4310/J XXVIII. GP

Eingelangt am 18.12.2025
Dieser Text wurde elektronisch übermittelt. Abweichungen vom Original sind möglich.

ANFRAGE

 

der Abgeordneten Rosa Ecker, MBA

an die Bundesministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumenten-schutz

betreffend Psychische Belastungen, digitale Übernutzung und Social-Media-Druck bei Jugendlichen in Österreich

 

 

Die aktuellen Studien „Jugend‑Internet‑Monitor 2025“ und „JIM‑Studie 2025“ bieten neue, belastbare Daten über das Mediennutzungsverhalten junger Menschen – auch mit direkter Relevanz für das österreichische Schulwesen. Sie belegen:

 

·         Im „Jugend-Internet-Monitor 2025“ nutzen österreichische Jugendliche im Alter von 11 bis 17 Jahren mit großer Mehrheit Plattformen wie WhatsApp, YouTube, Snapchat, Instagram und TikTok – WhatsApp erreicht eine Nutzungsrate von 87%, YouTube 80%; neu hinzugekommen ist mit 35% auf Platz 6 erstmals auch die schulische Kollaborationsplattform Microsoft Teams, was zeigt, dass schulische Werkzeuge zunehmend Teil jugendlicher Sozial- und Alltagsräume geworden sind.[1]

 

·         Dies bedeutet, dass Grenzen zwischen schulischen Lernumgebungen und privater digitaler Kommunikation zunehmend verschwimmen – mit potentiell weitreichenden Konsequenzen für Lern-, Ruhe- und Erholungsphasen.[2]

 

·         Die JIM-Studie 2025 bestätigt, dass viele Jugendliche Schwierigkeiten haben, ihre Mediennutzung zu regulieren: Die tägliche Smartphone-/Bildschirmzeit liegt im Schnitt bei mehreren Stunden, die Selbstkontrolle über Nutzung und Offline-Zeiten fällt vielen schwer.

 

·         Gleichzeitig legen Jugendliche selbst häufig wert auf Offline-Phasen, was auf ein Bewusstsein für Überlastung hinweist – dennoch gelingt der Selbst-regulierung oft nicht.[3]

 

Diese Entwicklungen bergen erhebliche Risiken für die psychische Gesundheit und das Wohlbefinden junger Menschen: permanente Erreichbarkeit, Dauerreizung, Ablenkung, eingeschränkte Ruhephasen und der Druck zur digitalen Teilhabe können zu Stress, Schlafproblemen, Konzentrationsschwierigkeiten, sozialer Überforderung und gesundheitlicher Belastung führen.

 

 

In diesem Zusammenhang richtet die unterfertigte Abgeordnete an die Bundes-ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz nachstehende

 

Anfrage

 

  1. Wie bewertet Ihr Ministerium die Erkenntnisse des Jugend-Internet-Monitors 2025 und der JIM-Studie 2025 im Hinblick auf die psychische und körperliche Gesundheit von Jugendlichen in Österreich?
  2. Welche konkreten gesundheitspädagogischen Maßnahmen sind geplant, um auf die dokumentierte digitale Übernutzung und mögliche negative Folgen zu reagieren?
  3. Wie werden Eltern bzw. Erziehungsberechtigte über die Risiken digitaler Dauer-Nutzung sowie über gesunde Mediennutzung informiert und eingebunden?
  4. Welche Angebote bestehen oder werden konzipiert für Jugendliche mit Anzeichen von digital bedingtem Stress etwa Beratungsangebote, psycho-soziale Unterstützung oder Jugendarbeit?
    1. Welche dieser Angebote werden von Ihrem Ministerium mit welchen Mitteln gefördert?
  5. Welche sonstigen Programme werden mit welchen Mitteln gefördert, die Jugendliche aktiv in Medien- und Gesundheitskompetenz schulen?
  6. Inwieweit berücksichtigt Ihr Ministerium bei gesundheitspolitischen Maßnahmen geschlechtsspezifische Unterschiede etwa, dass Mädchen und Burschen unterschiedlich belastet sind durch Social Media?
  7. Gibt es Studien oder sind welche geplant, die den Zusammenhang zwischen intensiver Mediennutzung in Jugendjahren und langfristiger psychischer Gesundheit nachvollziehen?
  8. Welche Rolle spielen Schulen, Schulpsychologen und Jugendgesundheits-dienste bei der Früherkennung und Prävention digitaler Überlastung und Suchtverhalten?
  9. Besteht eine nationale Leitlinie oder ein Rahmenkonzept für „gesunde digitale Jugendentwicklung“, das Schulen, Eltern und Jugendeinrichtungen Orientierung bietet?

a.    Wenn nicht, ist die Entwicklung eines solchen Konzepts geplant?

  1. Wie wird sichergestellt, dass Angebote und Unterstützungsstrukturen auch für Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien zugänglich sind?
  2. Wie will Ihr Ministerium verhindern, dass schulische Digitalisierung zu zusätzlichem Druck und ständiger Erreichbarkeit führt, statt Bildungsziele mit gesundheitlicher Rücksicht zu verbinden?
  3. Wie werden Maßnahmen und Programme evaluiert, um Wirksamkeit und Nutzen im Sinne von psychischer Gesundheit und Wohlbefinden sicher-zustellen?

a.    Nach welchen Kriterien und in welchen Zeiträumen erfolgt die Evaluierung?

b.    Welche Wirksamkeit zeigen entsprechende Maßnahmen und Programme?



[1]    https://www.saferinternet.at/news-detail/jugend-internet-monitor-2025 (aufgerufen am 05.12.2025)

[2]    https://tibs.at/news/jugend-internet-monitor-und-jim-studie-2025-was-jugendliche-wirklich-online-tun (aufgerufen am 05.12.2025)

[3]    https://mpfs.de/studie/jim-studie-2025/ (aufgerufen am 05.12.2025)