436 der Beilagen zu den Stenographischen Protokollen des Nationalrates XXVIII. GP
Bericht
des Ausschusses für Verkehr und Mobilität
über den Antrag 671/A(E) der Abgeordneten Dr. Elisabeth Götze, Kolleginnen und Kollegen betreffend weniger Verkehrsopfer durch Verankerung des "Holländischen Griffs" als Pflichtbestandteil in der Führerscheinausbildung
Die Abgeordneten Dr. Elisabeth Götze, Kolleginnen und Kollegen haben den gegenständlichen Entschließungsantrag am 21. Jänner 2026 im Nationalrat eingebracht und wie folgt begründet:
„Eine häufige Ursache schwerer Radunfälle ist das sogenannte ,Dooring‘ – der Aufprall der Radfahrenden auf unachtsam geöffnete Kfz-Türen beim Vorbeifahren an haltenden oder parkenden Fahrzeugen. Laut offizieller Unfallstatistik[1] handelte es sich zuletzt um jährlich über 200 aufgrund derartiger Unfälle nicht selten schwer Verletzte.
Aufgrund vertiefter Untersuchungen[2] spricht das KfV (Kuratorium für Verkehrssicherheit) darüber hinaus von einer erheblichen Dunkelziffer und schätzt die Zahl der durch Dooring-Unfälle Verletzten etwa viermal so hoch, also insgesamt rund 800 Personen je Jahr in Österreich.
Leider sind auch Todesfälle durch Dooring zu beklagen, in Österreich im Schnitt jedes zweite Jahr. Im Herbst 2025 hat ein leider tödlich geendeter Unfall in Hamburg, bei dem eine bekannte deutsche Filmschauspielerin nach der Kollision mit einer plötzlich geöffneten Beifahrertür starb, die öffentliche Diskussion über wirksame Gegenmaßnahmen wieder angefacht.
Ein Schlüssel für weniger Unfälle durch Dooring ist eine systematisch bessere Radinfrastruktur. Das belegen beispielsweise die Niederlande, wo die Radinfrastruktur grundsätzlich möglichst nicht an Parkspuren und parkenden Fahrzeugen entlanggeführt wird; deutlich mehr Platz zum sicheren Radfahren führt zu einer gänzlich anderen Unfallbilanz. Beim Ausbau sicherer Radinfrastruktur gab es durch die zwischenzeitliche Versiebenundzwanzigfachung der entsprechenden Bundesmittel unter der letzten Bundesregierung große Fortschritte. Ein österreichweiter Investitionsrückstau von rund 7 Mrd Euro[3] kann allerdings nicht in wenigen Jahren behoben werden.
Umso wichtiger ist es, andere rasch wirksame und kostengünstige Maßnahmen zu fördern. So kann jede:r Pkw-Lenker:in selbst Dooring-Unfälle verhindern. Der sogenannte ,Holländische Griff' (Dutch-Reach, Holländer-Griff) ist eine solche Maßnahme, denn er ist sowohl simpel als auch hoch effektiv. Dabei öffnen Pkw-Lenker:innen vor dem Aussteigen den Öffnungshebel der Fahrertür nicht mit der linken, sondern mit der rechten Hand. Dadurch dreht er oder sie sich automatisch nach links hinten und hat so herannahende Radfahrer:innen weit besser im Blick. Spiegelbildlich gilt dies ebenso für Beifahrer:innen.
Leider ist das entsprechende Bewusstsein in Österreich immer noch unzureichend: Verkehrsteilnehmer:innen mit wenig bis keiner eigenen Erfahrung im Unterwegssein mit dem Fahrrad kennen die Gefahrensituation meist nicht, und es ist auch nicht gesichert, dass diese effektive Unfallvermeidungs-Technik bei der Führerscheinausbildung unterrichtet wird, weil sie nicht verpflichtender Ausbildungs-Inhalt ist. Die Fahrschulen haben zwar in mehreren Zusammenhängen[4] die allgemeine Vorgabe, die Führerscheinwerber:innen auch zum Thema Blicktechnik auszubilden, halten jedoch selbst fest, dass dies in der Fülle der Inhalte der theoretischen Lektionen und der Fahrstunden ,keinen großen Platz einnimmt‘ und ,keinen großen Stellenwert‘ hat[5].
Die explizite Erwähnung dieses einfachen aber sehr wichtigen Beitrags zu weniger Radunfällen und Unfallopfern in den entsprechenden Rechtsgrundlagen wäre ein sehr wichtiger Beitrag auf dem Weg zu einer weniger blutigen Unfallbilanz in Österreich.“
Der Ausschuss für Verkehr und Mobilität hat den gegenständlichen Entschließungsantrag in seiner Sitzung am 19. März 2026 in Verhandlung genommen. An der Debatte beteiligten sich außer der Berichterstatterin Abgeordneten Dr. Elisabeth Götze die Abgeordneten Lukas Brandweiner, Christian Hafenecker, MA und Barbara Neßler sowie der Bundesminister für Innovation, Mobilität und Infrastruktur Peter Hanke.
Bei der Abstimmung fand der gegenständliche Entschließungsantrag der Abgeordneten Dr. Elisabeth Götze, Kolleginnen und Kollegen nicht die Zustimmung der Ausschussmehrheit (für den Antrag: G, dagegen: F, V, S, N).
Zum Berichterstatter für den Nationalrat wurde Abgeordneter Lukas Brandweiner gewählt.
Als Ergebnis seiner Beratungen stellt der Ausschuss für Verkehr und Mobilität somit den Antrag, der Nationalrat wolle diesen Bericht zur Kenntnis nehmen.
Wien, 2026 03 19
Lukas Brandweiner Wolfgang Moitzi
Berichterstattung Obmann
[1] https://www.statistik.at/statistiken/tourismus-und-verkehr/unfaelle/strassenverkehrsunfaelle
[2] https://radkompetenz.at/wp-content/uploads/2021/04/KFVpublikation-20-RadDoUn_vWEB.pdf, https://www.derstandard.at/story/3100000291453/dutch-reach-ein-griff-der-leben-retten-kann
[3] https: //www.klimaaktivmobil.at/fileadmin/Bibliothek/Downloads/Mobilitaet/Studien und Zahlen/2022 Studie lnvestitionsbedarf Radverkehr.pdf
[4] etwa FSG-DV, FSG-VBV, KFG-DV
[5] https://www.derstandard.at/story/3100000291453/dutch-reach-ein-griff-der-leben-retten-kann