4492/J XXVIII. GP

Eingelangt am 13.01.2026
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Anfrage

 

der Abgeordneten Elisabeth Götze, Freundinnen und Freunde

an den Bundesminister für Innovation, Mobilität und Infrastruktur

betreffend Einstellung des Nachtzugs Wien-Paris und weiterer Nachtzugverbindungen

BEGRÜNDUNG

 

Die Renaissance der Nachtzugverkehre in Europa ist als Alternative zum klima- und umweltbelastenden Kurzstrecken-Fliegen sehr wichtig. Österreich und die ÖBB haben sehr wesentlichen Anteil an dieser Wiederbelebung der zum Teil bereits totgeglaubten Nachtzüge. Diese Wiederbelebung wurde in der letzten Gesetzgebungsperiode von der Bundesregierung im Land ebenso wie in Europa (zB Einsatz für Zulässigkeit staatlicher finanzieller Beiträge) aktiv unterstützt.

Nach dem Regierungswechsel mehrten sich die Anzeichen, dass es unter dem neuen SP-Minister Hanke wieder mehr in Richtung der massiv steuersubventionierten Luftfahrt statt klimaverträglicherer Alternativen zum Fliegen, beispielsweise mittels Nachtzügen, geht:

So wurde im Sommer 2025 die Bestellung für neue ÖBB-Nightjet(NJ)-Garnituren von 33 auf 24 reduziert[1].

Jedenfalls werden – aufgrund der kurzfristigen Beendigung der vertraglich an sich noch bis Ende 2026 zugesicherten finanziellen Unterstützung durch den französischen Staat – die NJ-Linien Wien - Paris und Berlin - Paris eingestellt. Trotz einer kraftvollen transnationalen Protestbewegung unter dem Dach der europaweiten Nachtzug-Initiative Back-on-track und einiger schöner Worte des früheren französischen Verkehrsministers und nunmehrigen Bahnchefs kam mit dem Zug am Abend des 13.12.2025 das Aus dieser Nachtzugverbindung. Lediglich für die Strecke Berlin - Paris zeichnet sich ab, dass im Lauf des Jahres 2026 nach einer Angebotslücke ein privater Betreiber einspringen könnte[2], der dafür jedoch eine Sharefunding-Kampagne aufsetzen musste.

 

Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2025 werden weiters die NJ-Linien Wien – Mailand - La Spezia und München - Mailand - La Spezia eingestellt, womit auch die bevölkerungsstarke Lombardei nicht mehr gut mit dem Zug zu erreichen ist. Derzeit wird dazu angegeben, dass es sich hier nur um eine durch zahlreiche Baustellen bedingte Streichung für das Fahrplanjahr 2026 handle, allerdings ist aktuell keine fixe Zusage für ein neuerliches Angebot bekannt.

Schließlich werden nicht nur weniger neue NJ-Garnituren beschafft als vorgesehen, sondern offenbar auch der Fuhrpark der bestehenden klassischen Nachtzugwagen reduziert. Demzufolge wurden schon geplante Revisionen (das sind umfassende Erneuerungen, die nach bestimmten Fristen nötig werden, um Wagen weiterhin einsetzen zu können) für 30 Liegewagen gestoppt – es erfolgte im Vergabeverfahren letztlich kein Zuschlag, da sich die Anforderungen geändert hätten[3]. Diese Wagen werden somit im Lauf der nächsten Jahre abgestellt werden müssen.

Angesichts dieser Entwicklungen stellt sich zunehmend die Frage, wie es mit dem Nachtzugverkehr der ÖBB weitergeht. Insbesondere die Entwicklungen beim Fuhrpark lassen für die nächsten Jahre weitere Angebotsreduktionen anstelle der Fortsetzung des lang und professionell vorbereiteten und umgesetzten Ausbaus erwarten. Vieles, das mühsam aufgebaut wurde, steht auf dem Spiel.

 

Die unterfertigenden Abgeordneten stellen daher folgende

ANFRAGE

 

1)    Welche Aktivitäten haben Sie bzw. Ihr Haus gesetzt, um die Nachtzugverbindung Wien - Paris zu erhalten?

2)    Gab es Gespräche zwischen Ihnen bzw. Ihrem Haus und dem französischen Verkehrsminister bzw. seinem Haus bezüglich einer Vertragserfüllung durch Frankreich bzw. generell bezüglich einer weiteren Mitfinanzierung durch Frankreich?

3)    Gab es Gespräche zwischen Ihnen bzw. Ihrem Haus und dem früheren französischen Verkehrsminister und nunmehrigen Staatsbahnchef bezüglich eines finanziellen Entgegenkommens im Sinne seiner öffentlichen Unterstützungs-Äußerungen für den Nachtzug Wien - Paris?

4)    Werden Varianten zur Kooperation der ÖBB mit privaten Unternehmen wie demjenigen, das Berlin - Paris reaktivieren will, untersucht, die eventuell das Thema des Finanzierungswegfalls in Frankreich entschärfen könnten?

5)    Warum im Einzelnen wird die Nachtzugsverbindung nach Mailand und La Spezia eingestellt?

6)    Ist für die Nightjet(NJ)-Linie nach Mailand und La Spezia eine Reaktivierung für das Fahrplanjahr 2027 geplant? Wenn nein, warum nicht?

7)    Welche Aktivitäten haben Sie bzw. Ihr Haus gesetzt, um die Nachtzugverbindungen nach Mailand und La Spezia doch zu behalten?

8)    Gab es insbesondere Gespräche zwischen Ihnen bzw. Ihrem Haus und dem italienischen Verkehrsminister bzw. seinem Haus bezüglich einer angebotsdienlicheren Gestaltung von Baustellenplanungen und -abwicklungen?

9)    Welche künftigen Einschnitte drohen a) aufgrund der reduzierten Beschaffung von neuen NJ-Garnituren und b) aufgrund des u.a. nach Nichtvergabe des Liegewagen-Revisionsauftrags absehbaren Einsatzendes vieler bestehender Nachtzug-Wagen?

10) Ist geplant, diese zur Abstellung vorgesehenen bestehenden Fahrzeuge anderen staatlichen oder privaten Bahnunternehmen zum Verkauf anzubieten?  



[1] siehe https://presse-oebb.at/news-oebb-mehr-railjets-der-neuen-generation-fuer-den-wachsenden-tagesfernverkehr?id=220122&menueid=27021&l=deutsch

[2] siehe https://www.europeansleeper.eu/de/paris

[3] siehe https://bsky.app/profile/martinbertsch.bsky.social/post/3luzigyym7k2b