3659/J XXVIII. GP

Eingelangt am 15.10.2025
Dieser Text ist elektronisch textinterpretiert. Abweichungen vom Original sind möglich.

Anfrage

der Abgeordneten Andreas Kühberger,

Kolleginnen und Kollegen

an die Bundesministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz

betreffend Gefahren durch Kinderspielzeug im Internet.

In den vergangenen 20 Jahren hat der Anteil der Online-Käuferinnen und Online-Käufer an der österreichischen Bevölkerung von unter 10 auf über 60 Prozent zugenommen, wie aus den Daten des Bundesamtes für Verbrauchergesundheit (BAVG) hervorgeht (BAVG, 2024).

Der Umsatz im Distanzhandel stieg im Jahr 2024 um fünf Prozent auf ca. 11 Milliarden Euro. Dieser Betrag teilt sich auf über 12.000 in Österreich aktive Webshops auf (Handelsverband, 2024).

Den höchsten prozentuellen Online-Anteil an den gesamten einzelhandelsrelevanten Konsumausgaben weist im Branchenvergleich der Spielwarenhandel (35 %) auf, gefolgt von den Bereichen Sportartikeln (34 %), Bekleidung (30 %) und Elektrogeräten (29 %) (Handelsverband, 2024).

Doch gerade der Onlinekauf birgt – neben Fragen des Datenschutzes – erhebliche Gefahren in Bezug auf die Sicherheit, etwa durch gefälschte oder minderwertige Produkte oder durch fehlende Kennzeichnung und Produktinformationen (BAVG, 2024).

Das zeigt auch eine EU-weite Kontrollaktion, bei der Spielzeugimporte aus Drittstaaten überprüft wurden. Die Untersuchung von 89 Aktivitäts-Kinderspielzeugen hat ergeben, dass 83 % der Produkte nicht den EU-Sicherheitsstandards entsprachen – ein Großteil davon wurde online gekauft (BAVG, 2025).

Die größten Mängel betrafen die Stabilität der Produkte sowie Verletzungsrisiken wie das Einklemmen von Kopf, Hals oder Fingern. Zudem wurden Risiken durch verschluckbare Kleinteile und scharfe Kanten festgestellt. Nur 29 (32,5 %) der überprüften Produkte erfüllten die EU-Anforderungen an Warnhinweise, Kennzeichnungen und Anleitungen (BAVG, 2025).

Die überwältigende Mehrheit der fehlerhaften Produkte (62 von 89 Proben) wurde online erworben, von denen lediglich 5 (8 %) die Tests bestanden. Im Gegensatz dazu bestanden 37 % der in physischen Geschäften gekauften Produkte die Sicherheitsprüfungen (BAVG). Stichprobenartige Untersuchungen, die beispielsweise von der Arbeiterkammer durchgeführt wurden, zeichnen ein ähnliches Bild. Besonders Billiganbieter aus Drittstaaten schneiden bei diversen Tests regelmäßig schlecht ab.

Bei Online-Webshops (EU/EWR/Drittländer) führt das Bundesamt für Verbrauchergesundheit (BAVG) Kontrollen unter anderem aufgrund von Beschwerden oder Schnellwarnmeldungen aus anderen EU-Mitgliedsstaaten durch. Derzeit werden beanstandete Produkte und Seiten auf Basis der BAVG-Maßnahmensetzung von den großen Plattformen (Amazon, TEMU, Shein, Alibaba, etc.) sowie auf Social Media (Facebook, lnstagram) entfernt.

Zusätzlich werden Produktwarnungen und Rückrufe auf der Website der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) unter dem Link Produktwarnungen & Produktrückrufe -AGES veröffentlicht.

Aufgrund der großen Anzahl an Produkten und Anbietern sowie der großen Fluktuation bei den angebotenen Waren können derzeit jedoch keine flächendeckenden Kontrollen gewährleistet werden.

In diesem Zusammenhang stellen die unterfertigenden Abgeordneten nachstehende

Anfrage

1.    Wie hoch ist derzeit der Anteil an Online-Käufen von Kinderspielzeug in Österreich?

a.    Wie hoch ist dabei der Anteil an Käufen von Spielzeug, das innerhalb der EU hergestellt wurde?

b.    Wie hoch ist der Anteil an Käufen von Spielzeug, das in Drittstaaten hergestellt wurde?

2.    In welchem Umfang erfolgen derzeit Kontrollen von Kinderspielzeug im Online-Handel?

a.    Wie groß ist der Anteil an online angebotenem Kinderspielzeug, das durch staatliche Kontrollsysteme erfasst wird?

b.    Wie groß ist dieser Anteil im stationären Handel?

3.    Werden statistische Erhebungen zu Unfällen durchgeführt, die auf mangelhaftes Kinderspielzeug zurückzuführen sind?

a.    Wenn ja, wie viele Unfälle lassen sich in den letzten fünf Jahren durchschnittlich pro Jahr darauf zurückführen?

b.    Welche Altersgruppen sind davon am häufigsten betroffen?

c.    Auf welche Arten von Mängeln sind die drei häufigsten Unfallursachen zurückzuführen?

4.    Werden Erhebungen zu den häufigsten Mängeln bei Spielzeug durchgeführt?

a.    Wenn ja, welche Mängel treten am häufigsten auf?

b.    Gibt es bei der Häufigkeit der Mängel Unterschiede zwischen in der EU produziertem Spielzeug und Importware aus Drittstaaten?

5.    Sind seitens Ihres Ressorts Maßnahmen in Arbeit bzw. geplant, um den Anteil an Kontrollen bei Online-Kinderspielzeug zu erhöhen?

a.    Wenn ja, welche?

6.    Wie werden Verstöße gegen EU-Sicherheitsstandards derzeit sanktioniert?

a.    Sind die bestehenden Sanktionen Ihrer Meinung nach ausreichend?

b.    Wenn nein, welche Verschärfungen sind geplant?

c.    Gibt es Strafen für Händler, die wiederholt gefährliches Spielzeug auf den Markt bringen?

d.    Wenn ja, in welcher Höhe bewegen sich diese Strafen?

7.    Sind Ihnen Bestrebungen seitens der Europäischen Union bekannt, um die Sicherheit von Kinderspielzeug künftig besser zu gewährleisten?

a.    Wenn ja, welche konkreten Maßnahmen sind in Planung?

b.    Inwieweit ist Österreich in diese Initiativen eingebunden?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Quellen:

BAVG und Zoll unterstützen EU-Spielzeug-Kontrollaktion: Zahlreiche Produkte erfüllen nicht die Sicherheitsstandards - BAVG

https://www.wko.at/ce-kennzeichnung/ce-kennzeichnung-spielzeug

Internet-Einkauf in Österreich - BAVG

eCommerce Studie Österreich 2024

Produktwarnungen & Produktrückrufe - AGES