944/A(E) XXVIII. GP
Eingebracht am 11.06.2026
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ENTSCHLIESSUNGSANTRAG
des Abgeordneten Hermann Brückl, MA
und weiterer Abgeordneter
betreffend Digitalisierung mit Maß: Evaluierung der Tabletklassen an österreichischen Schulen
In den vergangenen Jahren wurde im österreichischen Schulsystem verstärkt auf Digitalisierung gesetzt. Im Rahmen des sogenannten „8-Punkte-Plans für die digitale Schule“[1] verfolgt das Bildungsministerium das Ziel, digitale Technologien stärker im Unterricht zu verankern und Schülerinnen und Schüler frühzeitig mit digitalen Kompetenzen vertraut zu machen. Dazu zählen unter anderem Programme zur Ausstattung von Schulklassen mit Tablets oder Notebooks sowie Initiativen zur digitalen Schulentwicklung. Parallel dazu beteiligen sich immer mehr Schulen – teilweise auch im Volksschulbereich – an entsprechenden Projekten oder Netzwerken zur Förderung digitaler Bildung und werden dafür im Rahmen staatlicher Programme oder Initiativen ausgezeichnet.
Gleichzeitig betont selbst das Bildungsministerium, dass die klassischen Kulturtechniken Lesen, Schreiben und grundlegende mathematische Kenntnisse das Fundament der schulischen Bildung darstellen und verlässlich vermittelt werden müssen. Gerade vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob eine zunehmende Ausrichtung auf digitale Geräte bereits in den ersten Schuljahren tatsächlich mit den pädagogischen Prioritäten dieser Schulstufe vereinbar ist. Kinder in der Volksschule befinden sich in einer entscheidenden Phase des Erwerbs dieser Basiskompetenzen, weshalb der Fokus des Unterrichts primär auf deren nachhaltiger Vermittlung liegen sollte.[2]
Aus Sicht einer verantwortungsvollen Bildungspolitik stellt sich daher zunehmend die Frage, ob dieser rasche Digitalisierungsschub – insbesondere bereits im Volksschul-alter oder in der Unterstufe – tatsächlich im Interesse der Kinder und ihrer grundlegenden Bildung ist. Denn gleichzeitig zeigen zahlreiche Studien und Bildungs-berichte, dass die grundlegenden Kompetenzen vieler Schülerinnen und Schüler im Lesen, Schreiben und Rechnen unter Druck geraten.
Internationale Vergleichsstudien wie PISA weisen darauf hin, dass ein erheblicher Anteil der Jugendlichen nicht einmal das grundlegende Kompetenzniveau erreicht, das für eine aktive Teilnahme am gesellschaftlichen und beruflichen Leben notwendig ist. In Österreich zählt rund ein Viertel der Schülerinnen und Schüler in den Bereichen Lesen und Mathematik zu den leistungsschwachen Gruppen.[3]
Vor diesem Hintergrund erscheint es zumindest fragwürdig, wenn ausgerechnet in einer Phase, in der grundlegende Kulturtechniken vielerorts schwächer werden, immer mehr Unterrichtszeit und Ressourcen auf digitale Geräte und Plattformen verlagert werden. Bildungsexperten weisen darauf hin, dass ein übermäßiger Einsatz digitaler Geräte im Unterricht auch negative Effekte haben kann – etwa durch Ablenkung, sinkende Konzentrationsfähigkeit oder eine geringere Beschäftigung mit analogen Lernmethoden wie Lesen, Schreiben von Hand oder Kopfrechnen. Studien zeigen etwa, dass Schülerinnen und Schüler in vielen Ländern berichten, durch digitale Geräte im Unterricht häufig abgelenkt zu sein, was sich negativ auf die Lernleistung auswirken kann.[4]
Gerade in den ersten Schuljahren kommt dem systematischen Erwerb der Grundkompetenzen eine zentrale Bedeutung zu. Lesen, Schreiben[5] und Rechnen bilden die Basis für jede weitere Bildungsbiografie. Wird dieser Lernprozess durch eine zu frühe oder zu intensive Digitalisierung überlagert, besteht die Gefahr, dass grundlegende Lernprozesse – etwa das Erlernen einer sauberen Handschrift, konzentriertes Lesen längerer Texte oder das sichere Beherrschen grundlegender Rechenoperationen – in den Hintergrund geraten.[6]
Vor diesem Hintergrund erscheint es notwendig, die bestehenden Programme zu Tabletklassen, digitalen Endgeräten und digitalen Unterrichtsformen kritisch zu hinterfragen und umfassend wissenschaftlich zu evaluieren. Eine verantwortungsvolle Bildungspolitik muss sicherstellen, dass technologische Innovation nicht zum Selbstzweck wird, sondern tatsächlich dem Lernerfolg der Kinder dient.
Die unterfertigten Abgeordneten stellen daher nachstehenden
Entschließungsantrag
Der Nationalrat wolle beschließen:
„Die Bundesregierung, insbesondere der Bundesminister für Bildung, wird aufgefordert,
In formeller Hinsicht wird ersucht, diesen Antrag dem Bildungsausschuss zuzuweisen.
[1] https://www.bmb.gv.at/Themen/schule/zrp/dibi/8punkte.html (aufgerufen am 08.06.2026)
[2] https://www.bmb.gv.at/Themen/schule/zrp/dibi.html (aufgerufen am 08.06.2026)
[3] https://www.iqs.gv.at/themen/pisa/pisa-2022 (aufgerufen am 08.06.2026)
[4] https://www.oecd.org/en/publications/students-computers-and-learning_9789264239555-en.html (aufgerufen am 08.06.2026)
[5] https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC11943480/ (aufgerufen am 08.06.2026)
[6] https://www.oecd.org/en/topics/learning-time-and-disciplinary-climate.html (aufgerufen am 08.06.2026)