930/A(E) XXVIII. GP

Eingebracht am 10.06.2026
Dieser Text wurde elektronisch übermittelt. Abweichungen vom Original sind möglich.

ENTSCHLIESSUNGSANTRAG

der Abgeordneten Sigrid Maurer, Freundinnen und Freunde

 

betreffend Hitzeschutz für Schulen: Klimafitte Klassenräume statt schweißtreibender Betonwüsten!

 

 

BEGRÜNDUNG

 

 

Wenn im Mai und Juni das Thermometer im Klassenzimmer die 30-Grad-Marke knackt, ist an konzentriertes Lernen nicht mehr zu denken. Die Luft steht, Köpfe dröhnen, die Erschöpfung ist greifbar. Hitze an Schulen ist längst kein Komfortproblem mehr – sie ist ein massives Gesundheitsrisiko für Schüler:innen sowie Lehrkräfte und wirkt sich nachweislich negativ auf den Lernerfolg aus.

 

Das aktuelle Forschungsprojekt „Climate Ready Schools“[1] zeigt die dramatische Realität: Knapp neun von zehn Betroffenen (89 %) empfinden die Hitze im Schulgebäude als schwere Belastung. Laut der Umfrage unter 1.500 Schüler:innen und Lehrkräften leiden 74 % unter akuten Konzentrationsstörungen und Müdigkeit, 60 % klagen über Kopfschmerzen.

 

Hitze ist auch eine Frage der Bildungsgerechtigkeit. Schulen mit schlechter Bausubstanz und asphaltierten, unbegrünten Höfen überhitzen am schnellsten. Angesichts der zunehmenden Hitzetage in den Schulmonaten müssen wir jetzt handeln. Jedes Kind muss – unabhängig von Postleitzahl oder Schulerhalter – in einer gesunden Umgebung lernen können. Wir müssen graue Asphaltwüsten in klimafitte Schuloasen verwandeln: durch Entsiegelung, das Schwammstadt-Prinzip, Außenbeschattung oder helle, reflektierende Dächer.

 

Ein zentraler Hebel dafür ist die im Projekt „Climate Ready Schools“ entwickelte Bewertung von Hitzebelastungen von Schulstandorten Es ist nun die Aufgabe der Politik, dieses Messwerkzeug aufzugreifen und als „Hitze-Index“ strategisch in alle baulichen Entscheid-ungen einfließen zu lassen, um darauf basierend Sanierungs- und Investitionsprioritäten setzen zu können – sowohl im Schulentwicklungsprogramm (SCHEP) des Bundes als auch beim Pflichtschulbau der Länder.

 

Da das SCHEP bisher primär auf CO-Einsparungen beim Heizen fokussiert und eine bundesweit akkordierte Strategie fehlt, muss der Bund hier beim Bundesschulbau vorangehen. Nachhaltige Kühlkonzepte, baulicher Sonnenschutz und das systematische Verhindern von Hitzestress müssen dringend in den Sanierungsrichtlinien verankert und der wissenschaftlich fundierte „Hitze-Index“ gemeinsam mit Ländern verbindlich in alle österreichischen Schulbauleitlinien integriert werden.


Effektiver Hitzeschutz braucht ein Zusammenspiel aus langfristigen Investitionen und schneller Hilfe im Hier und Jetzt. Außenbeschattung kann hier als rasche und kostengünstige Sofortmaßnahme erste Abhilfe schaffen, für eine dauerhafte Kühlung von Schulgebäuden muss jedoch konsequent auf nachhaltige sowie naturnahe, passive Systeme gesetzt werden.

Eine Best-Practice-Zusammenschau baulicher und technischer Kühlkonzepte kann darüber hinaus wertvolle Ideen liefern und als wichtige Basis baulicher Sanierungsmaßnahmen dienen. Internationale und nationale Vorbilder zeigen, wie dies aussehen kann, etwa die großflächige Entsiegelung nach Pariser Vorbild („Les cours Oasis“[2]), das Programm „Coole Schulhöfe für Nordrhein-Westfahlen“[3] oder Untersuchungen der TU-Wien zu Fassaden-begrünung und Mikroklima an Schulgebäuden.[4]

 

Dazu ergänzend kann ein handlicher Praxisleitfaden für Schulen unterstützen, Hitzebe-lastungen im Alltag zu reduzieren, bevor baulichen Maßnahmen möglich sind. Mit kreativen und kostengünstigen Organisations- und Verhaltenshacks für den Alltag – wie DIY-Beschattung, Begrünung von Innenräumen, Nachtlüftung, Raumrochaden, flexiblen Pausenzeiten oder dem Vorverlegen von Schularbeiten – wird gezeigt, wie unkompliziert Entlastung im Klassenzimmer beginnen kann.

 

Die unterfertigenden Abgeordneten stellen daher folgenden

 

ENTSCHLIESSUNGSANTRAG

 

Der Nationalrat wolle beschließen:

 

Der Bundesminister für Bildung wird ersucht, in Abstimmung mit den Bundesländern und Schulerhaltern ein zielgerichtetes Maßnahmenpaket für den Hitzeschutz und die Klimaresilienz an österreichischen Schulen umzusetzen.

 

Inhalte des Maßnahmenpakets: 

1.    „Hitze-Index“ & Monitoring als Steuerungsinstrument: Berücksichtigung eines wissenschaftlichen Indikatorensystems (basierend auf „Climate Ready Schools“) im SCHEP sowie im Pflichtschulbereich, um besonders belastete Schulstandorte bei Sanierungs- und Investitions­entscheidungen prioritär zu berücksichtigen sowie Aufbau eines bundesweiten Monitorings über die thermische Belastung von Schulstandorten.

2.    Klimafitte Bauvorgaben: Verbindliche Verankerung des sommerlichen Hitze­schutzes bei Neubau und Sanierung von Pflicht- und Bundesschulen mit Fokus auf außenliegende Beschattungssysteme, Begrünungsmaßnahmen, Entsiege­lung, Schwamm­stadt-Elemente sowie passive Kühlkonzepte.

3.    Sofortprogramm für Beschattungsmaßnahmen („Beschattungstopf“): Einrichtung eines unbürokratischen Finanzierungstopfes für rasch wirksame Sofortmaßnahmen, um akut betroffene Schulstandorte kurzfristig mit außenliegenden Beschattungssystemen (wie Außenrollos, Jalousien oder Markisen) auszustatten.

4.    Förderprogramm „Grüne Schuloasen“: Schaffung eines Förderprogramms für die Entsiegelung und Begrünung von Schulhöfen, Schulvorplätzen, Fassaden und Dächern, um Schulen klimaresilient zu gestalten und gleichzeitig zur Kühlung des öffentlichen Raums beizutragen.

5.    Wissens- und Praxisleitfaden „Hitzeschutz“ für Schulen: Erstellung einer Best-Practice-Zusammenschau technischer, naturnaher und baulicher Hitzeschutz- und Kühlungsmaßnahmen für Schulerhalter sowie eines handlichen Leitfadens für Schulen mit kurzfristig umsetzbaren, organisatorischen Maßnahmen im Schulalltag.“

 

 

 

 

 

In formeller Hinsicht wird die Zuweisung an den Bildungsausschuss vorgeschlagen.



[1] Vlg. www.orf.at: „Hitzestress in Schulen nimmt zu“, https://science.orf.at/stories/3235803/, aufgerufen am: 03.06.2026

 

[2]vgl.https://climate-adapt.eea.europa.eu/en/metadata/case-studies/paris-oasis-schoolyard-programme-france, aufgerufen am: 03.06.2026

[3] Vgl. https://www.duh.de/informieren/natur-und-umwelt-vor-ort/schulhoefe/nrw/, aufgerufen am: 03.06.2026

[4] Vgl. https://www.mdpi.com/2071-1050/14/20/13089, aufgerufen am: 03.06.2026