4213/J XXVIII. GP

Eingelangt am 12.12.2025
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ANFRAGE

 

des Abgeordneten Dipl.-Ing. Gerhard Deimek

an den Bundesminister für Innovation, Mobilität und Infrastruktur

betreffend Fragwürdige Vergabepraxis im Veranstaltungsmanagement der ÖBB

 

 

Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) und ihre Tochtergesellschaften übernehmen eine Vielzahl von hoheitlich und infrastrukturell bedeutsamen Aufgaben im Bereich öffentlicher Mobilität, Infrastrukturmanagement und Transportdienst-leistungen. Ein zentraler Bestandteil der ÖBB-Unternehmensidentität ist die eigenständige Organisation von Projekten, Veranstaltungen und kundenbezogenen Dienstleistungen, insbesondere im Kontext großer Infrastrukturprojekte, die mit umfangreichen öffentlichen Investitionen verbunden sind.

 

Im Zusammenhang mit der für den 12. Dezember 2025 geplanten offiziellen Eröffnung des Koralmtunnels[1] – einem der bedeutendsten Infrastrukturprojekte der letzten Jahrzehnte – wurde bekannt, dass die ÖBB externe Eventmanagementfirmen, insbesondere die Flave GmbH, mit der Organisation wesentlicher Teile der Veranstaltung beauftragt haben.[2] Dazu zählen das Eventmanagement, die Ticket-organisation des Premierenzuges sowie die Kommunikations- und Ablaufkoordination.

 

Dabei verfügen die ÖBB über eine eigene Eventabteilung sowie umfangreiche Erfahrung in der Planung, Durchführung und Kommunikation großer Veranstaltungen. Die Auslagerung dieser Aufgaben an externe Firmen erscheint daher weder notwendig noch wirtschaftlich sinnvoll und steht im Widerspruch zum Grundsatz eines sparsamen und effizienten Mitteleinsatzes, der für ein öffentliches Unternehmen gelten sollte.

 

Im Vorfeld der Eröffnungsveranstaltung wurde zudem über erhebliche organisa-torische Probleme berichtet – insbesondere beim Ticketing und bei der internen Abstimmung. Chaotische Abläufe, unklare Informationsflüsse und mangelnde Koordination deuten darauf hin, dass die externe Beauftragung nicht zur Verbesserung der Abläufe, sondern vielmehr zu Reibungsverlusten und zusätzlichen Kosten geführt hat.

 

 

In diesem Zusammenhang richtet der unterfertigte Abgeordnete an den Bundes-minister für Innovation, Mobilität und Infrastruktur nachstehende

 

Anfrage

 

1.    Aus welchen Gründen wurde für die Organisation der Eröffnungsveranstaltung des Koralmtunnels am 12. Dezember 2025 die externe Eventmanagementfirma Flave GmbH beauftragt?

2.    Welche konkreten Aufgaben wurden an die Flave GmbH ausgelagert (z. B. Eventorganisation, Ticketing, Kommunikationskoordination, logistische Abläufe)? (Bitte um detaillierte Aufschlüsselung)

3.    Auf welcher Grundlage (Ausschreibung, Direktvergabe, Rahmenvertrag etc.) erfolgte die Beauftragung der Flave GmbH?

a.    Wie hoch sind die Gesamtkosten für diese Leistungen? (Bitte um Aufschlüsselung)

4.    Aus welchem Grund wurden für die Events anlässlich der Eröffnung des Koralmtunnels in der Steiermark und in Kärnten keine regionalen Eventmanagement-Unternehmen berücksichtigt?

5.    Welche vergleichbaren Veranstaltungen (z. B. Streckeneröffnungen, Premierenfahrten, Infrastrukturprojektbesichtigungen) wurden in den letzten fünf Jahren ebenfalls ganz oder teilweise an externe Eventmanagementfirmen ausgelagert? (Bitte um tabellarische Auflistung mit Zeitpunkt, Auftragnehmer, Art der Leistung und Kosten)

6.    Welche Überlegungen wurden im Vorfeld angestellt, interne ÖBB-Abteilungen oder Tochtergesellschaften (z. B. die ÖBB-Personenverkehr AG oder die ÖBB-Holding-Kommunikationsabteilung) mit der Organisation zu betrauen, und aus welchen Gründen wurde davon abgesehen?

7.    Welche Stelle innerhalb der ÖBB hat die Entscheidung zur Beauftragung der externen Firma getroffen und auf welcher Genehmigungsebene wurde diese Entscheidung bestätigt?

8.    Welche vertraglichen oder organisatorischen Maßnahmen wurden gesetzt, um sicherzustellen, dass die externe Organisation keine Mehrkosten gegenüber der Eigenrealisation oder Effizienzverluste verursacht?

9.    Wurde im Laufe der Organisation oder des Ticketing zum Koralmtunnel-Event eine interne Evaluierung aufgrund der aufgetretenen Probleme durchgeführt?

a.    Wenn ja, mit welchen Ergebnissen?

10. Welche Konsequenzen planen die ÖBB zukünftig aus den erkennbaren Organisationsdefiziten zu ziehen, insbesondere im Hinblick auf die interne Kompetenzsicherung im Bereich Eventorganisation und Ticketmanagement?

11. Wie wird sichergestellt, dass in Zukunft bei öffentlichkeitswirksamen Veranstaltungen mit großem Mobilitätsbezug (z. B. Streckeneröffnungen, Premierenfahrten, Bahnhofseinweihungen) die interne ÖBB-Kompetenz vorrangig genutzt und nicht durch externe Beauftragungen verdrängt wird?

12. Wie bewertet Ihr Ressort aus Verwaltungssicht die zunehmende Tendenz, originäre Aufgaben öffentlicher Unternehmen (z. B. Ticketing, Event-koordination, Öffentlichkeitsarbeit) auszulagern – insbesondere im Hinblick auf die Wirtschaftlichkeit dieser Auslagerungen?

13. Bestehen Überlegungen, Richtlinien oder ministerielle Vorgaben zu entwickeln, um sicherzustellen, dass zentrale Aufgaben öffentlicher Unternehmen im Wirkungsbereich Ihres Ressorts, wie den ÖBB, künftig stärker intern abgewickelt werden und externe Vergaben nachvollziehbar begründet werden müssen?



[1]    https://suedstrecke.oebb.at/de/eroeffnung-koralmbahn (aufgerufen am 11.12.2025)

[2]    https://www.facebook.com/flave.at/posts/-ein-projekt-das-verbindet-im-wahrsten-sinne-des-wortesam-12-dezember-2025-wird-/1131826492269450/ (aufgerufen am 11.12.2025)