spiegelbildlich gilt dies ebenso für Beifahrer:innen.
Leider ist das entsprechende Bewusstsein in Österreich immer noch unzureichend: Verkehrsteilnehmer:innen mit wenig bis keiner eigenen Erfahrung im Unterwegssein mit dem Fahrrad kennen die Gefahrensituation meist nicht, und es ist auch nicht gesichert, dass diese effektive Unfallvermeidungs-Technik bei der Führerscheinausbildung unterrichtet wird, weil sie nicht verpflichtender Ausbildungs-Inhalt ist. Die Fahrschulen haben zwar in mehreren Zusammenhängen[4] die allgemeine Vorgabe, die Führerscheinwerber:innen auch zum Thema Blicktechnik auszubilden, halten jedoch selbst fest, dass dies in der Fülle der Inhalte der theoretischen Lektionen und der Fahrstunden “keinen großen Platz einnimmt“ und „keinen großen Stellenwert“ hat[5].
Die explizite Erwähnung dieses einfachen aber sehr wichtigen Beitrags zu weniger Radunfällen und Unfallopfern in den entsprechenden Rechtsgrundlagen wäre ein sehr wichtiger Beitrag auf dem Weg zu einer weniger blutigen Unfallbilanz in Österreich.
Die unterfertigenden Abgeordneten stellen daher folgenden
ENTSCHLIESSUNGSANTRAG
Der Nationalrat wolle beschließen:
„Die Bundesregierung und insbesondere der Bundesminister für Innovation, Mobilität und Infrastruktur wird aufgefordert, durch Vorlage einer entsprechenden Ergänzung der rechtlichen Grundlagen im Führerschein- und Kraftfahrrecht die verpflichtende Unterrichtung der Führerscheinwerber aller Klassen in der Methode des „Holländischen Griffs“ (Dutch-Reach, Holländergriff) im Rahmen ihrer theoretischen und praktischen Führerscheinausbildung sicherzustellen und damit das Risiko für Dooring-Unfälle aktiv mobiler Verkehrsteilnehmer:innen zu senken.“
In formeller Hinsicht wird die Zuweisung an den Ausschuss für Verkehr und Mobilität vorgeschlagen.
[1] https://www.statistik.at/statistiken/tourismus-und-verkehr/unfaelle/strassenverkehrsunfaelle
[2] https://radkompetenz.at/wp-content/uploads/2021/04/KFVpublikation-20-RadDoUn_vWEB.pdf, https://www.derstandard.at/story/3100000291453/dutch-reach-ein-griff-der-leben-retten-kann
[3] https://www.klimaaktivmobil.at/fileadmin/Bibliothek/Downloads/Mobilitaet/Studien_und_Zahlen/2022_Studie_Investitionsbedarf_Radverkehr.pdf
[4] etwa FSG-DV, FSG-VBV, KFG-DV
[5] https://www.derstandard.at/story/3100000291453/dutch-reach-ein-griff-der-leben-retten-kann