4786/J XXVIII. GP
Eingelangt am 28.01.2026
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ANFRAGE
des Abgeordneten Alois Kainz
an die Bundesministerin für Landesverteidigung
betreffend Geplantes Nationalparkprojekt „Kampwald“ und Auswirkungen auf den Truppenübungsplatz Allentsteig
In den „Niederösterreichischen Nachrichten (NÖN)“ vom 06.01.2026 wurde unter dem Titel „3. geplanter Nationalpark „Kampwald“ könnte schon bald fix sein“ über konkrete Planungen zur Errichtung eines dritten Nationalparks in Niederösterreich berichtet. Laut diesem Artikel erstrecken sich die bereits skizzierten Flächen über rund 4.000 Hektar entlang des Kamps von Mitterreith bis Krumau und grenzen im Norden unmittelbar an den Truppenübungsplatz Allentsteig an. Als wesentlicher Grund-eigentümer wird unter anderem die Windhag Stipendienstiftung genannt. Der Projektzeitraum wird mit drei bis fünf Jahren angegeben. Als Hauptargumente werden Strukturstärkung, Tourismus, Nächtigungssteigerung und regionale Wertschöpfung angeführt.[1]
Der Artikel erweckt den Eindruck, dass die Planungen bereits ein fortgeschrittenes Stadium erreicht haben, ohne dass auf die sicherheitspolitische Bedeutung des Truppenübungsplatzes (TÜPl) Allentsteig sowie möglichen Auswirkungen auf den militärischen Betrieb ausreichend eingegangen wurde.
Der TÜPl Allentsteig ist ein strategischer Kernstandort des Bundesheeres und nimmt insbesondere im Rahmen der Mission „Vorwärts 2032+“ eine zentrale Rolle ein. Jegliche Einschränkung seiner Nutzungsmöglichkeiten hätte unmittelbare Auswirkungen auf die Einsatzbereitschaft des Bundesheeres.
In diesem Zusammenhang richtet der unterfertigte Abgeordnete an die Bundes-ministerin für Landesverteidigung nachstehende
Anfrage
1. Seit wann ist Ihrem Ministerium das Projekt „Nationalpark Kampwald/ Kampseen“ offiziell bekannt?
2. In welchem Umfang wird Ihr Ministerium in die Projektplanung eingebunden?
3. Sind Ihrem Ministerium die im Artikel erwähnten bereits fixierten Grenzen bekannt und wurden diese von Ihrem Ministerium geprüft?
4. Berühren die derzeit bekannten Planungen Eigentumsflächen des TÜPl Allentsteig oder militärisch genutzte Bereiche direkt oder indirekt?
5. Besteht die Gefahr, dass durch eine frühzeitige Grenzziehung faktische Vorentscheidungen zu Lasten des Bundesheeres getroffen werden?
6. Ist das Österreichische Bundesheer mit einem offiziellen Vertreter im Personenkomitee für das Nationalparkprojekt eingebunden?
a. Wenn ja, durch wen?
b. Wenn ja, in welchem Umfang (Funktion, Aufgabenbereich u.ä.)?
c. Wenn nein, wieso nicht?
7. Welche rechtlichen Konsequenzen hätte eine Einbeziehung von Flächen des TÜPl Allentsteig in ein Nationalparkprojekt?
8. Wären in diesem Fall gesonderte Verträge, Vereinbarungen oder neue Benützungsordnungen erforderlich?
9. Würde dies Änderungen bestehender Sperrgebietsregelungen nach sich ziehen?
10. Ist mit einem erhöhten öffentlichen Durchzugsverkehr auf der L75 zu rechnen, insbesondere angesichts der derzeitigen Sperren aufgrund des Übungs-betriebes?
11. Welche Auswirkungen hätte dies auf militärische Sicherheit, Geheimhaltung und den laufenden Übungsbetrieb?
12. Welche konkreten Auswirkungen hätte das Projekt insgesamt auf den laufenden Betrieb des TÜPl Allentsteig?
13. Besteht die Gefahr einer teilweisen Abtretung von Flächen des TÜPl Allentsteig?
a. Wenn ja, in welchem Umfang?
14. Auf welcher rechtlichen Grundlage könnte eine solche Abtretung erfolgen?
15. Welche Kosten würden aus einer Abtretung entstehen?
16. Wie ist die Gesamtfinanzierung des Projekts vorgesehen?
a. Welche Beiträge sollen (Anrainer-)Gemeinden, Bund, Land und EU leisten?
17. Welche anderen Ministerien sind finanziell oder organisatorisch in das Projekt eingebunden?
18. Ist das Projekt mit den strategischen Zielsetzungen der Mission „Vorwärts 2032+“ vereinbar?
19. Wurden mögliche Einschränkungen für moderne Waffensysteme, neue Übungsszenarien und erweiterte Gefahrenbereiche im Zuge der Planungen geprüft?
20. Könnte ein angrenzender oder überlappender Nationalpark zu Einschränkungen militärischer Nutzung führen?
a. Wenn ja, wie sollen diese Einschränkungen kompensiert werden?
21. Besteht die Gefahr, dass militärische Aktivitäten künftig verstärkt naturschutz-rechtlichen Bewilligungsverfahren unterliegen würden?
22. Welche rechtlichen Unterschiede bestehen zwischen Natura 2000 und Nationalpark hinsichtlich Nutzungseinschränkungen?
23. Welche Fördermittel von EU, Bund und Land bestehen für dieses Projekt?
24. Würde ein Nationalpark im Vergleich zu Natura 2000 zusätzliche Restriktionen für den TÜPl Allentsteig bedeuten?
25. Sind Ihrem Ministerium die seit Jahrzehnten erhobenen Forderungen der Grünen bekannt, wonach ein Drittel der TÜPl-Flächen für das Bundesheer, ein Drittel für die Landwirtschaft und ein Drittel für Tourismus genutzt werden solle?
26. Gab es zu diesen Forderungen jemals Gespräche, Planungen oder interne Bewertungen Ihres Ministeriums?
27. Werden diese Forderungen im Zusammenhang mit dem aktuellen Projekt erneut relevant?
28. Ist Ihrem Ministerium bekannt, dass große Teile der geplanten Flächen im Eigentum der Windhag’schen Stipendienstiftung stehen?
29. Wurde geprüft, ob wirtschaftliche Interessen einzelner Grundeigentümer eine wesentliche Triebfeder des Projektes darstellen?
30. Sieht Ihr Ministerium die Gefahr einer indirekten politischen Einflussnahme durch finanzielle Interessen Dritter?
31. Welche Zahlen und Studien liegen zur tatsächlichen regionalwirtschaftlichen Wirkung bestehender Nationalparks vor?
32. Welche konkreten Projektunterlagen, Machbarkeitsstudien oder Gutachten liegen bisher zum Projekt vor?
a. Welche Studien und Gutachten sind in Auftrag gegeben und wann werden sie von wem durchgeführt?
33. Welche Ergebnisse enthalten die bestehenden Unterlagen hinsichtlich Kosten, Nutzen, Auswirkungen und Ressourcenbedarf?
34. Besteht ein inhaltlicher oder strategischer Zusammenhang zwischen dem geplanten Nationalparkprojekt und dem vorgesehenen „Wehrpolitischen Bildungszentrum“ in Allentsteig?
35. Teilt Ihr Ministerium die Einschätzung, dass ein derartiges Großprojekt angesichts der angespannten budgetären und geopolitischen Lage realistisch und verantwortbar ist?
[1] https://www.noen.at/zwettl/in-drei-bis-fuenf-jahren-3-geplanter-nationalpark-kampwald-koennte-schon-bald-fix-sein-503894177 (aufgerufen am 11.01.2026)