3765/J XXVIII. GP
Eingelangt am 21.10.2025
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ANFRAGE
des Abgeordneten Christofer Ranzmaier
an den Bundesminister für Innovation, Mobilität und Infrastruktur
betreffend Einstellung der ÖBB-Railjet-Verbindung Wien-Bozen
Mit Fahrplanwechsel am 10. Dezember 2025 wird die ÖBB-Fernverkehrsverbindung Wien-Bozen eingestellt. Diese Entscheidung wurde laut offiziellen Aussagen der ÖBB im Einvernehmen mit den italienischen Partnerbahnen getroffen. Als Begründung werden anhaltende Verspätungen, infrastrukturelle Probleme südlich des Brenners sowie die mangelnde Fahrplanstabilität genannt.[1]
Die Verbindung über Innsbruck war für zahlreiche Reisende wie Touristen, Studenten Pendler oder in Österreich lebende Südtiroler zwischen Österreich und Südtirol von besonderer Bedeutung. Gerade vor dem Hintergrund der geographischen, historischen und kulturellen Nähe zwischen Tirol und Südtirol stellt sich die Frage, ob ausreichend Anstrengungen unternommen wurden, um die Verbindung langfristig aufrechtzuerhalten oder durch alternative Fahrpläne zu verbessern.
Darüber hinaus wirft die Einstellung der Verbindung Fragen zur finanziellen Beteiligung der Zieldestination auf. Immer wieder ist zu hören, dass Südtirol für die Verbindung finanziell mitverantwortlich gewesen sei – ohne dass die konkreten Rahmen-bedingungen oder etwaige Beteiligungen anderer Regionen an vergleichbaren grenz-überschreitenden Bahnverbindungen transparent dargestellt werden.
Zusätzlich ist zu
berücksichtigen, dass die Direktverbindung Wien-Bozen für eine
große Zahl an Studenten von besonderer Bedeutung war. Nach aktuellen
Daten sind mehrere tausend Südtiroler Studenten an österreichischen
Universitäten einge-schrieben, von denen ein erheblicher Teil in Wien
studiert (Stand 2023/24 rund 1.900 Personen).[2]
Für diese Gruppe stellte eine direkte und verlässliche Zugverbindung
einen wichtigen Faktor dar, sowohl für regelmäßige Heimreisen
als auch für die Aufrechterhaltung enger kultureller und familiärer
Bindungen zwischen Südtirol und Österreich. Die Einstellung der
Verbindung könnte daher auch bildungspolitische und gesellschaftliche
Auswirkungen haben.
In diesem Zusammenhang richtet der unterfertigte Abgeordnete an den Bundes-minister für Innovation, Mobilität und Infrastruktur nachstehende
Anfrage
1. Warum wird die Railjet-Direktverbindung zwischen Wien und Bozen mit Fahrplanwechsel im Dezember 2025 eingestellt?
2. Welche konkreten Gründe (z.B. Verspätungen, Auslastung, infrastrukturelle Einschränkungen) führten zu dieser Entscheidung?
3. Wurden seitens des Ministeriums oder der ÖBB Maßnahmen geprüft oder umgesetzt, um den Betrieb der Verbindung zu stabilisieren oder aufrecht-zuerhalten?
a. Wenn ja, welche?
4. Welche Gespräche oder Abstimmungen gab es seitens des Ministeriums oder der ÖBB mit der Autonomen Provinz Bozen bzw. italienischen Behörden im Vorfeld dieser Entscheidung?
5. In welchem Ausmaß war Südtirol an der Finanzierung der Verbindung beteiligt? (Bitte um genaue Zahlen)
6. Ist es bei internationalen ÖBB-Verbindungen üblich, dass sich die Ziel-destinationen an den Betriebskosten beteiligen?
a. Wenn ja, nach welchen Kriterien?
7. Welche finanziellen Beiträge leisteten andere Zielregionen oder Länder (z.B. Deutschland, Italien, Schweiz, Slowakei, Ungarn) für die nachstehenden Verbindungen?
a. Railjet Wien/Österreich – München/Deutschland
b. Railjet Wien/Österreich – Zürich/Schweiz
c. Railjet Wien/Österreich – Verona/Italien
d. Railjet Wien/Österreich – Bratislava/Slowakei
e. Railjet Wien/Österreich – Budapest/Ungarn
8. Welche vertraglichen Rahmenbedingungen galten für die Verbindung Wien-Bozen (Vertragspartner, Laufzeit, inhaltliche Verpflichtungen)?
9. Handelte es sich bei den vertraglichen Vereinbarungen mit Südtirol um eine Sonderregelung oder bestehen vergleichbare Vertragsmodelle auch mit anderen Zielregionen grenzüberschreitender Bahnverbindungen?
10. Gab es seit 2023 interne Bewertungen, Planungsüberlegungen oder Varianten-prüfungen zum Erhalt der Verbindung Wien-Bozen?
a. Wenn ja, mit welchen Ergebnissen?
11. Besteht die Möglichkeit, dass die Verbindung in überarbeiteter Form (z.B. mit Fahrplanänderungen oder geänderter Linienführung) wieder aufgenommen wird?
12. Wurde bei den Entscheidungsgrundlagen zur Einstellung der Verbindung auch die hohe Zahl an in Österreich studierenden und wohnenden Südtirolern berücksichtigt?
13. Gibt es seitens des Ministeriums oder der ÖBB Überlegungen, alternative Angebote speziell für diese Zielgruppe zu schaffen?
14. Verfügt das Ministerium bzw. die ÖBB über Daten zur Zahl österreichischer Studenten in Südtirol, insbesondere an der Freien Universität Bozen, die von der Einstellung der Direktverbindung Wien-Bozen betroffen wären?
15. Wurden seitens des Ministeriums oder der ÖBB spezifische Lösungen oder Unterstützungsmaßnahmen für die betroffene Studenten geprüft oder entwickelt?