4140/J XXVIII. GP

Eingelangt am 09.12.2025
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ANFRAGE

 

der Abgeordneten Ricarda Berger

an den Bundesminister für Bildung

betreffend Gender-Themen in steirischen Schulbüchern und deren Auswirkungen auf Volksschulkinder

 

 

In einer steirischen Volksschule wird derzeit ein Schulbuch verwendet, in dem unter anderem folgende Passage enthalten ist:

 

„Leo hat einen schönen neuen Namen: Jennifer. ‚Ich bin kein Bub‘, sagt Leo.“[1]

 

Wie mehrere Eltern gegenüber der „Krone“ schilderten, empfinden sie diese Inhalte als irritierend und ungeeignet für achtjährige Kinder, die diese komplexen Themen weder einordnen noch in ihrem Entwicklungsstand verarbeiten können. Die Eltern betonen, selbst nicht konservativ zu sein, sind jedoch der Meinung, dass Volksschulkinder nicht mit Fragen der Geschlechtsumwandlung konfrontiert werden sollten.1

 

Gleichzeitig wird in Graz eine sogenannte „geschlechtersensible Kinderbuch“-Broschüre des städtischen Frauenreferats[2] verteilt, in der u. a. Buben in rosa Kleidern und Ähnlichem dargestellt werden. Auch hier äußern Eltern Sorgen darüber, dass Kinder mit Inhalten konfrontiert werden, die nicht dem familiären Umfeld entsprechen und ohne ausreichende Information der Eltern in den Bildungseinrichtungen aufscheinen.

 

Der leitende steirische Schulpsychologe Josef Zollneritsch weist zwar darauf hin, dass man das Thema ruhig behandeln könne, bezeichnet es jedoch gleichzeitig als Randthema, das im schulpsychologischen Alltag nur in Einzelfällen relevant sei.1

 

Gerade diese Einordnung lässt Zweifel aufkommen, warum solche Themen dennoch prominent in Schulbüchern oder städtischen Empfehlungen für Volksschulen platziert werden.

 

 

In diesem Zusammenhang richtet die unterfertigte Abgeordnete an den Bundes-minister für Bildung nachstehende

 

Anfrage

 

1.    Wie viele Schulbücher der Primarstufe enthalten derzeit Passagen zu Geschlechtsidentität, Namensänderungen oder ähnlichen Themen? (Bitte um Auflistung der einzelnen Werke)

2.    Welche Kriterien werden bei der Prüfung solcher Inhalte im Rahmen der Schulbuchkommission herangezogen?

3.    Wurden Elternvertreter oder Kinderpsychologen bei diesen Entscheidungen eingebunden?

a.    Wenn ja, welche?

4.    Welche pädagogische Notwendigkeit sieht das Ministerium darin, Volksschulkinder mit Themen rund um Geschlechtswechsel, Selbstdefinition oder Genderrollen zu konfrontieren?

a.    Wenn keine pädagogische Notwendigkeit besteht: Warum wurden diese Inhalte dennoch freigegeben?

5.    Wie viele Beschwerden bezüglich Gender-Themen in Schulbüchern sind dem Ministerium seit 2020 bekannt geworden?

6.    Wurden aufgrund solcher Beschwerden bereits Schulbücher überprüft oder zurückgezogen?

7.    Plant das Ministerium, Schulbuchrichtlinien dahingehend zu überarbeiten, dass sensible Themen altersadäquat und nur in klar begrenztem Umfang behandelt werden?

a.    Wenn ja, welche Maßnahmen sind geplant?

b.    Wenn nein, warum nicht?

8.    Welche Maßnahmen plant das Ministerium, um sicherzustellen, dass Eltern zeitgerecht umfassend informiert werden, wenn Schulen oder Gemeinden Empfehlungen oder Materialien zu Gender- oder Rollenbilder-Themen ausgeben?

9.    Wie beurteilen Sie die Tatsache, dass städtische Broschüren und Kinderbuchempfehlungen in Volksschulen verteilt oder verwendet werden, ohne dass es eine bundesweite pädagogische Bewertung dazu gibt?

10. Wird Ihr Ministerium eine Überprüfung der betroffenen Schulbücher veranlassen?

a.    Wenn ja, bis wann?

b.    Wenn nein, warum nicht?



[1]    https://www.krone.at/3948959 (aufgerufen am 06.11.2025)

[2]    https://www.graz.at/cms/beitrag/10452500/7753526/Geschlechtersensible_Kinderbuecher.html (aufgerufen am 06.11.2025)