4830/J XXVIII. GP

Eingelangt am 02.02.2026
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ANFRAGE

 

des Abgeordneten Michael Gmeindl

an die Bundesministerin für Landesverteidigung

betreffend Pfandflaschen beim Bundesheer: unnötige Kosten, erschwerte Logistik und fragwürdige Zweckmäßigkeit

 

 

Der laufende Betrieb des Österreichischen Bundesheeres wird zunehmend durch bürokratische und praxisferne Regelungen belastet. Ein besonders gravierendes Beispiel zeigt sich im Umgang mit Pfandflaschen und bepfandeten Getränkegebinden. Trotz klarer militärischer Anforderungen an Effizienz, Gewichtsreduktion, Transport-optimierung und rasche Einsatzbereitschaft führt das Pfandsystem im Bundesheer zu genau dem Gegenteil: Mehraufwand, Mehrausgaben, erheblichen Platzproblemen sowie unnötigen logistischen Behinderungen.

 

Soldaten berichten übereinstimmend, dass Pfandgebinde im Feld nicht geknickt oder komprimiert werden dürfen und dadurch das Transportvolumen massiv steigt. Zusätzlich entstehen jährlich beträchtliche Pfandverluste, da Gebinde beschädigt, verschmutzt oder schlicht nicht rückführbar sind. Es stellt sich daher die grundlegende Frage, warum ein militärischer Einsatzbetrieb an ein ziviles Pfandsystem gekettet wird, das den operativen Erfordernissen diametral widerspricht.

 

Gerade vor dem Hintergrund knapper Budgets und wachsender sicherheitspolitischer Herausforderungen ist es dringend geboten, diese Fehlentwicklung aufzuklären, ihre Kosten transparent darzustellen und endlich zu beurteilen, ob dieses System für ein Heer überhaupt zweckmäßig ist oder ob es sich lediglich um eine weitere Belastung ohne erkennbaren Nutzen handelt.

 

 

In diesem Zusammenhang richtet der unterfertigte Abgeordnete an die Bundes-ministerin für Landesverteidigung nachstehende

 

Anfrage

 

1.    Wie rechtfertigt Ihr Ressort die Einführung bzw. Durchführung eines Pfandsystems im militärischen Bereich, obwohl dieses nachweislich Transport, Lagerung und Einsatzlogistik erschwert?

a.    Welche militärischen Vorteile sollen daraus entstehen?

2.    Wie viele Pfandgebinde wurden 2023, 2024 und 2025 beschafft und wie hoch waren die jeweiligen Pfandkosten?

a.    Welche realen Kosten entstanden durch Schwund, Beschädigung oder Verlust?

b.    Wie begründet das Ressort diesen ineffizienten Mitteleinsatz?

3.    Welche konkreten Mehrkosten verursachten Transport, Rückführung und Zwischenlagerung der Pfandgebinde im Rahmen von Übungen und Einsätzen?

a.    Wie oft mussten zusätzliche Transportkapazitäten wegen Pfand-gebinden bereitgestellt oder umdisponiert werden?

b.    Welche Auswirkungen hatte dies auf die Einsatzbereitschaft?

4.    Ist dem Ressort bewusst, dass nicht komprimierbare Flaschen im Feld zu erheblichen Platzproblemen führen und dadurch Material- sowie Personal-ressourcen gebunden werden?

a.    Wenn ja, warum wurde dieses Problem bisher ignoriert?

b.    Welche Dienststellen haben diesbezügliche Warnungen ausge-sprochen?

5.    Wurde jemals evaluiert, ob das Pfandsystem im militärischen Bereich überhaupt zweckmäßig ist oder ob es sich um eine reine Belastung ohne operativen Nutzen handelt?

a.    Wenn ja, werden die Ergebnisse veröffentlicht?

b.    Wenn nein, warum wurde auf eine Bewertung verzichtet?

6.    Welche internen Weisungen verpflichten Soldaten zur Sammlung und Rückführung von Pfandflaschen?

7.    Welche alternativen Versorgungskonzepte (z. B. pfandfreie Großgebinde, mobile Aufbereitungssysteme, modernisierte Feldflaschenlösungen) wurden geprüft und aus welchen Gründen verworfen?

8.    Welche Beschwerden oder Berichte aus der Truppe liegen dem Ressort vor, wonach das Pfandsystem die Abläufe behindert oder die Einsatzlogistik verkompliziert?

a.    Welche Maßnahmen setzt das Ressort, um diese Probleme abzustellen?

9.    Wie hoch ist der tatsächliche jährliche Mehraufwand des Pfandsystems für das Bundesheer, inklusive Transportkosten, Personalaufwand, Schwund, Beschaffungsmehrkosten und Mehraufwand im täglichen Dienstbetrieb?

10. Plant Ihr Ressort, eine Ausnahmeregelung für das Bundesheer zu schaffen, um die unnötige Belastung durch das Pfandsystem zu beenden?

a.    Wenn nein, wie rechtfertigen Sie die Fortführung eines Systems, das offensichtlich nicht einsatztauglich ist?

b.    Wenn ja, bis wann ist mit Ergebnissen zu rechnen?

11. Wie beurteilen Sie selbst die Sinnhaftigkeit eines Systems, welches mehr kostet als es einbringt, die Logistik erschwert und die Einsatzbereitschaft des Heeres beeinträchtigt?