4383/J XXVIII. GP

Eingelangt am 23.12.2025
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ANFRAGE

 

der Abgeordneten Rosa Ecker, MBA

an die Bundesministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumenten-schutz

betreffend Maßnahmen zur Schließung gravierender Datenlücken im Bereich der Frauengesundheit

 

 

Der Frauengesundheitsbericht 2022[1] zeigt in zentralen Bereichen erhebliche strukturelle Defizite in der österreichischen Datenlage auf. Die im Bericht identifizierten Lücken betreffen sowohl die psychische als auch die körperliche Gesundheit von Mädchen und Frauen und erschweren eine präzise, evidenzbasierte gesundheits-politische Steuerung. Besonders gravierend ist, dass bei zahlreichen relevanten Gesundheitsindikatoren – etwa im Bereich der psychischen Belastungen, der Lebenslagen spezifischer Zielgruppen, der Prävalenz gynäkologischer Erkrankungen oder sozial bedingter Gesundheitsunterschiede – keine oder nur unvollständige österreichischen Daten vorliegen. Aufgrund dieser Defizite mussten im Bericht wiederholt internationale Datenquellen herangezogen werden, was die Vergleichbarkeit und Aussagekraft für Österreich deutlich einschränkt. Besonders betroffen sind zudem unterrepräsentierte Gruppen wie sehr junge Mütter, Frauen mit niedrigem Bildungsniveau oder Frauen in belastenden Lebenssituationen, deren spezifische gesundheitliche Bedürfnisse mangels Daten kaum sichtbar werden.

 

Auch bei zentralen Instrumenten der Gesundheitsdatenerhebung – wie der österreichischen Gesundheitsbefragung (ATHIS)[2] – bestehen strukturelle Erfassungs- und Dokumentationslücken, die eine systematische Analyse frauenspezifischer Gesundheitsindikatoren erschweren. Der Bericht zeigt zudem, dass viele vorliegende Daten auf Erhebungen aus der Zeit vor der COVID-19-Pandemie beruhen und damit Entwicklungen der letzten Jahre kaum abgebildet werden.

 

 

In diesem Zusammenhang richtet die unterfertigte Abgeordnete an die Bundes-ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz nachstehende

 

 

Anfrage

 

  1. Welche konkreten Schritte setzt Ihr Ministerium derzeit, um die im Frauengesundheitsbericht 2022 festgestellten Datenlücken systematisch zu schließen?
  2. Gibt es Planungen für zusätzliche nationale Erhebungen oder Studien, die fehlende Daten zur psychischen Gesundheit von Mädchen und Frauen, zu Belastungsfaktoren sowie zu spezifischen Zielgruppen aufarbeiten sollen?
  3. Welche Maßnahmen wurden seit Veröffentlichung des Berichts von Ihrem Ministerium gesetzt, um differenzierte Daten zu Mädchen, jungen Frauen sowie älteren Frauen zu gewinnen?
  4. Wurde die österreichische Gesundheitsbefragung (ATHIS) in der aktuellen Erhebungsrunde um frauenspezifische Module erweitert?

a.    Wenn ja, um welche Inhalte?

  1. Ist vorgesehen, Dunkelziffern bei gynäkologischen Erkrankungen durch neue Datenerhebungen im ambulanten Bereich oder durch verpflichtende Dokumentationsstandards zu reduzieren?
  2. Wie soll sichergestellt werden, dass künftige Datenerhebungen im Bereich psychischer Belastungen Ursachen, Auslöser und gruppenspezifische Unterschiede besser abbilden?
  3. Bestehen Kooperationen mit universitären oder außeruniversitären Forschungseinrichtungen, um Bereiche mit fehlenden österreichischen Daten systematisch aufzuarbeiten?

a.    Wenn ja, mit welchen?

b.    Wenn ja, wie gestalten sich die Kooperationen?

  1. Welche Maßnahmen werden gesetzt, um künftig vulnerable Gruppen – etwa sehr junge Mütter oder Frauen mit niedrigem Bildungsabschluss – repräsentativ in Erhebungen abzubilden?
  2. In welchem Zeitraum ist mit dem nächsten umfassenden Frauengesundheits-bericht zu rechnen?

a.    Sollen darin zusätzliche Datenerfassungsmodule enthalten sein?

  1. Plant das Ministerium ein kontinuierliches Monitoring-System für frauen-spezifische Gesundheitsindikatoren, um auch zwischen großen Berichtszyklen aktuelles Datenmaterial verfügbar zu haben?
  2. Welche finanziellen Mittel sind konkret im aktuellen Budget für zusätzliche Datenerhebungen im Bereich Frauengesundheit vorgesehen?
  3. Welche Modelle anderer EU-Mitgliedstaaten dienen als Vorbild für die Verbesserung der Datengrundlagen?

13. Welche Schritte plant Österreich zur Implementierung vergleichbarer Systeme?

  1. Wie wird gewährleistet, dass künftige Gesundheitsdaten nicht mehr vorwiegend auf vorpandemischen Erhebungen basieren, sondern aktuelle Entwicklungen widerspiegeln?
  2. Welche Maßnahmen sind geplant, um regionale Unterschiede und Versorgungslücken im Bereich Frauengesundheit datenbasiert zu erfassen und darauf aufbauend gezielte Maßnahmen abzuleiten?
  3. Wird geprüft, bestehende Register wie das Krebsregister, Mutter-Kind-Pass-Daten oder die Spitalsdokumentation stärker für frauenspezifische Auswertungen nutzbar zu machen?


[1]    https://www.sozialministerium.gv.at/dam/jcr:7157d267-ef16-4a8b-8861-56e9cbf54089/Frauengesundheitsbericht_2022_FINAL.pdf (aufgerufen am 11.12.2025)

[2]    https://www.statistik.at/services/tools/services/publikationen/detail/848 (aufgerufen am 11.12.2025)