835/A(E) XXVIII. GP

Eingebracht am 23.04.2026
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Entschließungsantrag

835/A(E) XXVIII. GP - Entschließungsantrag

 

der Abgeordneten Olga Voglauer, Ralph Schallmeiner, Freundinnen und Freunde

 

betreffend Transparentes Pestizid-Monitoring als notwendige gesundheitliche Präventionsmaßnahme

 

 

 

BEGRÜNDUNG

 

 

Die umwelttoxischen Auswirkungen und potenziell schädlichen gesundheitlichen Folgen einer Pestizidbelastung – für Anwender:innen, die Allgemeinbevölkerung und insbesondere für gefährdete Gruppen wie Säuglinge und Kinder – geben Anlass zur Besorgnis. Insbesondere die aktuelle Debatte auf EU-Ebene im Zusammenhang mit den „Omnibus-Paketen“ lässt besondere Relevanz dringlicher Vorsorge in Bezug auf das Monitoring solcher Stoffe und medizinischer Prävention erkennen.

 

Neben Verschlucken, direktem Hautkontakt, oder der Aufnahme über Lebensmittel und Trinkwasser, kann auch die Inhalation von Umgebungsluft durch Verwehung von Pestiziden ein relevanter Expositionsweg für diese Stoffe sein.[1] Abdrift betrifft nicht nur die nähere Umgebung pestizidbehandelter Flächen, wie Studien belegen, in denen Pestizide u.A. auch in der Luft in der Wiener Innenstadt nachgewiesen werden konnten.[2]

 

Pestizide können Reizungen von Schleimhaut und Haut hervorrufen, krebserre-gendes Potenzial aufweisen, das Hormonsystem stören und sich negativ auf die Fortpflanzungsfähigkeit oder auch auf das Organ- und Nervensystem auswirken. Eine Exposition über längere Zeit erhöht beispielsweise das Risiko an Morbus Parkinson zu erkranken, weshalb mehrere EU-Mitgliedsstaaten dies als Berufs-krankheit bei Pestizid-Anwender:innen anerkennen.[3] Zudem zeigen aktuelle Untersuchungen, dass in den vergangenen Jahren in Österreich vermehrt PFAS-Pestizide zum Einsatz kommen. Diese Wirkstoffe und Mittel bauen sich aufgrund ihrer chemischen Eigenschaften kaum – zu TFA – oder gar nicht natürlich ab und können im menschlichen Blut, in Organen, oder auch zB der Plazenta nachgewiesen werden.

 

Aufgrund von Studien zu einigen gut erforschten Stoffen der PFAS-Gruppe, sind zahlreiche Gesundheitsrisiken bekannt, die sehr wahrscheinlich von allen PFAS ausgelöst werden können.[4] Insbesondere was die Entwicklung von (ungeborenen) Kindern angeht. Sehr hoch ist die Evidenz bzgl. Gefahren für die fötale Entwicklung etwa für geringeres Geburtsgewicht, reduziertes Ansprechen auf Impfungen, und verzögerte Brustdrüsenentwicklung. Weitere Gefahren sind z.B. Übergewicht, verfrühte Pubertät, erhöhtes Risiko für Fehlgeburten. Gesundheitsgefahren für Erwachsene umfassen u.a. Schilddrüsenerkrankungen, Leberschäden, Nierenkrebs, Hodenkrebs.[5]

 

Der Rechnungshof (RH) kritisierte in seinem Bericht „Pestizidanwendung in der Landwirtschaft“ vom Juli 2024[6]: „Weder das Landwirtschaftsministerium noch das Gesundheitsministerium hatte einen Überblick über die durch Pflanzenschutzmittel verursachten gesundheitlichen Auswirkungen. Zudem lagen auch keine Informa-tionen über die durch Pestizide verursachten Erkrankungen bei Landwirtinnen und Landwirten vor, obwohl für diese ein besonders hohes Risiko bestand, Vergiftungen durch Pestizide zu erleiden.“ Der RH kritisierte ebenso den Mangel an „Vorkehr-ungen über die Information von Personen, die der Abdrift ausgesetzt sein könnten“ und, „dass es auch keine Stelle gab, an die sich von Abdrift betroffene Personen wenden konnten.“ Der RH empfiehlt dem Bund sich für die zentrale Sammlung und Auswertung von Daten zur Pestizidanwendung einzusetzen und weist auch explizit auf die Notwendigkeit einer zeitnahen Veröffentlichung der Daten im Sinne des Gesundheitsschutzes hin. Das bundesweite, engmaschige Monitoring dieser potenziell gesundheitsgefährdenden Stoffe ist im Sinne der medizinischen Präventionsarbeit dringend geboten.

 

Mit der durchgeführten Machbarkeitsstudie, der Erstellung eines Lastenhefts und einer Kostenschätzung für die Umsetzung einer Pestizid-Anwendungsdatenbank im Rahmen des im November 2024 abgeschlossenen Projekts PSMDOK[7] liegen dem Bund und den Bundesländern mittlerweile detaillierte Vorarbeiten vor.

 

Die Umsetzung dieser für ein umfassendes Monitoring notwendigen Datenquelle im Sinne des Gesundheitsschutzes der Bevölkerung lässt dennoch weiter auf sich warten. Es braucht dringend ein größeres Augenmerk auf den toxischen Cocktail, den wir zu uns nehmen.

 

 

 

Die unterfertigenden Abgeordneten stellen daher folgenden

 

 

ENTSCHLIESSUNGSANTRAG

 

 

Der Nationalrat wolle beschließen:

 

„Die Bundesministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumenten-schutz und der Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umwelt-schutz, Regionen und Wasserwirtschaft werden aufgefordert, im Sinne des Gesundheitsschutzes  gemeinsam mit den Bundesländern eine Pestizid-Anwend-ungsdatenbank einzurichten, in die alle beruflichen Verwender:innen sämtliche Pestizid-Anwendungen zeitnah verpflichtend einzutragen haben, und deren Daten für die Öffentlichkeit abrufbar zur Verfügung gestellt werden.

 

Diese Pestizid-Anwendungsdatenbank soll insbesondere folgende Merkmale erfüllen:

 

-        Schnittstelle zu den gängigen Agrarmanagementsystemen zur Vermeidung doppelter Aufzeichnungen

-        Öffentlicher Zugang zu aktuellen anonymisierten Daten, mit Auswertungsmöglichkeiten

·         nach Region (Bezirk, Bundesland),

·         nach Kultur,

·         nach Datentyp (jedenfalls Angabe der Wirkstoffmengen, Behandlungsflächen, Behandlungsindex, Behandlungshäufigkeit, Wirkstoffranking je Kultur)

·         nach Bewirtschaftungsform (Unterscheidung bio und konventionell),

·         nach Wirkstoffen (sowohl Darstellung einzeln für jeden Wirkstoff, als auch Gruppierung nach Wirkstoffgruppen und Wirkstoffbereichen)

·         nach Gefährlichkeit (z.B. Substitutionskandidaten).“

 

 

 

 

In formeller Hinsicht wird die Zuweisung an den Gesundheitsausschuss vorgeschlagen.



[1]C. Coscollà 1 2, V. Yusà 1 2 3 Pesticides and Agricultural Air Quality - ScienceDirect, Comprehensive Analytical Chemistry, Volume 73, 2016, Pages 423-490

[2] Pesticides in ambient air, influenced by surrounding land use and weather, pose a potential threat to biodiversity and humans. Johann G. Zaller, et al. Science of The Total Environment. 2022. doi.org/10.1016/j.scitotenv.2022.156012

[3] Wissenschaftliche Empfehlung für die Berufskrankheit „Parkinson-Syndrom durch langjährig, häufig und selbst angewendete Pestizide“ – Bek. d. BMAS, aktualisierte-empfehlung-berufskrankheit-parkinson-syndrom-durch-pestizide.pdf

[4] Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen (PFAS) - AGES - https://www.ages.at/mensch/ernaehrung-lebensmittel/rueckstaende-kontaminanten-von-a-bis-z/per-und-polyfluorierte-alkylverbindungen-pfas

[5] Effects of PFAS on human health | Maps and charts | European Environment Agency (EEA) - https://www.eea.europa.eu/en/analysis/maps-and-charts/effects-of-pfas-on-human-health

[6] Bericht des Rechnungshofes: Pestizideinsatz in der Landwirtschaft

[7] PSMDOK: Machbarkeitsstudie und Erstellung eines Lastenheftes zur Umsetzung der zukünftigen Aufzeichnungsverpflichtungen über die Verwendung von Pflanzenschutzmitteln aus der EU-Verordnung 1107/2009 über das Inverkehrbringen von Pflanzenschutzmitteln - BMLUK DaFNE