941/A(E) XXVIII. GP

Eingebracht am 11.06.2026
Dieser Text wurde elektronisch übermittelt. Abweichungen vom Original sind möglich.

ENTSCHLIESSUNGSANTRAG

des Abgeordneten Mag. Gerhard Kaniak

und weiterer Abgeordneter

betreffend 2. österreichischer Männergesundheitsbericht

 

 

Im Jahr 2004 wurde der 1. österreichische Männergesundheitsbericht veröffentlicht.[1] Die aktuelle Datengrundlage zur Männergesundheit in Österreich basiert immer noch auf diesem Bericht. Seither hat sich nicht nur die Medizin, sondern auch die Arbeitswelt und das gesellschaftliche Rollenverständnis von Männern gewandelt.

 

Während die spezifische Berichterstattung zur Männergesundheit seit mehr als zwei Jahrzehnten nicht mehr aktualisiert wurde, wurden im selben Zeitraum eine Vielzahl von Berichten für andere Bevölkerungsgruppen veröffentlicht. Dazu zählen mehrere allgemeine Gesundheitsberichte, Berichte zur Gesundheit von Frauen, von Kindern und Jugendlichen, der Bevölkerung im mittleren Alter, von älteren Menschen sowie ein LGBTIQ+-Gesundheitsbericht.[2] Männer stellen somit die einzige demografische Großgruppe dar, deren ganzheitliche Gesundheitsanalyse in Berichtsform mehr als zwei Jahrzehnte zurückliegt.

 

Diese Datenlücke hat Konsequenzen. Gesellschaftliche Veränderungen, neue Anforderungen oder gestiegene psychosoziale Belastungen durch Digitalisierung und ständige Erreichbarkeit finden in der veralteten Datenbasis keine Abbildung. Themen wie Burn-out-Risiken oder die anhaltend hohe Suizidrate bei Männern[3] können ohne aktuelle, zielgruppenspezifische Analyse nicht adäquat adressiert werden. Ganz zu schweigen von organbedingten Krankheiten und Risken oder geschlechtsspezifischen Krankheitsverläufen – wie ein deutlich früheres Risiko für Herzinfarkte.

 

Gleichzeitig hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten das Gesundheits- und Vorsorgeverhalten von Männern gewandelt. Während der Bericht von 2004 noch von einem traditionell zurückhaltenden ausging, zeigen jüngere Generationen heute oft ein höheres Bewusstsein für Ernährung, Fitness und psychische Gesundheit. Diese Kluft zwischen den Generationen und das tatsächliche Inanspruchnahmeverhalten, etwa bei der Prostatakrebs-Früherkennung, lassen sich mit den veralteten Daten nicht mehr präzise abbilden.

 

Zwar hat der Gender-Gesundheitsbericht von 2019 punktuell Unterschiede beleuchtet, das ersetzt jedoch keine umfassende Gesamtschau, im Gegenteil dieser Bericht ist durchaus auch als Empfehlung für einen eigenständigen 2. Männergesundheits-bericht zu lesen:

 

„Geschlecht ist ein determinierender Faktor für Gesundheit und Krankheit. […] Unterschiedliche gesundheitliche Chancen und Risiken zwischen Frauen und Männern korrespondieren nicht nur mit einer ungleichen Lebenserwartung, Sterblichkeit und Krankheitslast, sondern auch mit ungleichen Verhältnissen und unterschiedlichem Verhalten.“ [4]

 

Nicht weniger als 49,3 Prozent der Bevölkerung sind männlich.[5] Ohne eine valide Datengrundlage können Maßnahmen zur Förderung der Männergesundheit nicht evidenzbasiert entwickelt, umgesetzt und evaluiert werden. Ein neuer Männer-gesundheitsbericht ist daher essenziell, um diese Lücke zu schließen und eine moderne, zielgerichtete Gesundheitspolitik zu ermöglichen.

 

 

Die unterfertigten Abgeordneten stellen daher nachstehenden

 

Entschließungsantrag

 

Der Nationalrat wolle beschließen:

„Die Bundesministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumenten-schutz wird aufgefordert, einen 2. österreichischen Männergesundheitsbericht zu erarbeiten und diesen dem Nationalrat zuzuleiten. Dieser 2. Männergesundheits-bericht soll in Anlehnung an den 1. Männergesundheitsbericht 2004 unter der Zugrundelegung aktueller Daten (2025) zu folgenden Bereichen

·         Bevölkerungs- und Sozialstruktur,

·         Gesundheitszustand,

·         Sterblichkeit,

·         Sterblichkeit nach Altersgruppen,

·         gesundheitliche Selbsteinschätzung,

·         gesundheitliche Einflussfaktoren,

·         Arbeits- und Lebensumfeld sowie

·         sonstige Problemlagen in diesem Zusammenhang

eine kurz-, mittel- und langfristige Maßnahmenplanung für die Förderung der Männergesundheit beinhalten und in diesem Zusammenhang

·         medizinische Maßnahmen,

·         psychosoziale pädagogische Maßnahmen,

·         gesundheitspolitische Maßnahmen,

·         mediale Begleitmaßnahmen und

·         spezifische Gesundheitsförderungsmaßnahmen

umfassen.“

 

In formeller Hinsicht wird ersucht, diesen Antrag dem Gesundheitsausschuss zuzuweisen.



[1]    https://goeg.at/sites/goeg.at/files/2017-07/1._Oesterreichischer_Maennergesundheitsbericht.pdf (aufgerufen am 04.06.2026)

[2]    https://goeg.at/Gesundheitsberichte-Archiv (aufgerufen am 04.06.2026)

[3]    https://www.sozialministerium.gv.at/dam/jcr:be4c0246-0c26-4fdb-bac6-eee23e2ea5dc/Suizidbericht_2024.pdf (aufgerufen am 04.06.2026)

[4]    https://broschuerenservice.sozialministerium.gv.at/Home/Download?publicationId=661 (aufgerufen am 04.06.2026)

[5]    https://www.statistik.at/statistiken/bevoelkerung-und-soziales/bevoelkerung/bevoelkerungsstand/bevoelkerung-nach-alter/geschlecht (aufgerufen am 04.06.2026)