4059/J XXVIII. GP

Eingelangt am 27.11.2025
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ANFRAGE

 

des Abgeordneten Peter Wurm

an die Bundesministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumenten-schutz

betreffend Versorgungslage in Wiener Sozialmärkten – Maßnahmen zur Sicherstellung der Grundversorgung für armutsgefährdete Bevölkerungsteile

 

 

Medienberichten zufolge stehen die Wiener Sozialmärkte seit Jahren unter Druck – der Mangel an Lebensmitteln hat sich zuletzt aber drastisch verschärft. [1] Insbesondere bei Grundnahrungsmitteln wie Butter, Nudeln und Reis berichten Betreiber über akute Engpässe. Besonders betroffen sind die fünf Standorte des Samariterbundes in Wien, in denen vermehrt leere Regale stehen. Auch Hygieneprodukte sind teilweise nicht mehr ausreichend verfügbar.

 

Ursache ist unter anderem die vollständige Abhängigkeit der Sozialmärkte von Lebensmittelspenden aus dem Einzelhandel. Durch optimierte Warenflüsse, verstärkte Eigenverwertung durch Plattformen wie „Too Good To Go“ sowie unternehmenseigene Lebensmittelrettungsinitiativen bleibt zunehmend weniger überschüssige Ware für Sozialmärkte übrig.

 

Kunden, die in einem Markt keine Waren mehr vorfinden, werden an andere Standorte verwiesen. Auch der Sozialmarkt Wien, der ebenfalls ausschließlich auf Firmen-spenden angewiesen ist, ist betroffen. Um Versorgungslücken zu schließen, kauft dieser mittlerweile zusätzlich bei Großhändlern ein, gibt die Waren aber ohne Aufschlag weiter.

 

Trotz der sozialen Preisgestaltung – rund ein Drittel bis die Hälfte des regulären Supermarktpreises – sind auch in den Sozialmärkten die Preise infolge der allgemeinen Teuerung gestiegen. Zusätzlich gelten Einkaufslimits, die je nach Betreiber und Haushaltsgröße unterschiedlich ausfallen – für Einpersonenhaushalte liegen diese etwa zwischen 35 und 70 Euro pro Woche.

 

Gleichzeitig ist der Bedarf stark gestiegen: Die Zahl der registrierten Mitglieder in Wiener Sozialmärkten hat sich seit Beginn der Pandemie vervielfacht. Immer mehr Pensionisten, Alleinerziehende und auch berufstätige Armutsgefährdete sind auf die günstigen Waren angewiesen. Der Sozialmarkt Wien zählt inzwischen rund 100.000 Mitglieder – vor Corona waren es etwa halb so viele.

 

Auch die „Foodpoints“ des Vereins „Start Up“ berichten von einem massiven Anstieg (von 14.000 auf 100.000 Mitglieder), konnten durch ein breites Spender-Netzwerk Engpässe bisher aber vermeiden.

 

 

In diesem Zusammenhang richtet der unterfertigte Abgeordnete an die Bundes-ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz nachstehende

 

Anfrage

 

  1. Wie beurteilt das Ministerium die aktuelle Versorgungslage in Wiener Sozialmärkten und anderen vergleichbaren Einrichtungen österreichweit?
  2. Welche Maßnahmen sind geplant, um die Grundversorgung für armuts-gefährdete Gruppen (insbesondere Alleinerziehende, Mindestpensionisten) in Zusammenarbeit mit den Sozialmärkten sicherzustellen?
  3. Ist eine staatliche Unterstützung für Sozialmärkte vorgesehen – etwa in Form von direkter Warenbereitstellung, finanzieller Förderung oder steuerlicher Entlastung?
  4. Welche Möglichkeiten sehen Sie, um Supermärkte und den Lebensmittel-einzelhandel gezielter zur Weitergabe überschüssiger, noch genusstauglicher Lebensmittel an soziale Einrichtungen zu motivieren?
  5. Gibt es Bestrebungen, gesetzliche Regelungen oder Anreize zur strukturierten Lebensmittelweitergabe analog zu Modellen in anderen EU-Ländern (z. B. Frankreich, Italien) zu schaffen?
  6. Wie unterstützen Sie bestehende Initiativen zur Lebensmittelrettung und deren Zusammenarbeit mit Sozialmärkten?
  7. Welche mittel- bis langfristigen Strategien verfolgen Sie, um die wachsende Abhängigkeit einkommensschwacher Haushalte von Sozialmärkten zu reduzieren und soziale Teilhabe wieder zu stärken?
  8. Planen Sie ein Monitoring- oder Frühwarnsystem, um Versorgungsengpässe in der sozialen Infrastruktur frühzeitig zu erkennen?


[1]    https://www.derstandard.at/story/3100000292073/weniger-spenden-steigende-nachfrage-in-sozialmaerkten-werden-lebensmittel-knapp (aufgerufen am 06.11.2025)