4319/J XXVIII. GP

Eingelangt am 18.12.2025
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Anfrage

der Abgeordneten Elisabeth Götze, Freundinnen und Freunde

an den Bundesminister für Innovation, Mobilität und Infrastruktur

betreffend  Pendler:innenfrust an der neu ausgebauten Marchegger Ostbahnstrecke

BEGRÜNDUNG

 

Die Marchegger Ostbahnstrecke („Marchegger Ast“) wurde nach der 2012 erfolgten Erklärung zur Hochleistungsstrecke in den Jahren 2016 bis 2024 mit hohem Mitteleinsatz zweigleisig und großteils für Tempo 200 ausgebaut und endlich auch elektrifiziert. In den Jahren 2024 und 2025 wurde nach intensiven, letztlich erfolgreichen Verhandlungen auch der grenzüberschreitende Abschnitt in die Slowakei erneuert und elektrifiziert.

Seit 11.10.2025 ist der durchgehende Betrieb auf der Gesamtstrecke Wien-Marchegg-Bratislava wieder aufgenommen. Wie vor den Ausbaumaßnahmen verkehren bislang täglich 19 Nahverkehrs-Zugspaare der Linie REX8. Ab Fahrplan 2026 sind zusätzlich 4 EC-Zugspaare täglich vorgesehen. 

Leider wird seitens betroffener Pendler:innen auf sehr schwierige verkehrliche Zustände an dieser Strecke seit Wiederaufnahme des grenzüberschreitenden Betriebs im Oktober 2025 hingewiesen. Pendler:innen aus dem Marchfeld und aus der Wiener Donaustadt haben die durch die Bauarbeiten hervorgerufenen jahrelangen Unannehmlichkeiten und Einschränkungen mitgetragen, in der Hoffnung in Zukunft eine ökologische, moderne und vor allem zuverlässige Verbindung nutzen zu können. Nunmehr stehen den Betroffenen zufolge jedoch unzumutbare Verspätungen und regelmäßige Ausfälle an der Tagesordnung. Regelmäßig im Pendel- wie Freizeitverkehr die Strecke nutzende Fahrgäste schätzen die Pünktlichkeitsquoten auf etwa 50 bis 60 Prozent, Verspätungen von 20 bis 30 Minuten seien nicht selten. Damit ist diese Strecke insbesondere für Pendler:innen, die über Wien hinaus Anschlusszüge etwa Richtung Süd- oder Westbahn nutzen müssen, nicht brauchbar.

Zudem wird davon berichtet, dass Beschwerden an die ÖBB mit standardisierten Texten beantwortet würden, bei konkreter Nachfrage werde angegeben, dass keine Maßnahmen zur Verbesserung der Situation oder Mängelbehebung geplant seien.

Laut Zugpersonal seien einerseits chronisch auftretende technische Defekte des teilweise betagten Wagenmaterials, aber auch Probleme in der Zusammenarbeit mit den Slowakischen Staatsbahnen für die Missstände verantwortlich. Daneben sollen auch Probleme der nagelneuen Vectron-Lokomotiven bei tieferen Temperaturen eine Rolle spielen.

Nachdem die Öffentliche Hand, einschließlich der EU, enorme Summen in diese Strecke investiert hat, scheint es nun gravierende Probleme zu geben, den Verkehr auf dieser Strecke so, wie es in Sachen Verlässlichkeit und Pünktlichkeit insbesondere für die Pendler:innen als „Zwangskund:innen“ unabdingbar ist, zu betreiben. All dies, ohne dass die öffentliche Hand als Bestellerin wahrnehmbar einschreiten würde.

Es wäre von großer und weit über den Anlassfall hinausreichender Bedeutung, wenn dieses ambitionierte, EU-kofinanzierte Projekt nun im Alltag zu einem Negativbeispiel verkommt, wie die nötige Verkehrswende nicht funktionieren kann.

Die unterfertigenden Abgeordneten stellen daher folgende

ANFRAGE

 

1)    Wie viele Züge sind

a) in den vergangenen 12 Monaten,

b) in der Zeit seit 11.10.2025

auf der Strecke der Marchegger Ostbahn ausgefallen?

2)    Aufgrund welcher Vorkommnisse sind die Verbindungen ausgefallen? Bitte um Auflistung nach Ausfallsgrund sowie relativer und absoluter Häufigkeit.

3)    Bitte für die letzten 12 Monate um eine Aufschlüsselung nach Monaten: Wie hoch lag die Pünktlichkeitsrate auf der Strecke der Marchegger Ostbahn?

4)    Ist Ihnen bekannt, dass betroffenen Kund:innen vom Verkehrsunternehmen kommuniziert wird, dass keine Maßnahmen zur Verbesserung der Situation oder Behebung der Mängel geplant seien?

5)    Wird aktuell an Gegenmaßnahmen gearbeitet, um a) Ausfälle und b) Verspätungen zu verhindern?

a.    Wenn ja, welche sind das im Einzelnen und bis wann ist jeweils mit entsprechenden Verbesserungen für die Fahrgäste zu rechnen?

b.    Wenn nein, warum nicht?

6)    War bzw. ist der von Ihnen ernannte „Sonderbeauftragte für grenzüberschreitende Eisenbahnangelegenheiten“ in dieser zumindest teilweise zwischenstaatlichen Angelegenheit tätig?

a.    Falls ja: Welche Beiträge hat Ihr von Ihnen ernannter Sonderbeauftragter für grenzüberschreitende Eisenbahnangelegenheiten zur Lösung oder Verbesserung bisher konkret im Einzelnen geleistet?

7)    Was a) haben Sie unternommen, b) werden Sie unternehmen, um dem Risiko vorzubeugen, dass die bei der Marchegger Ostbahn derzeit offenbar vorliegende Kombination von hohen EU-kofinanzierten Investitionen, langjährigen baubedingten Erschwernissen für die betroffenen Pendler:innen und sonstigen Fahrgäste und danach dennoch schlechterer Angebotsqualität die generelle Akzeptanz für große, für die Verkehrswende erforderliche Bahn-Infrastrukturprojekte beeinträchtigt?