4289/J XXVIII. GP

Eingelangt am 17.12.2025
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ANFRAGE

 

des Abgeordneten Christian Hafenecker, MA

an den Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft

betreffend Steht auch die Spanische Hofreitschule vor einem schwarzen Postenschacher?

 

 

In den vergangenen Monaten hat die Spanische Hofreitschule – eine Institution österreichischer Tradition, mit bedeutender internationaler Bedeutung – erneut für negative Schlagzeilen gesorgt, die weit über eine interne Auseinandersetzung hinausgehen und das Ansehen, die Transparenz und die ordnungsgemäße Führung dieser vom Bund getragenen Gesellschaft ernsthaft infrage stellen. Denn die Hofreitschule ist immerhin Gesellschaft öffentlichen Rechts und im Besitz des Bundes.

 

Konkret wurde durch das Ressort eine Sonderprüfung der Buchhaltung und Abrechnungen der Hofreitschule ausgelöst, nachdem „Whistleblower“ Hinweise auf angebliche Unregelmäßigkeiten bei Spesen- und Dienstreiseabrechnungen des Geschäftsführers, Alfred Hudler, gemeldet hatten. Laut dem Entwurf der internen Revision sollen unter anderem Hotelaufenthalte mit Begleitung von Ehefrau und Kind fälschlicherweise als Dienstreisen abgerechnet worden sein; Dienstreisen hätten vielfach auch das Wochenende betroffen, private Ausgaben wie Flugtickets seien über Geschäftskonten verrechnet worden. Insgesamt entstand demnach ein mutmaßlicher Schaden in Höhe von über 15.000 Euro.[1]

 

Auf Basis dieser Erkenntnisse erstattete das zuständige Ministerium Strafanzeige wegen Verdachts der Untreue gegen Alfred Hudler. Noch während der Ermittlungen behauptete Hudler, es liege keine interne Revision bzw. kein geprüfter Bericht vor – er bestreite daher jede Verfehlung und berufe sich auf die Unschuldsvermutung.[2]

 

Ungeachtet dieser Unschuldsvermutung entschied der Aufsichtsrat am 16. September 2025, Alfred Hudler mit sofortiger Wirkung abzuberufen und die Geschäftsführung interimistisch neu zu besetzen. Als Übergangslösung wurde die frühere Sektions-leiterin und ehemalige Bundesministerin Maria Patek bestellt.[3] Zugleich wurde angekündigt, die Stelle neu auszuschreiben.

 

Nach eigenen Angaben seien „im Zuge der Prüfung bereits bekannter Verdachts-momente weitere gravierende Verfehlungen“ zutage getreten. Gleichzeitig verweist der Aufsichtsrat auf eine laufende Überprüfung und unterlässt vorerst nähere Angaben zur Natur dieser Vorwürfe.

 

Angesichts dieser Entwicklungen ergeben sich entscheidende Fragen für das bisherige und auch künftige Management der Hofreitschule und das Vertrauen, das der Republik Österreich als Eigentümer gegenüber dieser traditionsreichen Institution entgegengebracht werden muss – besonders in Hinblick auf künftige Besetzungen im Aufsichtsrat und eine neue Geschäftsführung.

 

Vor dem Hintergrund, dass die Hofreitschule als „gesellschaftliches Kulturgut“ dient und zugleich erhebliche öffentliche Mittel in diese fließen, ist eine transparente, fachlich kompetente und vertrauenswürdige Führungsstruktur unabdingbar.

 

Gerüchte, wonach es durch den überhasten personellen Umbau in der Führungs-struktur der Hofreitschule zu einem erneuten Postenschacher im Umfeld der ÖVP kommen könnte, erscheinen angesichts der jüngsten Vorgänge nicht unbegründet.

 

In diesem Zusammenhang richtet der unterfertigte Abgeordnete an den Bundes-minister für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft nachstehende

 

Anfrage

 

1.    Liegt ein finaler Revisionsbericht zur Causa Hudler vor, der öffentlich einsehbar ist?

2.    Warum wurde Alfred Hudler noch vor einer finalen Klärung aller Vorwürfe abberufen?

3.    Wie viele Bewerber gibt es für den derzeit vakanten Posten des Geschäftsführers?

a.    Nach welchen Kriterien wird der neue Geschäftsführer ausgewählt?

b.    Wer zeichnet sich für die Auswahl des neuen Geschäftsführers konkret verantwortlich?

c.    Welche konkreten Qualifikationen muss der neue Geschäftsführer für diese Position vorweisen?

d.    Gibt es eine öffentliche Ausschreibung für den Geschäftsführerposten?

                                          i.    Wenn ja, wo ist diese ersichtlich?

4.    Steht Katharina Nehammer in der engeren Wahl für den Posten des Geschäftsführers?

a.    Wenn ja, aufgrund welcher Kriterien und Qualifikationen steht sie in der engeren Auswahl?

5.    Mit welcher Evaluierung und welchen Kriterien sowie Aufgaben werden Aufsichtsrat und Geschäftsführung künftig bestellt?

6.    Kann das Ministerium ausschließen, dass Personen, die derzeit oder in jüngerer Vergangenheit politische oder organisatorische Funktionen innerhalb der ÖVP, ÖVP-Teilorganisationen (z.B. Bauernbund) oder ÖVP-naher Interessens-vertretungen innehatten, bereits als mögliche Kandidaten für den Geschäftsführerposten berücksichtigt wurden?



[1]    https://www.derstandard.at/story/3000000281341/landwirtschaftsministerium-erstattete-anzeige-gegen-chef-der-spanischen-hofreitschule (aufgerufen am 10.12.2025)

[2]    https://wien.orf.at/stories/3315558/ (aufgerufen am 10.12.2025)

[3]    https://wien.orf.at/stories/3321966/ (aufgerufen am 10.12.2025)