3924/J XXVIII. GP
Eingelangt am 19.11.2025
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ANFRAGE
des Abgeordneten Mag. Gerhard Kaniak
an die Bundesministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumenten-schutz
betreffend Versorgungsengpass bei Gratis-Impfungen ab 60
Der ORF berichtete auf seiner Online-Plattform über den Versorgungsengpass bei Gratis-Impfungen für über 60jährige. In einem Videobeitrag vom 27. Oktober 2025 wird auf den abgestürzten und ausreservierten Bestellwebshop[1] hingewiesen:
„Die Impfungen gegen Gürtelrose und Pneumokokken gelten als wichtige Vorsorgemaßnahmen. Um möglichst viele Menschen über 60 zu erreichen, ist die Impfung für diese ab November gratis. Die Aktion löste einen so großen Bedarf an Impfdosen aus, dass Ärzte beklagen, nicht genug davon zu bekommen.“[2]
Für die Betroffenen ist dieser Umstand mit sehr viel Frust verbunden. Statt auf bestehende, eingespielte Lieferketten über Großhandel und Apotheken zu vertrauen, baut das Ministerium eigene Verteilstrukturen auf. Das kostet Zeit, Geld und Nerven und führt dazu, dass viele Ordinationen derzeit keine Impfstoffe mehr vorrätig haben.
In diesem Zusammenhang richtet der unterfertigte Abgeordnete an die Bundes-ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz nachstehende
Anfrage
1. Wann wurde die Ausschreibung bzw. Beauftragung für die Impfstoffbeschaffung und -verteilung im Rahmen des Gratis-Impfprogramms für über 60-Jährige gestartet?
2. Welche Institution oder Firma wurde mit der operativen Abwicklung der Bestellungen und der Logistik beauftragt?
3. Welche Impfstoffe werden über dieses Impfprogramm angeboten?
a. Wie viele Dosen der jeweiligen Impfstoffe, einschließlich jene gegen Herpes Zoster und Pneumokokken, wurden für die Gratisaktion insgesamt beschafft?
b. Wie viele davon wurden zum Stichtag 27. Oktober 2025 bereits ausgeliefert bzw. tatsächlich verimpft?
4. Welche Kosten sind bisher für Beschaffung, Lagerung und Verteilung der Impfstoffe angefallen?
5. Welche Impfstoffe waren Ende Oktober 2025 von Engpässen betroffen bzw. konnten nicht mehr bestellt werden?
a. Welche Maßnahmen wurden dagegen ergriffen?
i. Mit welchem Ergebnis?
6. Wie hoch waren die Ausgaben für Öffentlichkeitsarbeit und mediale Bewerbung der Aktion (z. B. Pressekonferenz, Werbemaßnahmen, Informationsmaterialien etc.)?
7. Warum wurde nicht auf die bestehenden, bewährten Distributionswege über den pharmazeutischen Großhandel und Apotheken zurückgegriffen?
a. Welche konkreten Vorteile sieht das Ministerium in der eigenständigen Beschaffung und Distribution gegenüber diesen bestehenden Strukturen?
b. Welche Kosten sind mit dieser eigenständigen Beschaffung und Distribution verbunden?
c. Welche Kostenvorteile bestehen im Gegensatz zu den bestehenden, bewährten Distributionswegen über den pharmazeutischen Großhandel und Apotheken?
8. Welche technischen Probleme führten zum Absturz bzw. zur Überlastung des ÖGK-Bestellportals?
9. Wann und wie lange war das Bestellportal vom Absturz betroffen?
10. Wie viele Ärzte konnten über das Portal tatsächlich Impfstoffe bestellen, bevor es zu den Ausfällen kam?
11. Wie viele und welche Impfstoffe konnten bis zum Auftreten von Systemproblemen bestellt werden?
12. Wie viele Bestellungen mussten aufgrund von Systemproblemen oder ausreservierten Kontingenten abgewiesen oder storniert werden?
13. Welche Maßnahmen wurden seitens des Ministeriums gesetzt, um die Funktionalität des Bestellsystems wiederherzustellen und die Versorgung sicherzustellen?
14. Wann ist mit einer vollständigen Wiederverfügbarkeit der betroffenen Impfstoffe (Herpes Zoster, Pneumokokken) in allen Bundesländern zu rechnen?
15. Welche Menge an Impfstoffen steht aktuell (Stand Ende Oktober 2025) noch im zentralen Lager bzw. bei den Lieferpartnern zur Verfügung?
16. Welche Vorkehrungen werden getroffen, um ähnliche Engpässe bei künftigen Impfaktionen zu vermeiden?
17. Plant das Ministerium, die bestehenden Logistikstrukturen zu evaluieren und gegebenenfalls an externe, erfahrene Partner (Großhandel, Apotheken) auszulagern?
18. Wird das Ministerium eine Prüfung der bisherigen Abläufe in Auftrag geben?
a. Wenn nein, warum nicht?
19. In welcher Weise wurden die Ärztekammer, die Apothekerkammer und der pharmazeutische Großhandel in die Planung und Umsetzung der Aktion eingebunden?
20. Welche Kommunikationsmaßnahmen wurden gesetzt, um die Ärzte rechtzeitig über Ablauf, Kontingente und Bestellverfahren zu informieren?
21. Wie wird gewährleistet, dass betroffene Patienten zeitnah mit der stornierten Impfung nachversorgt werden?