4311/J XXVIII. GP

Eingelangt am 18.12.2025
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ANFRAGE

 

der Abgeordneten Alois Kainz, Irene Eisenhut

an den Bundesminister für Wirtschaft, Energie und Tourismus

betreffend Panda-Diplomatie oder Artenschutz? Transparenz über die Verträge mit China

 

 

Seit 2003 werden im Tiergarten Schönbrunn Große Pandas gehalten. Grundlage ist eine Kooperations- bzw. Leihvereinbarung mit der China Wildlife Conservation Association bzw. der Volksrepublik China. Das erste Panda-Paar, Yang Yang und Long Hui, kam 2003 nach Wien; der ursprünglich zehnjährige Leihvertrag wurde 2012 um weitere zehn Jahre verlängert.[1]

 

Alle Pandas – einschließlich jener, die in europäischen Zoos geboren werden – bleiben laut gängiger Praxis Eigentum der Volksrepublik China. Auch der Tiergarten Schönbrunn bestätigt, dass sämtliche Tiere – inklusive der in Wien geborenen Jungtiere – chinesisches Staatseigentum sind. Die in Schönbrunn geborenen Jungtiere wurden jeweils im Alter von rund zwei Jahren nach China in Zoos oder Zuchtstationen übersiedelt. Im September 2024 wurden bspw. die damals in Schönbrunn gehaltenen Großen Pandas – Yang Yang und Yuan Yuan – nach China übersiedelt, um dort ihren „Lebensabend“ in einer auf geriatrische Pandas spezialisierten Anlage zu verbringen.[2] Noch im Herbst 2024 wurde bekannt gegeben, dass im ersten Halbjahr 2025 ein neues, junges Panda-Paar nach Wien kommen soll; dies ist seit Mai 2025 auch für Besucher zu sehen.[3]

 

International ist dokumentiert, dass für Panda-Leihgaben sehr hohe jährliche Gebühren anfallen, die offiziell als Beitrag zum Artenschutz deklariert werden. Für den Zoo Berlin wurde 2017 verlautbart, dass jährlich rund 1 Mio. US-Dollar (ca. 920.000 Euro) für zwei Tiere bei einer Vertragslaufzeit von 15 Jahren zu zahlen sind.[4]

 

Auch Medienberichte zum Tiergarten Schönbrunn sprechen von kolportierten Leihgebühren in der Größenordnung von rund 1 Mio. US-Dollar pro Jahr, konkrete Vertragsdetails und Lizenzgebühren sind für Wien jedoch nicht öffentlich einsehbar.[5]

 

Gleichzeitig müssen die Tiere – einschließlich der Nachzuchten – aufwendig nach Wien und später wieder nach China transportiert werden, wofür Spezialtransporte, veterinärmedizinische Begleitung, Sicherheitsvorkehrungen und beträchtlicher administrativer Aufwand erforderlich sind. Nach verbreiteter Darstellung dienen Panda-Leihgaben neben Artenschutz und Forschung auch außen- und wirtschaftspolitischen Interessen („Panda-Diplomatie“), nicht zuletzt weil Verträge oft eng mit wirtschaftlichen Kooperationen, politischen Symbolhandlungen und touristischen Überlegungen verknüpft sind.

 

 

In diesem Zusammenhang richten die unterfertigten Abgeordneten an den Bundes-minister für Wirtschaft, Energie und Tourismus nachstehende

 

Anfrage

 

1.    Welche Fachabteilungen Ihres Ministeriums sind in die Verhandlungen und die laufende Abwicklung der Panda-Leihverträge eingebunden?

2.    Welche weiteren Ministerien sind formell oder informell in die Panda-Kooperation eingebunden?

3.    Gibt es mit anderen Ministerien schriftliche Vereinbarungen oder Abstimmungs-mechanismen betreffend die Haltung von Großen Pandas im Tiergarten Schönbrunn?

a.    Wenn ja, welche?

4.    Mit welchen chinesischen Institutionen bestehen aktuell Verträge über die Leihgabe von Großen Pandas an den Tiergarten Schönbrunn?

a.    Seit wann bestehen diese Verträge?

b.    Wie oft wurden sie verlängert bzw. inhaltlich angepasst? (Bitte um chronologische Aufstellung seit 2003, inklusive Beginn- und Enddatum der jeweiligen Vertragsperioden)

5.    Welche Hauptziele werden in den aktuellen Verträgen mit China genannt?

6.    In welcher Sprache oder welchen Sprachen liegen die Verträge vor (Deutsch/Englisch/Chinesisch) und welche Fassung gilt rechtlich als verbindlich?

7.    Unterliegt der konkrete Vertragsinhalt (inkl. finanzieller Bestimmungen) einer Geheimhaltungsklausel?

a.    Wenn ja, welche Stellen dürfen die Verträge dennoch einsehen?

b.    Aus welchen Gründen wurde einer solchen Geheimhaltung zugestimmt?

8.    Welche jährlichen Leihgebühren sind für die im Tiergarten Schönbrunn gehaltenen Großen Pandas in den letzten zehn Jahren vertraglich vereinbart worden? (Bitte um Aufschlüsselung nach Jahr und Kosten)

9.    Wer trägt die Zahlung dieser Gebühren formal?

10. Wurden für die Jahre 2024/2025 im Rahmen der Verlängerung bzw. Neuaufsetzung der Kooperation geänderte Leihgebühren vereinbart?

11. Wie werden die Leihgebühren festgesetzt bzw. woran orientieren sich die anfallenden Gebühren?

12. Sind in den Verträgen vorgesehen

a.    zusätzliche Zahlungen für jeden in Wien geborenen und lebend nach China übersiedelten Panda,

b.    Beiträge für spezielle Zuchtprogramme,

c.    verpflichtende Spenden an chinesische Schutzgebiete oder Forschungs-stationen?

                                          i.    Wenn ja, in welcher Höhe wurden derartige Zusatzbeträge seit 2003 jährlich bezahlt? (Bitte um Aufschlüsselung nach Jahr und Kosten)

13. Welche weiteren Kosten trägt die Republik Österreich bzw. der Tiergarten Schönbrunn im Zusammenhang mit der Panda-Kooperation, etwa für

a.    Transportkosten (Hin- und Rücktransport der Tiere einschließlich Jungtiere),

b.    Spezialversicherungen,

c.    bauliche Anpassungen und Erweiterungen des Panda-Geheges,

d.    spezielle Bambus-Lieferungen und Futterkosten,

e.    zusätzliche Personalkosten?

14. Wurden für die jüngste Modernisierung und Erweiterung der Panda-Anlage zusätzliche Mittel aus dem Bundesbudget oder anderen öffentlichen Quellen aufgewendet?

a.    Wenn ja, in welcher Höhe?

15. Wer trägt die Gesamtkosten der Transporte von Pandas zwischen Österreich und China (inklusive Jungtiere)?

16. Wie hoch waren die Transportkosten für die Rückführung der Pandas im September 2024 nach China? (Bitte um detaillierte Aufschlüsselung soweit verfügbar)

17. Welche Mindest- oder Höchstverweildauer in Wien ist vertraglich vorgesehen, bevor Jungtiere nach China übersiedelt werden müssen?

18. Wer entscheidet über den genauen Zeitpunkt der Rückführung eines Tieres?

19. Welche Verpflichtungen bestehen hinsichtlich Gesundheitsuntersuchungen, Quarantänebestimmungen und tierärztlicher Betreuung im Zusammenhang mit Transporten?

a.    Wer trägt die Kosten hierfür?

20. Bestätigen Sie, dass alle Großen Pandas im Tiergarten Schönbrunn – auch jene, die in Wien geboren wurden – formell Eigentum der Volksrepublik China bleiben?

21. Welche vertraglichen Regelungen bestehen dazu, wem wissenschaftliche Daten, Proben und andere Forschungsergebnisse aus der Arbeit mit den Pandas gehören bzw. wer sie verwerten darf?

22. Gibt es Regelungen, nach denen Österreich anteilig oder vollständig von den Auswilderungs- oder Zuchtprogrammen in China profitiert?

23. Wie wird der konkrete Beitrag der Schönbrunner Panda-Kooperation zum globalen Artenschutz bewertet?

24. Liegen Ihrem Ministerium Berichte oder Evaluierungen vor, die überprüfen, ob die in Wien geleisteten Zahlungen tatsächlich überwiegend in den Schutz der Wildpopulationen und deren Lebensräume fließen?

a.    Wenn ja, welche wesentlichen Ergebnisse hatten diese?

25. Welche quantitativen Analysen zu den wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandas auf den Tiergarten Schönbrunn bzw. den Tourismus in Wien liegen Ihrem Ministerium vor?

26. Wie hoch schätzen Sie die zusätzlichen Einnahmen durch Pandas? (Bitte um Darstellung der jährlichen Nettoeffekte (Mehreinnahmen minus zusätzlicher Kosten) für den Tiergarten Schönbrunn seit 2003)

27. Inwieweit sind Sponsorengelder, Drittmittel oder Kooperationen mit Unternehmen speziell an die Panda-Kooperation geknüpft? (Bitte um Angabe wesentlicher Partnerschaften und Volumen)

28. Welche Rolle spielte die Haltung von Pandas in Schönbrunn in den letzten 20 Jahren in der bilateralen österreichisch-chinesischen Außen- und Wirtschafts-politik?

29. Wurden im Zusammenhang mit der Panda-Kooperation politische oder wirtschaftliche Zusagen der Republik Österreich gegenüber China gemacht?

30. Wurden im Kontext der Panda-Kooperation wirtschaftliche Vorteile oder Zusagen von chinesischer Seite gegenüber Österreich in Aussicht gestellt oder gewährt?

31. Wie stellt Ihr Ministerium sicher, dass zoologische Entscheidungen nicht primär durch außenpolitische oder wirtschaftspolitische Erwägungen bestimmt werden, sondern in erster Linie durch Tierschutz, Artenschutz und wissenschaftliche Kriterien?

32. Aus welchen Gründen wurden die konkreten Vertragsinhalte der Panda-Leihverträge bisher nicht vollständig der Öffentlichkeit zugänglich gemacht?

33. Plant Ihr Ministerium, für künftige Verträge mit Drittstaaten – insbesondere wenn sie hohe laufende Zahlungen und symbolträchtige Kooperationen umfassen – klare Transparenzstandards festzulegen?

34. Halten Sie aus heutiger Sicht das Gesamtpaket der Panda-Kooperation (einschließlich aller Kosten, Auflagen, Verpflichtungen und politisch-diplomatischen Implikationen) für die Republik Österreich für wirtschaftlich und politisch ausgewogen?

a.    Wenn nein, in welchen Bereichen möchte Ihr Ministerium Änderungen anstreben?



[1]    https://www.zoovienna.at/de/news/pandas-bleiben-schonbrunn/ (aufgerufen am 05.12.2025)

[2]    https://www.zoovienna.at/de/news/abschied-von-schonbrunn/ (aufgerufen am 05.12.2025)

[3]    https://www.meinbezirk.at/wien/c-lokales/tiergarten-schoenbrunn-bekommt-neues-pandapaerchen_a6964442 (aufgerufen am 05.12.2025)

[4]    https://www.zoo-berlin.de/de/aktuelles/alle-news/artikel/die-tinte-ist-noch-frisch  (aufgerufen am 05.12.2025)

[5]    https://www.trend.at/politik/panda-politics (aufgerufen am 05.12.2025)