4723/J XXVIII. GP

Eingelangt am 27.01.2026
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ANFRAGE

 

der Abgeordneten Lisa Schuch-Gubik

an die Bundesministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumenten-schutz

betreffend Orgasmus-Kampagne am 4. Adventsonntag

 

 

Am vierten Adventsonntag wurde auf der offiziellen Facebook-Seite des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz ein Betrag anlässlich des sogenannten „Weltorgasmustages“ veröffentlicht. Unter Verwendung von Slogans wie „Talk about it“, „Learn about it“, „Enjoy it“ sowie einschlägiger Emojis (Melanzani- und Pfirsichsymbole) wurde ein sogenannter „Orgasmus-Gap“ zwischen den Geschlechtern thematisiert. Eine Grafik „informiert“ über das aktuelle einseitige Verständnis von Sexualität, welches primär durch „Mainstream-Pornos“ vermittelt wird.

 

Ein Bild, das Text, Screenshot, Frucht, Onlinewerbung enthält.

KI-generierte Inhalte können fehlerhaft sein.[1]

 

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Diese Kampagne löste in der Bevölkerung sowie in den Medien massives Unverständnis und scharfe Kritik aus. Kritisiert wurde dabei nicht nur das skurrile Timing unmittelbar vor dem Weihnachtsfest, sondern vor allem die verfehlte Prioritätensetzung angesichts steigender Lebenshaltungskosten, Kinderarmut und sozialer Belastungen vieler Haushalte.

 

Beispielsweise sind laut der aktuellen EU-SILC-Daten für 2025 rund 295.000 Kinder und Jugendliche armutsgefährdet; unter Einbeziehung sozialer Ausgrenzung steigt diese Zahl auf 376.000. In Wien ist fast jedes dritte Kind (31%) betroffen.[2]

 

 

In diesem Zusammenhang richtet die unterfertigte Abgeordnete an die Bundes-ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz nachstehende

 

Anfrage

 

1.    Wie hoch sind die Gesamtkosten (inkl. Konzeption, Grafik, externe Agenturen, Paid-Media/Boosting), die im Rahmen der Kampagne zum „Weltorgasmustag 2025“ entstanden sind?

2.    Welche externen Agenturen, Berater oder Grafikbüros wurden mit der Erstellung der Sujets (z.B. Pfirsich- und Melanzani-Grafiken) beauftragt? (Bitte um Angabe von Name, Auftragsvolumen und Vergabeart)

3.    Wie viele Mitarbeiter Ihres Ressorts waren in die Konzeption und Umsetzung dieser Kampagne eingebunden?

a.     Wie viele Arbeitsstunden sind in diesem Zusammenhang insgesamt angefallen?

4.    Welche internen Richtlinien existieren in Ihrem Ressort bezüglich der Auswahl von Themen sowie der Freigabe von Social-Media-Content?

a.    Welche konkreten Abwägungen wurden im Vorfeld der „Weltorgasmus-tag-Kampagne“ hinsichtlich des Timings (vierter Adventsonntag), der gesellschaftlichen Sensibilität und der Prioritätensetzung gegenüber anderen Ressortthemen (z.B. Armutsbekämpfung) vorgenommen?

b.    Wurden im Vorfeld insbesondere Abwägungsüberlegungen für religiöse Gemeinschaften durchgeführt, für die diese Form der Kommunikation am vierten Adventsonntag eine Herabwürdigung ihrer Werte darstellen könnte?

5.    Welche Community-Management-Richtlinien kommen zur Anwendung, wenn ein Social-Media-Posting Ihres Ressorts einen sogenannten „Shitstorm“ oder überdurchschnittlich viel Kritik auslöst?

a.    Kam es im Rahmen der gegenständlichen Kampagne zu Löschungen von Nutzerkommentaren?

                                      i.        Wenn ja, wie viele Kommentare wurden gelöscht?

b.    Kam es in diesem Zusammenhang zum Verbergen von Kommentaren?

                                      i.        Wenn ja, wie viele Kommentare wurden verborgen?

c.    Nach welchen Kriterien wird zwischen sachlicher Kritik, die stehen bleibt, und Kommentaren, die verborgen oder gelöscht werden, unterschieden?

6.    Welche spezifischen wissenschaftlichen Studien liegen Ihrem Ressort vor, die die Behauptung stützen, dass das Verständnis von Sexualität in Österreich scheinbar ausschließlich männlich geprägt ist?

7.    Gab es für die Orgasmus-Kampagne eine Kooperation mit anderen Ministerien?

a.    Wenn ja, mit welchen und in welchem Umfang?



[1]    https://www.facebook.com/bmasgpk (aufgerufen am 22.12.2025)

[2]    https://www.sozialministerium.gv.at/Themen/Soziales/Soziale-Themen/Allgemeine-Sozialpolitik/Sozialpolitische-Erhebungen.html (aufgerufen am 22.12.2025)