4117/J XXVIII. GP

Eingelangt am 04.12.2025
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ANFRAGE

 

der Abgeordneten Nicole Sunitsch

an den Bundesminister für Bildung

betreffend Pädagogische Einordnung und Qualitätskontrolle gendersensibler Materialien im Frühbereich

 

 

Der Anlassfall aus Graz zeigt, wie rasch kommunale Publikationen zu geschlechtersensiblen Kinderbüchern in den Alltag von Krippen, Kindergärten und Volksschulen gelangen. Die Stadt hat die Broschüre vorgestellt und betont, dass die darin angeführten Titel als Themenpakete für Einrichtungen verfügbar sind.[1], [2]

 

Damit stellt sich bundesweit die Frage, nach welchen Maßstäben solche Materialien im Früh- und Primarbereich eingesetzt werden dürfen und wie Qualität- und Kindgerechtigkeit abgesichert werden. Der bundesländerübergreifende Bildungs-rahmenplan beschreibt die Ziele und die Qualität in elementaren Bildungs-einrichtungen und bildet eine Grundlage für Ausbildung, Fortbildung und pädagogische Praxis.[3] Zudem bestehen mit den Vereinbarungen gemäß Art. 15a B-VG gemeinsame Finanzierungs- und Berichtsschienen zwischen Bund und Ländern, die Qualitätsentwicklung in der Elementarpädagogik absichern sollen.[4]

 

Vor diesem Hintergrund braucht es klare Antworten, wie Materialien zu Geschlecht und Rollenbildern geprüft, bewertet und im Unterricht oder in der Betreuung eingesetzt werden. Kinder im frühen Alter benötigen Orientierung, Geborgenheit und altersgerechte Inhalte. Der Bund trägt hier Verantwortung durch seine Steuerungs-funktion im Bildungsbereich und durch seine Mitwirkung an bundesweiten Qualitätsvorgaben.

 

 


 

In diesem Zusammenhang richtet die unterfertigte Abgeordnete an den Bundes-minister für Bildung nachstehende

 

Anfrage

 

1.    Welche Qualitätssicherungsmechanismen bestehen, um externe Materialien wie kommunale Broschüren oder Themenpakete vor ihrer Verwendung in elementaren Einrichtungen und in der Volksschule auf altersgerechte pädagogische Eignung und Kindeswohlverträglichkeit zu prüfen?

2.    Welche Organisationseinheiten sind zuständig für die Prüfung, Freigabe oder Empfehlung von Unterrichts- oder Begleitmaterialien zu Geschlecht, Gleichstellung oder Rollenbildern im Früh- und Primarbereich?

a.    Welche Leitfäden oder Verfahren kommen dabei zur Anwendung?

b.    Falls solche Prüfungen bereits erfolgen, nach welchen Kriterien werden diese vorgenommen und ab wann gelten sie verbindlich?

3.    Liegen Informationen vor, dass die Grazer Broschüre oder die dazugehörigen Themenpakete in elementaren Einrichtungen oder in Volksschulen verwendet werden?

a.    Wenn ja, welche Unterlagen, Rückmeldungen oder Bewertungen liegen dazu vor?

4.    Welche wissenschaftlichen Studien oder fachlichen Einschätzungen liegen seit 2018 zu entwicklungspsychologischen Auswirkungen der Behandlung von Geschlechterrollen im Vorschulalter vor?

a.    Wie wurden diese Ergebnisse in Steuerungsdokumente oder Empfehlungen übernommen?

b.    Falls keine vorliegen, sind eigene Beauftragungen oder Reviews geplant und bis wann sollen diese Ergebnisse vorliegen?

5.    Wie wird im Bildungsrahmenplan die Werte- und Identitätsbildung im Vorschulalter beschrieben?

a.    Welche Schlussfolgerungen ergeben sich daraus für den Einsatz von Materialien zu Geschlecht und Rollenbildern? (Bitte um Anfürhung konkreter Passagen)

b.    Werden angesichts der aktuellen Debatte Anpassungen oder Klarstellungen im Bildungsrahmenplan geprüft?

6.    Welche Vorgaben gelten für Pädagogische Hochschulen, wenn Lehrveranstaltungen Inhalte zu Geschlecht und Rollenbildern für die Primarstufe oder die Elementarpädagogik behandeln?

a.    Welche Module oder Lehrziele betreffen diese Themen in der Ausbildung und in der Fortbildung?

7.    Welche Aufsichtsmöglichkeiten bestehen, wenn Länder oder Gemeinden Materialien in elementaren Einrichtungen verwenden, die möglicherweise nicht altersgerecht sind?

8.    Wie werden Rückmeldungen von Eltern oder Pädagogen zu externen Materialien mit Gender Bezug zentral gesammelt, ausgewertet und in die Qualitätsentwicklung eingebunden?

a.    Gibt es dafür ein zentrales Meldesystem oder eine zuständige Stelle, und wie ist der Ablauf geregelt?

9.    Welche Maßnahmen sind vorgesehen, um sicherzustellen, dass externe Materialien im Früh- und Primarbereich nur dann verbreitet werden, wenn sie wissenschaftlich fundiert, altersgerecht und wertneutral sind, damit das Kindeswohl gewahrt bleibt?

a.    Welche Vorgaben und Prüfschritte gelten dafür und ab wann sollen sie umgesetzt werden?

b.    Wie wird die Einhaltung kontrolliert und wie wird bei Verstößen vorgegangen?



[1]    https://www.graz.at/cms/beitrag/10452500/7753526/Geschlechtersensible_Kinderbuecher.html (aufgerufen am 04.11.2025)

[2]    https://stadtbibliothek.graz.at/Angebote/Themenpakete (aufgerufen am 04.11.2025)

[3]    https://www.bmb.gv.at/dam/jcr:c5ac2d1b-9f83-4275-a96b-40a93246223b/200710_Elementarp%C3%A4dagogik_Publikation_A4_WEB.pdf (aufgerufen am 04.11.2025)

[4]    https://www.ris.bka.gv.at/Dokumente/BgblAuth/BGBLA_2022_I_148/BGBLA_2022_I_148.html (aufgerufen am 04.11.2025)