Eingelangt am 19.12.2025
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Anfrage
der Abgeordneten Sigrid Maurer, Freundinnen und Freunde
an die Bundesministerin für Frauen, Wissenschaft und
Forschung
betreffend Personalabbau, interne Krisenindikatoren und
mögliche Gefährdung des Profils der Universität für
Weiterbildung Krems
BEGRÜNDUNG
In der Beantwortung
der schriftlichen parlamentarischen Anfrage 2474/AB vom 12. September 2025
führen Sie aus, dass für die Universität für Weiterbildung
Krems trotz erheblicher Jahresfehlbeträge und eines nahezu
vollständigen Verbrauchs der Rücklagen „keine unmittelbare
finanzielle Gefahr“ bestehe, da das Globalbudget im Zeitraum
2025–2027 deutlich angehoben worden sei und der geplante Ausbau der
Universität Liquiditätsschwankungen verursache. Sie verweisen weiters
auf regelmäßigen Austausch mit der Universitätsleitung, der
eine stabile Entwicklung sicherstellen solle.
Diese Darstellung
steht jedoch in deutlichem Widerspruch zu aktuellen medialen Berichten aus der
Universität für Weiterbildung Krems. Offenbar kommt es derzeit zu
einer bemerkenswert hohen Anzahl an Kündigungen, darunter auch unbefristet
beschäftigtes wissenschaftliches Personal. Zusätzlich sollen
Beschäftigte – sowohl wissenschaftlich als auch administrativ
– unter Druck gesetzt werden, einer Reduktion ihres Stundenausmaßes
„freiwillig“ zuzustimmen. Hinweise deuten darauf hin, dass diese
Maßnahmen in direktem Zusammenhang mit dem angespannten Budget der
Universität stehen und dass sie tiefgreifende Auswirkungen auf die
Qualität von Lehre, Forschung und Administration haben könnten.
Vor diesem
Hintergrund ergeben sich Zweifel an der tatsächlichen finanziellen und
organisatorischen Stabilität sowie der Durchlässigkeit der
Universität für Weiterbildung Krems als thematisch breit
aufgestellter Hochschule, die sie bisher war. Aus demokratie-, wissenschafts- und
budgetpolitischer Verantwortung ist eine Klärung daher dringend
erforderlich.
Die unterfertigenden Abgeordneten stellen daher folgende
ANFRAGE
- Welche Informationen liegen Ihnen vor über den Umfang der
derzeitigen Kündigungen an der Universität für
Weiterbildung Krems, insbesondere über die Anzahl der betroffenen
Mitarbeiter:innen in den Jahren 2024 und 2025?
- Wie viele der ausgesprochenen Kündigungen betreffen
wissenschaftliches Personal mit unbefristeten Verträgen?
- Um wie viele weitere Personen wurde durch Nichtverlängerung
oder Pensionierungen der Personalstand zusätzlich verringert?
- Haben Sie Kenntnis davon, dass Beschäftigte –
wissenschaftlich oder administrativ – unter Druck gesetzt werden,
einer Reduktion ihres Beschäftigungsausmaßes
„freiwillig“ zuzustimmen?
a. Falls ja: Wie beurteilen Sie diese Praxis?
b. Falls nein: Werden Sie diese Hinweise überprüfen lassen?
- Welche Einsparungsmaßnahmen wurden im Bereich der
Professuren getroffen?
a. Wie viele Professuren gibt es derzeit, bei der die Personen keiner
Lehrverpflichtung nachkommen oder nicht habilitiert sind?
- Wurden dem BMFWF entsprechende Personalmaßnahmen durch die
Universitätsleitung gemeldet oder im Rahmen des
„regelmäßigen Austauschs“ thematisiert?
- Welche arbeitsrechtlichen oder aufsichtsrechtlichen
Möglichkeiten stehen Ihrem Ressort zur Verfügung, um derartige
Vorgänge zu evaluieren und wurden diese bereits genutzt?
- Wie beurteilen Sie den Widerspruch zwischen der behaupteten
finanziellen Stabilität (Anfragebeantwortung vom 12. September 2025)
und den offenkundigen strukturellen Personalmaßnahmen, die
üblicherweise nur bei erheblichem Kostendruck ergriffen werden?
- Welche konkreten Einsparziele verfolgt die Universität
derzeit und sind diese dem BMFWF bekannt oder gemeldet worden?
- Ist dem BMFWF bekannt, ob die Universität aufgrund der
aufgebrauchten Rücklagen (Rückgang von EUR 8,742 Mio. auf EUR
0,94 Mio.) zusätzliche interne Sparprogramme beschlossen hat?
a. Wenn ja: Welche?
b. Wenn nein: Warum liegen hierzu keine Informationen vor?
- Werden Sie angesichts der neuen Hinweise eine
Überprüfung der Governance-, Budget- und Personalstrukturen der
Universität für Weiterbildung Krems veranlassen?
a. Wenn ja: in welchem Umfang?
b. Wenn nein: warum nicht?
- Warum wurde das BMFWF nicht über mögliche
Personalabbauprozesse informiert, obwohl diese wesentlich für die
Beurteilung der finanziellen und organisatorischen Lage sind?
- Halten Sie es für notwendig, dass die Universität die
Öffentlichkeit, die Studierenden und die Beschäftigten über
die aktuelle Lage informiert?
a. Wenn ja: Welche Schritte erwarten Sie?
b. Wenn nein: Aus welchen Gründen?
- Gab es für die Gesetzesänderungen hinsichtlich der
Zulassungen und der Auswahl des Lehrangebots in den letzten Jahren einen
evidenzbasierten externen Evaluierungsprozess, um das Profil der Universität
als breite Hochschule für Weiterbildung zu wahren?
- Wird sichergestellt, dass eine Strategieentwicklung stattfindet,
damit die Universität in den kommenden Jahren ihr
Alleinstellungsmerkmal in der heimischen Universitätslandschaft
behaupten oder sogar schärfen kann?
- Wie ist sichergestellt, dass in Zukunft zwischen Lehre, Verwaltung
und Forschung ausgewogen budgetiert wird?
- Wie ist sichergestellt, dass sich der Vizerektor für Lehre in
dieser Situation vollumfänglich für die Entwicklung des
Lehrangebots der Universität einsetzen kann?
a. Wie viele Wochenstunden umfasst seine Tätigkeit an der
Universität?