939/A(E) XXVIII. GP
Eingebracht am 11.06.2026
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ENTSCHLIESSUNGSANTRAG
des Abgeordneten Mag. Gerhard Kaniak
und weiterer Abgeordneter
betreffend Sicherstellung der Medikamentenversorgung und Stärkung des Pharmastandorts Österreich
Die Versorgung der österreichischen Bevölkerung mit sicheren, wirksamen und modernen Arzneimitteln ist eine zentrale staatliche Aufgabe. Österreich darf bei der Verfügbarkeit medizinischer Innovationen nicht ins Hintertreffen geraten, sondern muss Rahmenbedingungen schaffen, die eine rasche Versorgung der Patienten sowie die Attraktivität des heimischen Gesundheits- und Forschungsstandorts gleicher-maßen gewährleisten.
Dass die europäische bzw. heimische Produktion selbst bei bewährten Wirkstoffen stark gefährdet ist, zeigt das Sandoz-Werk im tirolerischen Kundl: Als letzter großer, voll integrierter Penicillin-Standort in Europa wirtschaftet das Werk aufgrund von Kampfpreisen der chinesischen Konkurrenz nur noch knapp profitabel.[1] Die Produktion des Wirkstoffs Thyronin in Langkampfen/Schaftenau läuft jedenfalls Ende 2026 aus.[2] Das bisherige Development Center in Kundl soll ebenfalls bis Jahresende geschlossen werden.[3] Das Bröckeln von Traditionsstandorten wie Sandoz in Tirol gefährdet nicht nur die Medikamentenversorgung, sondern vernichtet auch hunderte hochqualifizierte Arbeitsplätze und schwächt Österreich als Industriestandort.
Aktuelle Warnungen international tätiger Pharmaunternehmen zeigen jedenfalls, dass Europa und damit auch Österreich auch bei der Einführung neuer Medikamente zunehmend unter Druck geraten.[4] Wenn neue Therapien aufgrund überzogener Regulierung, langwieriger Verfahren und einer innovationsfeindlichen Preisgestaltung verspätet oder gar nicht auf den österreichischen Markt kommen, dann verschlechtert das die Versorgungssicherheit und benachteiligt die Österreicher im internationalen Vergleich.
Eine Politik, die vor allem auf Kostendruck, bürokratische Belastungen und standort-schädliche Eingriffe setzt, verkennt die Realität von Forschung, Entwicklung und Produktion moderner Arzneimittel. Wer einerseits Investitionen in Milliardenhöhe erwartet, andererseits aber Rahmenbedingungen schafft, die Innovation wirtschaftlich unattraktiv machen, nimmt bewusst in Kauf, dass Österreich als Pharmastandort an Wettbewerbsfähigkeit verliert und die Österreicher zu Patienten zweiter Klasse werden.
Die derzeitige Fokussierung auf den niedrigsten Preis bei der Medikamenten-beschaffung gefährdet die Versorgungssicherheit, fördert die Abhängigkeit von Drittmärkten und verdrängt heimische Produktion, warnt der Fachverband der chemischen Industrie Österreichs (FCIO):
„Wer bei Medikamenten nur zum niedrigsten Preis einkauft, darf sich nicht wundern, dass heimische Anbieter den Markt verlassen müssen und die Abhängigkeit von Drittmärkten wächst.“[5]
Es braucht daher auch ein Umdenken hin zum Bestbieterprinzip. Vergabekriterien müssen neben dem reinen Preis auch den Produktionsstandort und die Versorgungssicherheit berücksichtigen, damit die Herstellung von Generika sowie innovativer Therapien wirtschaftlich bleibt und die Österreicher nicht zu Patienten zweiter Klasse werden.
Die unterfertigten Abgeordneten stellen daher nachstehenden
Entschließungsantrag
Der Nationalrat wolle beschließen:
„Die Bundesministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumenten-schutz wird aufgefordert, dem Nationalrat ehestmöglich einen Maßnahmenplan vorzulegen, durch den
· die Versorgungssicherheit mit innovativen und lebensnotwendigen Arzneimitteln in Österreich nachhaltig gewährleistet,
· der rasche Zugang der Patienten zu neuen Therapien verbessert,
· bürokratische Hemmnisse in Preisbildungs-, Erstattungs- und sonstigen für die Marktzugänglichkeit relevanten Verfahren abgebaut,
· investitions- und forschungsfreundliche Rahmenbedingungen zur Stärkung des Pharmastandortes Österreich geschaffen werden sowie
· das Bestbieterprinzip mit Berücksichtigung des Produktionsstandorts und der Versorgungssicherheit statt der Fokussierung auf den niedrigsten Preis sichergestellt wird.“
In formeller Hinsicht wird ersucht, diesen Antrag dem Gesundheitsausschuss zuzuweisen.
[1] https://www.nzz.ch/wirtschaft/alpenfestung-fuer-antibiotika-wie-eine-sandoz-fabrik-die-marktmacht-der-chinesen-spuert-ld.10008479 (aufgerufen am 03.06.2026)
[2] https://tirol.orf.at/stories/3351141/ (aufgerufen am 03.06.2026)
[3] https://tirol.orf.at/stories/3345651/ (aufgerufen am 03.06.2026)
[4] https://www.gesundheitswirtschaft.at/roche-chef-europa-droht-rueckfall-bei-pharma-innovationen/ (aufgerufen am 03.06.2026)
[5] https://www.wko.at/oe/oesterreich/oesterreich-darf-bei-medikamenten-nicht-abhaengig-bleiben (aufgerufen am 03.06.2026)