4312/J XXVIII. GP

Eingelangt am 18.12.2025
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ANFRAGE

 

des Abgeordneten Manuel Litzke, BSc

an den Bundesminister für Bildung

betreffend Kulturkampf im Klassenzimmer

 

 

Wie der Lehrer-Gewerkschafter Thomas Krebs (FCG) in einem am 3. November 2025 auf „heute.at“ erschienenen Bericht ausführt, stehen zahlreiche österreichische Pflichtschulen – insbesondere im städtischen Bereich – zunehmend vor massiven disziplinären und gesellschaftlichen Herausforderungen.[1]

 

Lehrpersonen müssten demnach immer mehr Zeit aufbringen, um überhaupt ein Mindestmaß an Unterrichtsdisziplin und Lernbereitschaft sicherzustellen. Laut Krebs gebe es weiterhin zu viele Schülerinnen und Schüler, die nicht über ausreichende Deutschkenntnisse verfügen, um dem Unterricht sinnerfassend folgen zu können. Zudem würden sich manche Schüler nicht an österreichische Gesetze halten und die Regeln der Demokratie missachten.

 

Besonders alarmierend sei, dass sich immer mehr Jugendliche extremistischen Bewegungen anschließen. Diese würden den regulären Schulbetrieb massiv stören, Mitschülerinnen und Lehrerinnen einschüchtern und unter Druck setzen sowie teilweise Unterrichtsinhalte aus Angst vor Reaktionen extremistischer Schüler von Lehrpersonen vermieden würden. In einigen Klassenzimmern herrsche laut Krebs bereits ein „Kulturkampf“.

 

Die Wiener Pflichtschulen seien mittlerweile, so der Gewerkschafter, zu Orten der Krisenbewältigung geworden, anstatt Orte des Lernens und der Wissensvermittlung zu sein. Diese Entwicklung sei das Resultat jahrelanger politischer Fehlentscheidungen im Bildungs- und Integrationsbereich.

 

Angesichts dieser beunruhigenden Zustände besteht dringender politischer Handlungsbedarf. Es darf nicht sein, dass Lehrerinnen und Lehrer in Österreich unter ständiger Bedrohung arbeiten müssen und dass der Unterricht aufgrund kultureller oder religiöser Konflikte eingeschränkt wird.

 

 

In diesem Zusammenhang richtet der unterfertigte Abgeordnete an den Bundes-minister für Bildung nachstehende

 

Anfrage

 

1.    Wie beurteilen Sie die im Artikel von Lehrer-Gewerkschafter Thomas Krebs beschriebenen Zustände an österreichischen Schulen, insbesondere in Wien?

2.    Inwiefern sieht das Ministerium einen Zusammenhang zwischen mangelnder Integration und den geschilderten Konflikten im Klassenzimmer?

3.    Liegen Ihrem Ministerium Daten oder Berichte über Fälle von Extremismus, Gewalt oder religiös motivierter Einschüchterung an Schulen vor?

a.    Wenn ja, wie viele solcher Fälle wurden in den Jahren 2022, 2023, 2024 und 2025 registriert? (Bitte um Aufschlüsselung nach Bundesländern)

4.    Welche konkreten Maßnahmen setzt Ihr Ministerium, um Lehrerinnen und Lehrer vor Bedrohungen und Übergriffen durch radikalisierte oder gewaltbereite Schüler zu schützen?

5.    Inwiefern werden Schulaufsicht und Direktionen angehalten, bei Fällen von religiösem oder politischem Extremismus sofort einzuschreiten und den Unterrichtsbetrieb zu sichern?

6.    Inwiefern arbeitet das Ministerium bei extremistischen Vorfällen mit Sicherheitsbehörden oder Integrationsstellen zusammen?

7.    Gibt es ein standardisiertes Vorgehen bei Verdachtsfällen von religiösem/ politischem Extremismus – insbesondere bei Schülern mit Migrations-hintergrund?

8.    Welche Unterstützung (z. B. psychologisch, sicherheitstechnisch, rechtlich) erhalten betroffene Lehrkräfte und Schulen durch Ihr Ministerium?

9.    Welche Strategien verfolgt das Ministerium, um sicherzustellen, dass Lehrkräfte alle im Lehrplan vorgesehenen Inhalte – insbesondere in gesellschafts-relevanten Fächern – frei und ohne Angst vor Repressalien vermitteln können?

10. Inwiefern sehen Sie die Verantwortung des Ministeriums, gegen die von Herrn Krebs beschriebenen „gesellschaftlichen Fehlentwicklungen“ aktiv gegen-zusteuern?

11. Welche konkreten Schritte planen Sie, um sicherzustellen, dass die Schule wieder primär ein Ort des Lernens und nicht der gesellschaftlichen Krisenbewältigung wird?

12. Werden Sie Initiativen setzen, um die Vermittlung österreichischer Werte, demokratischer Grundhaltungen und Deutschkenntnisse in Schulen gezielt zu stärken?

a.    Wenn ja, in welcher Form?

13. Wie hoch ist aktuell der Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund in Pflichtschulen – insbesondere in städtischen Ballungsräumen wie Wien? (Bitte um Aufschlüsselung nach Bundesländern und Schulformen)

14. Gibt es Zahlen zu Schulstandorten, an denen der Anteil nicht-deutschsprachiger Schülerinnen über 50% liegt? (Bitte um Aufschlüsselung nach Standorten)



[1]    https://www.heute.at/s/lehrer-vertreter-warnt-kulturkampf-im-klassenzimmer-120141273 (aufgerufen am 03.12.2025)